RWE hat am Kapitalmarkt 2 Milliarden Euro eingesammelt.

RWE

19.08.20
Finanzierungen

RWE kassiert 2 Milliarden Euro

RWE sammelt über eine Kapitalerhöhung 2 Milliarden Euro ein. Mit dem frischen Kapital will Noch-CFO und Bald-CEO Markus Krebber in Erneuerbare Energien investieren und die Übernahme eines Nordex-Portfolios refinanzieren.

Frisches Geld für RWE: Wie der Essener Energiekonzern mitteilte, hat er über eine Kapitalerhöhung 2 Milliarden Euro eingesammelt. Dafür hat RWE unter Ausschluss des Bezugsrechts das Grundkapital um 10 Prozent oder rund 61 Millionen neue Aktien erhöht. Das Angebot war dreifach überzeichnet, so RWE. Die Kapitalerhöhung wurden am gestrigen Dienstagabend laut RBC-Analyst John Musk innerhalb von 30 Minuten gezeichnet.

Der Platzierungspreis der Aktien lag bei 32,55 Euro je Wertpapier. Das ist weniger als der Schlusskurs der Aktie am gestrigen Dienstagabend, als das Papier bei rund 34 Euro notierte. Am heutigen Vormittag hat die Aktie aber nach der überraschenden Kapitalerhöhung bereits knapp 4 Prozent an Wert eingebüßt und notiert nur noch leicht über dem Platzierungspreis. Trotzdem liegt der Kurs deutlich höher als noch vor wenigen Monaten, als die Ausbreitung des Coronavirus für einen Börsencrash sorgte. Mitte März war die RWE-Aktie lediglich knapp über 20 Euro wert.

Die neuen Aktien wurden im Rahmen eines privaten, beschleunigten Platzierungsverfahrens ausschließlich institutionellen Investoren angeboten. Die Aktien sind bereits für das Geschäftsjahr 2020 dividendenberechtigt und werden voraussichtlich ab dem kommenden Freitag in den Handel aufgenommen, teilt RWE mit.

RWE investiert in Erneuerbare Energien

Mit der Kapitalerhöhung stellt Markus Krebber als Finanzchef noch einmal wichtige Weichen, bevor er im Sommer 2021 zum CEO aufsteigen wird. Denn mit den Erlösen der Kapitalerhöhung werden vor allem langfristige Projekte von RWE finanziert, die Krebber voraussichtlich auch als CEO begleiten wird. Dazu zählt vor allem der Umbau zu einem „global führenden Unternehmen im Bereich der Erneuerbaren Energien“. Ein wichtiger Baustein ist der milliardenschwere Asset-Deal mit E.on. Zudem will RWE bis 2040 klimaneutral werden.

Ein Teil des Nettoerlöses soll daher in den „zusätzlichen, kurzfristigen Ausbau des Portfolios an Erneuerbaren Energien und in die Weiterentwicklung der Projektpipeline“ fließen, teilen die Essener mit. Darüber hinaus will RWE in „weitere, sich mittel- und langfristige bietende Wachstumsmöglichkeiten“ investieren, „und zwar über das bisherige Ziel hinaus“. Dieses sah bisher vor, dass RWE bis 2022 rund 5 Milliarden Euro in Erneuerbare Energien steckt und die installierte Leistung auf mehr als 13 Gigawatt hebt. Wie viel mehr der Konzern nun konkret in Erneuerbare Energien investieren wird, teilte er nicht mit.

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Dr. Markus Krebber, RWE AG

Nach der Ausbildung zum Bankkaufmann bei der Deutschen Bank und dem Studium startet Markus Krebber seine Laufbahn als Unternehmensberater bei McKinsey. Während dieser Zeit promoviert er an der Humboldt-Universität zu Berlin am Institut für Bank-, Börsen- und Versicherungswesen.

2005 wechselt Krebber zur Commerzbank als Bereichsleiter Business Development im Bereich Privat- und Geschäftskunden. Dort steigt er zunächst zum COO des Privatkundengeschäfts auf und dann zum Bereichsvorstand Group Integration. Nach erfolgreichem Abschluss der Dresdner-Bank-Integration wird er Bereichsvorstand Group Finance.

Ende 2012 verändert sich Krebber als CFO zu RWE Supply & Trading, wo er im März 2015 den Posten als CEO übernimmt. Im Oktober 2016 wird er CFO des Mutterkonzerns RWE.

Ende April 2020 gibt RWE bekannt, dass Markus Krebber die Nachfolge für den zum 1. Juli 2021 ausscheidenden Vorstandsvorsitzenden Rolf Martin Schmitz übernehmen soll.

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Des Weiteren soll ein Teil der Erlöse zur Refinanzierung eines kürzlich bekanntgegebenen Deals verwendet werden. RWE hatte im Juli für 400 Millionen Euro das europäische Wind- und Solarenergiegeschäft des Windanlagenbauers Nordex mit einem Volumen von 2,7 Gigawatt übernommen. Diese Transaktion stärkt insbesondere die Position in Frankreich, teilte CFO Krebber im Juli mit. Das Geschäft will RWE in die Tochter „Renewables“ integrieren.

Jefferies-Analyst: Gewinne könnten verwässert werden

Analysten reagierten gespalten auf die Kapitalerhöhung: RBC-Analyst John Musk bewertet die Kapitalerhöhung positiv, sie eröffne neue Möglichkeiten zur Expansion im Bereich Erneuerbare Energien. Zudem habe RWE dadurch mehr finanziellen Spielraum für Wachstum und sei finanziell flexibler aufgestellt. Die Essener könnten ihre Projekte nun rascher umsetzen.

Sollte RWE mit den Erlösen seine Kapazitäten in den nächsten zehn Jahren um etwa 500 Megawatt pro Jahr erhöhen, könnten die Essener rund 2 Milliarden Euro zusätzlich an Wert schaffen, was 3 Euro je RWE-Aktie entspreche, ergänzt Goldman-Analyst Alberto Gandolfi.

Zu bedenken gab Jefferies-Analyst Ahmed Farman, dass sich die Investitionen erst nach dem Jahr 2022 rentieren dürften. Daher müssten die Aktionäre mit einer kurzfristigen Verwässerung der Gewinne rechnen.

RWE-Konkurrenten setzen stärker auf Green Finance

RWE versucht wie viele Wettbewerber seit einiger Zeit, auf die Produktion von grünem Strom umzusteigen. Aktuell setzt der Energiekonzern aber noch immer auf alle Arten der Stromproduktion – die Essener produzieren in Atom- und Kohlekraftwerken, aber auch über erneuerbare Kanäle wie Gas, Wind- und Solarenergie. Anders als zuletzt Traton und Siemens Energy oder auch die Branchennachbarn E.on und EnBW setzt RWE allerdings noch nicht auf Green Finance, um den Ausstieg aus der Atom- und Kohlestromproduktion zu finanzieren.

olivia.harder[at]finance-magazin.de

Mehr über den RWE-CFO erfahren Sie auf dem FINANCE-Köpfe-Profil von Markus Krebber.