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Babbel legt Börsengang auf Eis

Der Sprachlern-Anbieter Babbel legt seinen Börsengang vorerst auf Eis. Foto: Babbel

Paukenschlag aus Berlin: Der Sprachlern-Anbieter Babbel macht kurzfristig einen Rückzieher und bläst seinen für diesen Freitag geplanten Börsengang ab, wie das Unternehmen am Dienstagabend überraschend mitteilte. Man habe sich „aufgrund der derzeit ungünstigen Marktbedingungen“ gemeinsam mit den Aktionären entschlossen, den IPO zu verschieben. Die Babbel Group strebe aber mittelfristig dennoch eine Börsennotierung in Frankfurt an, heißt es weiter.

Mit dem IPO hatte Babbel auf eine Börsenbewertung von bis zu 1,3 Milliarden Euro gehofft. Die geplanten bis zu 13 Millionen Aktien – davon 7,3 Millionen neue Aktien – hatten die Berliner mit einer Preisspanne zwischen 24 und 28 Euro angeboten und sich im Vorfeld mit der Nachfrage vonseiten der Investoren zufrieden gezeigt.

Das IPO-Vorhaben wird von BNP Paribas, Morgan Stanley, Berenberg und Citigroup begleitet. Auch eine der beteiligten Banken hatte Medienberichten zufolge noch am Montag angegeben, über ausreichend Aufträge im Orderbuch zu verfügen, um geplante Emissionsvolumen einschließlich der Platzierungsreserve abdecken zu können. Ob die Gebote am oberen oder unteren Ende der Preisspanne lagen, ist allerdings nicht bekannt.

Babbel mit deutlichem Umsatzwachstum

Beim Blick auf die eigenen Geschäftszahlen stehen die Berliner aktuell gut da. Die Coronakrise und die damit einhergehenden Lockdowns haben das Lernen von Zuhause offenbar befeuert. So verzeichnete Babbel im vergangenen Jahr einen Rekordumsatz von 147 Millionen Euro. Auch im ersten Halbjahr dieses Jahres kletterte der Umsatz auf 83 Millionen Euro – ein Plus von 18 Prozent. 

Trotz guter Vorzeichen nun der Rückzieher: Über die genauen Gründe für die IPO-Absage machte das Sprachlern-Start-up außer dem Verweis auf das Marktumfeld bislang keine Angabe. Möglicherweise könnten die befürchteten Auswirkungen auf die Kapitalmärkte durch den in finanzielle Schieflage geratenen chinesischen Immobiliengiganten Evergrande Babbel dazu bewogen haben, den Börsengang vorerst auf Eis zu legen.

Volatilität an den Märkten massiv gestiegen

Das Marktumfeld hatte sich zuletzt eingetrübt: „Sowohl die Evergrande-Krise in China als auch einige technische Gründe (neue Dax-Zusammensetzung, Optionsverfalltag etc.) haben in der vergangenen Woche zum Volatilitätsanstieg und Kursverlusten geführt“, erklärt Ralf Darpe, Co-Head of Corporate Finance, Head of Equity Capital Markets in der DACH-Region bei der Société Générale. „Die Volatilität ist auf über 29 gestiegen, was negative Auswirkungen auf den IPO Markt hat, der nach relativ starren Zeitplänen funktioniert“. Nach Darpes Einschätzung sehe man aber immer auch sehr schnelle Gegenbewegungen, Investoren nutzen günstigere Einstiegskurse sofort wieder aus – auch in den vergangenen zwei Tagen. Dieser Trend zeige, dass mittel- bis langfristiges Kaufinteresse weiterhin vorhanden sei.  

Auch Katy Ritzmann, Rechtsanwältin bei GSK Stockmann, geht davon aus, dass sich das Marktumfeld schnell wieder verbessern und damit eine bessere Ausgangsposition für einen Gang aufs Parkett bieten könnte. „Die Turbulenzen um Evergrande in China haben unmittelbare Auswirkungen auf das IPO-Umfeld hier. Aus meiner Sicht ist es daher eine kluge Entscheidung den geplanten Börsengang kurzfristig zu verschieben. Die vergangenen Monate haben gezeigt, dass ohne solch kurzfristige Verwerfungen ein sehr gutes Umfeld für Börsengänge herrscht.“

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Berliner wollen im US-Markt wachsen

Die überraschende Absage des IPOs dürfte dem geplanten Wachstum des Sprachlern-Anbieters einen Dämpfer versetzen, bis der Börsengang nachgeholt werden kann. Mit dem Erlös, der in der Mitte der Preisspanne bei um die 190 Millionen Euro gelegen hätte, wollte Babbel den weiteren Ausbau des eigenen Ökosystems und des B2B-Geschäfts vorantreiben sowie Forderungen aus bestehenden Mitarbeiteraktienprogrammen begleichen. Außerdem sollte die internationale Expansion vorangetrieben werden, das Start-up will vor allem seine Position auf dem US-Markt weiter ausbauen. Derzeit bietet die Sprachlern-App, die in neun Sprachen zur Verfügung steht, den Nutzern die Möglichkeit, 15 Fremdsprachen zu erlernen.

Mit der Absage ihres IPOs sind die Berliner jedoch nicht die einzigen in diesem Jahr. Nach einer rekordverdächtigen Zahl an Börsengängen deutscher Unternehmen im ersten Halbjahr hatte im Mai bereits Investor HgCapital den Börsengang seines Online-Fahrzeughändlers „MeinAuto“ abgeblasen – ebenfalls mit dem Verweis auf ein schwieriges Marktumfeld. Im Vorfeld hatte sich Berichten zufolge abgezeichnet, dass die bis zu 25,8 Millionen Aktien am unteren Ende der Preisspanne zugeteilt worden wären. Zudem hatte zu diesem Zeitpunkt auch der Aktienkurs des bereits an der Börse notierten Rivalen Auto1 stark nachgegeben, sodass HgCapital offenbar ein ähnliches Szenario für den geplanten Börsenstart befürchtete.

thomas.holzamer[at]finance-magazin.de

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Thomas Holzamer ist Redakteur bei FINANCE und verfolgt schwerpunktmäßig die aktuellen Entwicklungen im Banken-Sektor, speziell das Firmenkundengeschäft. Er hat Politikwissenschaften an der Technischen Universität Darmstadt studiert. Vor FINANCE arbeitete Thomas Holzamer mehr als 12 Jahre in den Redaktionen der Mediengruppe Offenbach-Post, zunächst als verantwortlicher Redakteur für Sonderpublikationen, später im Lokalen.

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Antonia Kögler ist Redakteurin bei FINANCE und DerTreasurer. Sie hat einen Magisterabschluss in Amerikanistik, Publizistik und Politik und absolvierte während ihres Studiums Auslandssemester in Madrid und Washington DC. Sie befasst sich schwerpunktmäßig mit Finanzierungsthemen und verfolgt alle Entwicklungen rund um Green Finance und Nachhaltigkeit in der Finanzabteilung.

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