Die Bafin erscheint im Fall Wirecard in immer schlechterem Licht.

Kai Hartmann Photography BaFin

14.08.20
Finanzierungen

Bafin-Mitarbeiter handelten mit Wirecard-Aktien

Die nächste böse Überraschung aus dem Hause Bafin: Kurz vor der Pleite handelten Bafin-Beschäftigte verstärkt mit Aktien von Wirecard.

Die Bafin macht mit einer weiteren kritikwürdigen Aktion im Wirecard-Skandal auf sich aufmerksam: Beschäftigte der Finanzaufsicht haben in den Monaten vor der Pleite verstärkt mit Papieren des Zahlungsdienstleisters gehandelt. Das geht aus den vorliegenden Antworten des Bundesfinanzministeriums auf einen Fragenkatalog der Grünen hervor, der der Nachrichtenagentur Reuters vorliegt.

So entfielen im ersten Halbjahr dieses Jahres – in dem der Skandal um den insolventen Zahlungsdienstleister eskalierte – 2,4 Prozent aller gemeldeten privaten Finanzgeschäfte von Bafin-Mitarbeitern auf Wirecard-Aktien oder Aktienderivate. Im Jahr davor lag der Anteil noch bei 1,7 Prozent, 2018 bei 1,2 Prozent. Insgesamt hat in diesem und im vergangenen Jahr jeder fünfte der 2.700 Mitarbeiter der Bafin private Finanzgeschäfte angemeldet.

Bafin steht wegen Wirecard unter Beschuss

Damit erhöht sich der ohnehin schon hohe Druck auf die Finanzaufsicht und dessen Dienstherrn, Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD). Doch das Bundesfinanzministerium reagiert beschwichtigend auf die neuen Schlagzeilen. Die Zunahme des Handels mit Wirecard-Papieren sei auf die höheren Schwankungen des Aktienkurses durch die Medienberichterstattung und die Ad-hoc-Meldungen des Unternehmens zurückzuführen.

Deshalb seien die verstärkten Aktiengeschäfte auch „nicht ungewöhnlich beziehungsweise nicht auffällig“, gerade wenn man sie mit anderen Geschäften in Bezug auf die steigende Volatilität von Dax-Werten vergleichen würde, argumentiert das Ministerium. Dass Wirecard damals öffentlich von verschiedenen Seiten massive Straftaten vorgeworfen wurden, berücksichtigt das Finanzministerium in seiner Verteidigungsargumentation nicht.

Bafin-Mitarbeiter müssen sich private Aktiengeschäfte nicht nur von ihren Fachvorgesetzten genehmigen lassen müssen. Sie müssen auch bestätigen, dass sie zu den Unternehmen, deren Aktien sie handeln, keine Insiderkenntnisse besitzen.

In den vergangen Wochen verdichteten sich die Anzeichen dafür, dass mehrere beteiligte Parteien im Wirecard-Skandal Insiderinformationen durchsickern ließen. Verdächtig ist unter anderem ein Post in dem Onlineforum „finanzen.net“, in dem ein Nutzer wenige Tage vor der dem Absturz des Zahlungsdienstleisters schrieb, dass EY die Bilanz nicht uneingeschränkt testieren werde. Auch gegen Markus Braun, Ex-Wirecard-Chef, wird wegen Insiderhandels ermittelt.

Das Finanzministerium verweist auf den internen Genehmigungsprozess bei der Bafin, der das Nutzen von Insiderinformationen ausschließe. Jedoch sieht sich das Ministerium nicht dazu in der Lage festzustellen, ob es bei den privaten Spekulationsgeschäften der Bafin-Mitarbeiter auch zu Leerverkäufen der Aktie gekommen ist.

Bafin wird von Tilp verklagt

Der Zeitpunkt dieser Enthüllung ist für die Bafin problematisch, wird ihr doch von mehreren Seiten im Wirecard-Fall Aufsichtsversagen vorgeworfen. Ende Juli reichte die Kanzlei Tilp Klage gegen die Aufsichtsbehörde ein. Sie wirft der Bafin „jahrelangen Amtsmissbrauch“ im Fall Wirecard vor. Das Kontrollorgan habe „leichtfertig die gesetzlichen Pflichten zur Aufklärung, Verhinderung und zur Anzeige von Marktmanipulationen sowie zur richtigen, vollständigen und nicht irreführenden Information der Öffentlichkeit und des Kapitalmarkts verletzt“.

sarah.backhaus[at]finance-magazin.de

Mit dem Wirecard-Ticker bleiben Sie bei dem Bilanzskandal des insolventen Zahlungsdienstleisters immer auf dem Laufenden. Noch mehr Infos und Hintergründe finden Sie auf der FINANCE-Themenseite Wirecard.

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