Siemens Healthineers platziert neue Aktien und sammelt 2,73 Milliarden Euro ein.

Siemens Healthineers

03.09.20
Finanzierungen

Siemens Healthineers mit milliardenschwerer Kapitalerhöhung

Um den größten Zukauf der Konzerngeschichte zu stemmen, hat sich Siemens Healthineers frisches Geld über eine Kapitalerhöhung besorgt. Doch das ist nur der Anfang.

16,4 Milliarden US-Dollar (rund 14 Milliarden Euro) – diese stolze Summe will Siemens Healthineers für den US-Konzern Varian auf den Tisch legen. Das hatte die Siemens-Tochter Anfang August bekanntgegeben. Nun ist Healthineers den ersten Schritt für die Refinanzierung des M&A-Deals gegangen: Die Erlanger haben 2,73 Milliarden Euro vor Provisionen und Kosten über eine Kapitalerhöhung eingesammelt. Die Transaktion war laut Unternehmenskreisen gut zweifach überzeichnet, wie die Nachrichtenagentur dpa-AFX berichtet. Der Anteil von Siemens sinkt durch die Kapitalerhöhung von 85 auf 79 Prozent.

Insgesamt wurde das Grundkapital um 7,5 Prozent erhöht. Dafür wurden 75 Millionen neue, auf den Namen lautende Stückaktien im Rahmen eines beschleunigten Platzierungsverfahrens bei institutionellen Anlegern platziert. Das Bezugsrecht der Aktionäre war ausgeschlossen. Der Platzierungspreis der neuen Papiere lag bei 36,40 Euro je Aktie und damit unter dem Schlusskurs vom Mittwoch von 38,32 Euro. Entsprechend geriet die Aktie heute Vormittag unter Druck.

Größte Kapitalerhöhung des Jahres

Nach der Transaktion unterliegt Siemens Healthineers einer Lock-up-Verpflichtung. Der Konzern kann für 180 Tage keine weiteren Aktien oder Instrumente ausgeben, die in Aktien wandelbar sind. Die Kapitalerhöhung wurde von JP Morgan und UBS als Joint Global Coordinators und Joint Bookrunners begleitet. Ebenfalls waren BNP Paribas, BofA und HSBC als Joint Bookrunners beteiligt, Credit Suisse, Deutsche Bank und Unicredit agierten als Co-Bookrunners.

Mit der Transaktion setzt sich Siemens Healthineers an die Spitze der ABO-Transaktionen (Acceleracted Bookbuliding Offering) in Deutschland. Es ist die größte Platzierung in diesem Jahr. Die Erlanger entthronen damit RWE, die mit ihrer Transaktion über 2 Milliarden Euro im August bislang an der Spitze standen. Insgesamt war der deutsche ECM-Markt in diesem Jahr im Aufwind, das platzierte Volumen liegt bislang deutlich über Vorjahr.

Siemens Healthineers löst Teil der Brückenfinanzierung ab

Mit dem Erlös der Transaktion will Siemens Healthineers einen Teil der Brückenfinanzierung ablösen, die die Mutter Siemens dem MDax-Unternehmen zur Verfügung stellt. Siemens-CFO Ralf P. Thomas gewährt der Medizintechniktochter eine Brückenfinanzierung über 15,2 Milliarden Euro. Sie läuft maximal 24 Monate ab Vollzug, kann aber auch vorzeitig zurückgezahlt werden.

Dass sich Healthineers-CFO Jochen Schmitz um eine vorzeitige Ablösung bemühen wird, war bereits abzusehen. Der Konzern hatte mit Verkündung der Deal-Pläne auch bereits Details zur geplanten Refinanzierung bekanntgegeben. Die Hälfte der Summe soll über Anleihen finanziert werden, die vom Siemens-Konzern begeben und über konzerninterne Darlehen an Siemens Healthineers weitergereicht werden.

Die zweite Hälfte der Summe soll über Kapitalerhöhungen refinanziert werden. Insgesamt 170 Millionen neue Aktien sollen ausgegeben werden – mit der aktuellen Transaktion kommt Siemens Healthineers also bereits einen großen Schritt voran.

FINANCE-Köpfe

Dr. Jochen Schmitz, Siemens Healthineers AG

Jochen Schmitz kommt 1996 zu Siemens. Er beginnt dort seine Karriere bei Siemens im Controlling, bevor er 2004 als Leiter des Performance-Controllings zu Siemens Healthcare kommt. Bis 2011 ist er in verschiedenen, auch internationalen Leitungsfunktionen im Finanzbereich tätig, zuletzt als CFO der Division Healthcare Imaging and Therapy Systems.

Nach sechs Jahren als Chef des Controllings der Siemens AG kehrt Schmitz 2017 als CFO der inzwischen in Siemens Healthineers umbenannten Medizintechniksparte zurück.

zum Profil

Siemens Healthineers auf dem Weg Richtung Dax

Die Kapitalerhöhungen haben für den Medizintechnikonzern zudem noch einen positiven Nebeneffekt: Der Streubesitz und die Handelbarkeit der Aktien steigt. Bislang verhindert der Mangel daran einen Aufstieg in die erste deutsche Börsenliga. Mit der Kapitalerhöhung ist Siemens Healthineers also auch dem Dax ein Stück näher gekommen.

antonia.koegler[at]finance-magazin.de

Mehr über den Werdegang des Siemens-Healthineer-Finanzchefs erfahren Sie auf dem FINANCE-Köpfe-Profil von Jochen Schmitz