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Green Finance – Was war, was 2021 kommt

Die Krise konnte ihm nichts anhaben: Der Green-Finance-Markt hat sich auch 2020 weiterentwickelt.
jamesteohart – stock.adobe.com

Das Thema Green Finance wurde im Krisenjahr 2020 nur kurzzeitig von der Agenda gedrängt. Im Frühjahr brach das Emissionsvolumen krisenbedingt zeitweise ein, nur um im Herbst wieder zur Hochform aufzulaufen. In Summe wird das Volumen 2020 weltweit trotz Corona in etwa auf dem Vorjahresniveau von rund 200 Milliarden Euro liegen. Und ein Ende des Trends ist nicht in Sicht: Der Assetmanager NN Investmentpartners rechnet damit, dass es 2021 sogar 50 Prozent mehr sein werden – also insgesamt 300 Milliarden Euro.

Darüber hinaus haben 2020 vor allem Social Bonds eine Hochzeit erlebt. Besonders staatliche Akteure stellten soziale Verwendungszwecke bei ihren Emissionen in den Vordergrund, und sammelten Kapital für Projekte ein, die beispielsweise die heftigen Auswirkungen der Pandemie abfedern sollten.

Automotive-Sektor strömt an den Green-Finance-Markt

Neben Wiederholungstätern enterten in Deutschland auch viele neue Emittenten den Green-Bond-Markt. Der Übertragungsnetzbetreiber 50Hertz und der Chemiekonzern BASF etwa gaben ihre Debüts. Besonders spannend: Der Automotive-Sektor zapfte den Green-Finance-Markt in diesem Jahr besonders stark an. Die Konzerne Daimler und Volkswagen emittierten mit wenigen Wochen Abstand ihre ersten Green Bonds. 

Der Sektor steht vor einer tiefgreifenden Transformation hin zu einer klimafreundlichen Mobilität und hat deshalb enorme Investitionssummen zu stemmen. Anleihen, mit denen ausschließlich nachhaltige Projekte finanziert werden können, passen gut in den Finanzierungsmix. Auch der Automobilzulieferer Schaeffler nutzte eine solche grüne Projektfinanzierung, allerdings am Schuldscheinmarkt. Für die Herzogenauracher war es sowohl ein Debüt am Schuldscheinmarkt als auch der erste Auftritt am Green-Finance-Markt.

Andere Vertreter der Automotive-Branche setzten statt auf eine Projektfinanzierung hingegen auf den sogenannten ESG-Link. Diese Finanzierungen, bei denen die Zins-Marge an die Nachhaltigkeitsperformance des Unternehmens gekoppelt ist und die für alle Unternehmenszwecke eingesetzt werden können, haben sich schon 2019 rasant verbreitet und dies auch 2020 fortgesetzt. Der LKW-Hersteller Traton etwa baute die Komponente in seinen ersten Konsortialkredit überhaupt ein. Der Zulieferer Continental entschied sich ebenfalls für dieses Konstrukt und schloss einen ESG-linked Loan ab.

ESG-Links in neuen Produkten eingesetzt

Viele weitere Unternehmen wie Lanxess oder Qiagen setzten im vergangenen Jahr erstmals bei Krediten auf die Koppelung der Marge an die Nachhaltigkeitsperformance. Der Mechanismus ist auch deshalb beliebt, weil er sich individuell auf die Unternehmen zuschneiden lässt. Ob die Nachhaltigkeitsleistung an einem ESG-Rating oder an einzelnen Kennzahlen gemessen wird, kann das Unternehmen gemeinsam mit den Geldgebern festlegen. Darüber hinaus kann der Mechanismus auch bei anderen Finanzierungsinstrumenten eingebaut werden.

ESG-linked Schuldscheine waren bereits 2019 bekannt. 2020 ist der Green-Finance-Markt um einige weitere Spielarten reicher geworden. So setzte der Maschinen- und Anlagenbauer Dürr, der häufig als grüner Pionier auftritt, den Mechanismus bei einem Zinsswap für eine Wandelanleihe ein. Der Metall- und Anlagebauer Primetals Technologies knüpfte erstmals die Konditionen von FX-Optionen an Nachhaltigkeitsziele.

Ob klimaneutrales Leasing oder Vorstöße bei Sustainable Supply Chain Finance – der Innovationswille blieb im grünen Finanzierungsmarkt auch im Krisenjahr 2020 hoch. Gute Chancen auf eine weitere Verbreitung dürften ESG-linked Bonds haben. 2020 war zwar nicht das erste Jahr, in dem solche Transaktionen an den Markt kamen, aber mit den Schweizer Unternehmen Novartis und LafargeHolcim rückte das Instrument im deutschsprachigen Raum stärker in den Fokus. Wichtiger Meilenstein: Die EZB hat im vergangenen Jahr den Weg freigemacht, um solche Anleihen auch im Rahmen ihrer Anleihekaufprogramme kaufen zu dürfen.

EU-Taxonomie wirft ihre Schatten voraus

Nicht nur auf der Instrumentenebene hat das vergangene Jahr Neuerungen gebracht. Mit der Übernahme einer Mehrheitsbeteiligung am Stimmrechtsberater ISS, der auch im Nachhaltigkeits-Segment stark ist, setzte die Deutsche Börse im ESG-Segment ein klares Zeichen, dass sie mitmischen will und wird. Den Datenanbietern im Nachhaltigkeitssegment wird künftig eine noch bedeutendere Rolle zukommen. Warum? Dafür sorgt die EU-Taxonomie.

Das Mammutwerk der Europäischen Union für mehr Vergleichbarkeit bei nachhaltigen Investitionen wird das dominierende Thema im Sustainable-Finance-Markt werden. Um zu prüfen, was Taxonomie-konform ist und was nicht, werden viele Marktteilnehmer auf die Expertise der Agenturen zurückgreifen. Auch der EU-Green-Bond-Standard wird 2021 kommen, und das etablierte grüne Segment wird sich noch einmal neu ordnen müssen.

antonia.koegler[at]finance-magazin.de

Info

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Antonia Kögler ist Redakteurin bei FINANCE und DerTreasurer. Sie hat einen Magisterabschluss in Amerikanistik, Publizistik und Politik und absolvierte während ihres Studiums Auslandssemester in Madrid und Washington DC. Sie befasst sich schwerpunktmäßig mit Finanzierungsthemen und verfolgt alle Entwicklungen rund um Green Finance und Nachhaltigkeit in der Finanzabteilung.