Der Maschinen- und Anlagenbauer Dürr hat eine für Deutschland neuartige grüne Finanzierung getätigt.

Dürr AG

28.09.20
Finanzierungen

Finanzierungen: Dürr, Hensoldt, Knaus Tabbert

Dürr sorgt für eine Premiere am Green-Finance-Markt und Hensoldt und Knaus Tabbert haben den Sprung an die Börse gewagt – der wöchentliche FINANCE-Ticker.

Dürr platziert Wandelanleihe mit ESG-Komponente

Der Maschinen- und Anlagenbauer Dürr hat eine Wandelanleihe mit Nachhaltigkeitskomponente platziert. Das Volumen des Bonds beträgt 150 Millionen Euro. Der Kupon beträgt 0,75 Prozent, die Laufzeit 5,3 Jahre. Die Wandlungsprämie liegt bei 40 Prozent. Die Bondemission wurde von BNP Paribas, LBBW und Unicredit begleitet. Rechtlich wurde Dürr von Freshfields beraten, die Banken von Allen & Overy.

Die Nachhaltigkeitskomponente wurde über den Abschluss eines ESG-gebundenen Zinsswaps mit der Unicredit abgebildet. Falls Dürr sein Nachhaltigkeitsrating, das von der Agentur Ecovadis erstellt wird, nicht in einem bestimmten Umfang verbessern kann, muss das Unternehmen einen festen Betrag an die Unicredit zahlen. Dieser wird dann im Anschluss für nachhaltige Projekte verwendet. Unicredit zufolge ist dies der erste ESG-gebundene Zinsswap in Deutschland.

Hensoldt schafft Sprung an die Börse mit Abstrichen

Der Rüstungselektronikhersteller Hensoldt musste beim Börsengang am vergangenen Freitag Abstriche machen. Der Angebotspreis lag bei 12 Euro je Aktie und damit am unteren Ende der Preisspanne. Insgesamt hat das Portfoliounternehmen des Finanzinvestors KKR rund 38,3 Millionen Aktien bei Investoren platziert. Das Angebot umfasste 25 Millionen neue Aktien aus einer Kapitalerhöhung und rund 13,3 Millionen bestehende Aktien. Hensoldt kommt damit auf einen Unternehmenswert von 2,29 Milliarden Euro.

300 Millionen Euro fließen Hensoldt aus der Kapitalerhöhung zu. 160 Millionen Euro gehen an den veräußernden Anteilseigner KKR, der aber weiterhin rund 60 Prozent der Aktien hält. Bank of America, JP Morgan, KKR Capital Markets und die Deutsche Bank fungieren bei der Transaktion als Joint Global Coordinators. Citigroup, Commerzbank, Unicredit und Crédit Agricole unterstützen die Transaktion als Joint Bookrunners. Mizuho International agiert als Co-Manager.

Knaus Tabbert sammelt mit IPO weniger ein als erhofft

Der Finanzinvestor HTP musste beim Börsengang seines Portfoliounternehmens Knaus Tabbert ebenfalls Abstriche machen. Der Ausgabepreis der neuen Aktien wurde auf 58 Euro festgelegt und liegt damit am unteren Ende der Preisspanne. Eigentlich war ein Preis von 58 bis 74 Euro je Aktie anvisiert worden. Zudem fiel auch das Volumen des IPOs kleiner aus als geplant. Statt 4,945 Millionen Aktien wurden nun inklusive Greenshoe-Option nur 4,35 Millionen Aktien emittiert. 350.000 Aktien davon sind Primäraktien. Der Streubesitz liegt nun bei 38,5 Prozent.

Knaus Tabbert erlöst mit dem Börsengang insgesamt 232 Millionen Euro und somit über 100 Millionen Euro weniger als ursprünglich geplant. Ein Großteil des Erlöses fließt an den Eigentümer HTP. Rechtlich wurde Knaus Tabbert bei dem Börsengang von der Kanzlei Hengeler Mueller (Federführung: Reinhold Ernst und Dirk Busch) beraten. 

Ladestationhersteller Compleo plant IPO

Der Ladesäulenhersteller für Elektrofahrzeuge Compleo will noch vor Ende des Jahres den Gang aufs Börsenparkett wagen. Wie das Dortmunder Unternehmen am heutigen Montagmorgen mitteilte, werde ein Angebot für die Notierung im Prime Standard vorbereitet, welches mehrheitlich aus neu geschaffenen Aktien bestehen soll. In kleinerem Umfang wollen sich auch Altaktionäre von Anteilen trennen.

Mit dem IPO-Erlös, der einen mittlerem bis hohen zweistelligen Millionenwert erreichen dürfte will die E-Mobility-Gesellschaft die Wachstumsstrategie finanzieren. Konkret möchte das Unternehmen die Expansion in der Europäischen Union weiter vorantreiben, seine Technologie weiterentwickeln, das Produktportfolio erweitern und seine Produktionsanlagen vergrößern.

Fresenius mit milliardenschweren Anleihen

Das Medizintechnikunternehmen Fresenius hat Anleihen im Gesamtvolumen von 1 Milliarde Euro platziert. Die erste Anleihe über 500 Millionen Euro hat eine Laufzeit bis September 2026 und wird mit 0,375 Prozent verzinst. Die zweite mit 1,125 Prozent verzinste Anleihe hat ebenfalls ein Volumen von 500 Millionen Euro und läuft bis Januar 2033.

Den Emissionserlös will Fresenius für allgemeine Geschäftszwecke, inklusive der Refinanzierung bestehender Finanzverbindlichkeiten verwenden. Das Unternehmen hat die Anleihen unter seinem European-Medium-Term-Note-Programm begeben. 

Weitere Meldungen

Munich Re wird am Green-Finance-Markt aktiv: Der Rückversicherer hat erstmals in seiner Unternehmensgeschichte eine grüne Nachranganleihe begeben. Das Volumen des Green Bonds, der bis 2041 läuft, beträgt 1,25 Milliarden Euro. Der Zinskupon liegt bei 1,25 Prozent. Mit dem eingesammelten Kapital will Munich Re Projekte aus seinem „Green Bond Framework“ finanzieren. Dazu zählen unter anderem Eigen- und Fremdkapitalinvestitionen in erneuerbare Energien, nachhaltiges Transportwesen oder grüne Gebäude.

Der Bremssystemhersteller Knorr-Bremse legt sein Debt-Issuance-Programm mit einem Volumen von 3 Milliarden Euro neu auf und erhöht dadurch seine finanzielle Flexibilität. Die Deutsche Bank begleitet das Programm, das an der Luxemburger Börse notiert ist, als Arrangeur. Die Neuauflage des Programms ermöglicht es Knorr-Bremse, den Bondmarkt als weitere Finanzierungsquelle zu nutzen. Zuletzt hatte das Unternehmen 2018 eine Anleihe begeben. „Mit dem Debt-Issuance-Programm vergrößern wir unseren Handlungsspielraum kurzfristig und adäquat auf die COVID-19 Pandemie reagieren zu können.“, erläutert Finanzvorstand Markus Weber die Transaktion. Gleichzeitig könne Knorr-Bremse neue Wachstumschancen nutzen.

Der Gabelstaplerhersteller Kion hat eine neue Unternehmensanleihe im Gesamtvolumen von 500 Millionen Euro platziert. Eigenen Angaben zufolge war die Emission fünffach überzeichnet und stieß bei einem Kreis aus institutionellen Investoren sowie Fonds und Versicherungen auf großes Interesse. Dies zeige das Vertrauen des Kapitalmarkts in die „Unternehmensstrategie KION 2027“, kommentiert Kion-CFO Anke Groth. Die unbesicherten Anleihen haben eine Laufzeit bis 2025 und werden mit 1,625 Prozent verzinst. Durch die Transaktion diversifiziert der Gabelstaplerhersteller seine Finanzierungsstruktur. Mit den Erlösen will Kion bestehende Verbindlichkeiten vorzeitig refinanzieren und sein Fälligkeitsprofil der Fremdfinanzierung verbessern.

ECE Real Estate Partners, die Fonds-Management-Gesellschaft des Hamburger Gewerbeimmobilien-Spezialisten ECE, hat erstmals eine Anleihe begeben. Der Bond hat ein Volumen von 100 Millionen Euro und wurde im Rahmen einer Privatplatzierung bei institutionellen Investoren platziert. Die Erlöse will ECE zur Finanzierung einer Immobilienportfoliotransaktion verwenden. Rechtlich wurde ECE bei der Anleiheemission von der Kanzlei Allen & Overy (Federführung: Stefan Henkelmann) beraten.

Die Karlsberg Brauerei hat die Emission seiner Unternehmensanleihe vorzeitig abgeschlossen. Sie war deutlich überzeichnet, sodass das Volumen auf 50 Millionen Euro erhöht werden konnte, wie das Unternehmen mitteilt. Ursprünglich waren nur 40 Millionen Euro geplant gewesen. Der Zinssatz wurde auf 4,25 Prozent festgelegt. Das Angebot bestand aus einem Umtauschangebot für die Inhaber der Anleihe 2016/2021, einem öffentlichen Angebot sowie einer Privatplatzierung. Die Transaktion wurde durch die Bankhaus Lampe und die IKB als Joint Lead Manager, Heuking Kühn Lüer Wojtek als Rechtsberater sowie durch die IR.on als Kommunikationsberater begleitet.

Auch der Immobilienentwickler Euroboden will sich zum vierten Mal frisches Kapital vom Mittelstandsanleihenmarkt besorgen. Der neue Bond, der kurz vor der Vermarktung steht, soll bis zu 75 Millionen Euro schwer sein und einen Kupon von 5,5 Prozent tragen, zahlbar halbjährlich. Die Gläubiger der 2022 auslaufenden Anleihe bekommen ein Umtauschangebot mit einem Bonus von 20 Euro pro Papier. 

Der Investmentmanager Corestate hat eine Kapitalerhöhung durchgeführt. Insgesamt sind rund 4,2 Millionen Aktien zu einem Preis von 17,82 Euro bei ausgewählten Anlegern platziert worden. Das Grundkapital der Gesellschaft erhöht sich dadurch um 19,5 Prozent. Den Emissionserlös in Höhe von 75 Millionen Euro will Corestate zur kurzfristigen Reduzierung der Nettofinanzverschuldung nutzen. Der Sole Global Coordinator Berenberg,wurde bei der Transaktion rechtlich von der Kanzlei McDermott (Federführung: Simon Weiß) beraten.

antonia.koegler[at]finance-magazin.de

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