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Problemfall Anleihe: Für Singulus wird es noch enger

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Singulus, das unter anderem Produktionsanlagen für CDs und DVDs herstellt, steht vor dem Abgrund. Wegen der fehlenden Bilanztestate drohen die Anleihengläubiger mit Kündigung. Foto: Markus Kleine - adobe.stock.com
Singulus, das unter anderem Produktionsanlagen für CDs und DVDs herstellt, steht vor dem Abgrund. Wegen der fehlenden Bilanztestate drohen die Anleihengläubiger mit Kündigung. Foto: Markus Kleine - adobe.stock.com

Für Singulus wird die Lage immer prekärer. Wegen der fehlenden Testate für die Jahresabschlüsse 2020 und 2021 haben nun die ersten Gläubiger mit der Kündigung einer Anleihe gedroht. Wie das Unternehmen mitteilte, bleiben nun nur noch 30 Tage, um die Bilanztestate zu bekommen, sonst droht die sofortige Rückzahlung der Anleihe, die Singulus sehr schwer fallen würde. Konkret geht es um eine 12 Millionen Euro schwere Anleihe mit einer Laufzeit bis 2026.

Singulus hat Probleme mit dem „Going concern“

Damit spitzt sich die Lage für Singulus Technologies dramatisch zu. Um die außerordentliche Kündigung der Anleihe durch die Bondholder zu vermeiden, muss CFO Markus Ehret nun entweder kurzfristig die dafür nötigen Mittel auftreiben oder das Problem lösen, das der Testierung der beiden jüngsten Jahresabschlüsse durch den Wirtschaftsprüfer KPMG noch im Wege steht.

Das Testat für den 2020er-Abschluss ist schon seit über einem Jahr überfällig. Knackpunkt ist offenbar der Bereich „Going concern“, für den Singulus nachweisen muss, dass es durchfinanziert ist und die Abwicklung der bestehenden Auftragspipeline vorfinanzieren kann. Nach Aussage Ehrets gebe es dazu Finanzierungszusagen. Ende Mai dieses Jahres ließ er mitteilen, dass mit einer internationalen Großbank ein Darlehensvertrag über eine Betriebsmittellinie in Höhe von 10 Millionen Euro abgeschlossen worden sei.

Diese Finanzierungszusage ist KPMG aber offenbar nicht belastbar genug. Anfang Juni musste Singulus einräumen, dass der Prüfer „kurzfristig zusätzliche Prüfungsunterlagen angefragt“ habe und sich deshalb die Buchführung noch länger hinziehen werde.

Singulus am Kapitalmarkt unter Druck

Bislang brocken die ausbleibenden Bilanztestate Singulus lediglich Ordnungsgelder von der BaFin ein. Da die Aktie des Mittelständlers in keinem Index notiert ist, greift die Sanktion „Indexrauswurf“ durch die Börse bei Singulus nicht.

Nun aber signalisieren die Kurse am Kapitalmarkt Insolvenzgefahr: Für die Anleihe bieten Kursmakler nur noch Geldkurse von 35 Prozent, der Aktienkurs steht mit 2,30 Euro mehr als ein Drittel niedriger als vor einem Monat. Gegenüber Freitag beläuft sich das heutige Minus auf 6 Prozent.

Auf Talfahrt: Singulus-Aktienkurs seit Mai

Gemäß der vorläufigen und ungeprüften Geschäftszahlen erwirtschaftete Singulus im Jahr 2021 zwischen 64 und 68 Millionen Euro Umsatz, im Jahr 2020 waren es knapp 30 Millionen Euro gewesen. Das Ebit soll zwischen minus 12 und minus 16 Millionen Euro betragen. Wegen der Umsatzschwäche schreibt der Maschinenbauer schon seit langem rote Zahlen.

jan.schuermann[at]finance-magazin.de