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Hallhuber kündigt Mittelstandsanleihe

Bondmarkt ade: Hallhuber schlüpft unter das Dach von Gerry Weber und kündigt seine Mittelstandsanleihe zum frühestmöglichen Zeitpunkt.
Hallhuber

Der Modefilialist Hallhuber wird seine Mittelstandsanleihe zwei Jahre früher als geplant tilgen. Das Unternehmen gab heute Nachmittag bekannt, die frühestmögliche Call-Option per Juni 2016 ausüben zu wollen. In einem Jahr erhalten die Investoren dann 102 Prozent des Nennwerts. Ursprünglich sollte die Anleihe mit einem Volumen von 30 Millionen Euro bis Juni 2018 laufen, begeben wurde das Papier im Jahr 2013.

Der Schritt kommt nicht überraschend. Kurz vor dem Jahreswechsel hatte der PE-Investor Change Capital Partners Hallhuber an den Modekonzern Gerry Weber verkauft. Aus Sicht von David Frink, CFO des börsennotierten Familienunternehmens Gerry Weber, das eine stattliche Eigenkapitalquote von 69 Prozent aufweist, ist es naheliegend, die mit 7,25 Prozent für Gerry-Weber-Verhältnisse ausgesprochen teure Mittelstandsanleihe so früh wie möglich aus der Passivseite herauszubekommen.

Die deutlich bessere Bonität des neuen Eigentümers goutierten die Hallhuber-Investoren schon unmittelbar nach der Ankündigung der Übernahme mit einem Sprung des Anleihekurses von 90 auf 108 Prozent.

Hallhuber finanziert sich jetzt über Intercompany-Darlehen

Unter dem Dach von Gerry Weber will das Hallhuber-Management den eingeschlagenen Expansionskurs nun noch weiter beschleunigen. Wuchs das Hallhuber-Filialnetz in den vergangenen zwei Jahren bereits um 86 auf 218 Shops, sollen im laufenden Jahr noch einmal fünfzig neue Shops eröffnet werden, zwanzig mehr als ursprünglich geplant – auch, weil Hallhuber nun laut Aussage von Hallhuber-CFO Richard Lohner Zugriff auf das Gerry-Weber-Netzwerk in Auslandsmärkten hat, die für Hallhuber bislang Terra Incognita waren. Auch Synergieeffekte in Logistik und Beschaffung kämen nun langsam zum Tragen.

Möglich macht die schnellere Expansion aber vor allem die Bilanz des neuen Gesellschafters: „Wir haben ein Intercompany-Darlehen von Gerry Weber bekommen, das die Basis für die Rückzahlung der Anleihe ist“ sagte Lohner gegenüber FINANCE. Die Zinsen des Intercompany-Darlehens seien „natürlich deutlich geringer“ als die der Anleihe.

Einen Teil des zusätzlichen Spielraums hat sich Hallhuber aber auch selbst erarbeitet: Im vergangenen Jahr stieg der Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) noch stärker als der Umsatz, der laut Lohner um 25 Prozent auf über 135 Millionen Euro zulegte. Dies führte dazu, dass der Nettoverschuldungsgrad Hallhubers 2014 von 2,66x auf 1,81x Ebitda zurückging.  

Hallhuber ist eine der wenigen Mode-Anleihen, die gut gelaufen sind. Zahlreiche andere Emittenten aus dem Modebereich sind am Mini-Bondmarkt schwer unter die Räder gekommen. Einige Modehersteller, die kurz zuvor Mittelstandsanleihen begeben hatten, mussten in der Zwischenzeit Insolvenz anmelden, darunter die Traditionsmarken Strenesse und Rena Lange. Bei Rena Lange kam das Aus nicht einmal ein Jahr nach Begebung der Mittelstandsanleihe.

michael.hedtstueck[at]finance-magazin.de

Info

Pleiten, Merger, Hoffnungsschimmer: Mehr Infos zum Geschehen am Mini-Bondmarkt finden Sie auf unserer FINANCE-Themenseite zu Mittelstandsanleihen.

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Michael Hedtstück ist Chefredakteur von FINANCE-Online und FINANCE-TV und verantwortet die Online-Aktivitäten des FINANCE-Magazins. Er ist zweifacher Träger des Deutschen Journalistenpreises.

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