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Corestate findet keinen Abschlussprüfer

Corestate findet keinen Abschlussprüfer
Corestate sucht einen Abschlussprüfer. Die Veröffentlichung des Jahresabschlusses verzögert sich. Foto: Yvonne Weis - stock.adobe.com

Droht ein neuer Fall Adler? Ähnlich wie bei dem Branchenkollegen hat auch das angeschlagene Immobilienunternehmen Corestate Probleme, einen Abschlussprüfer zu finden. Die Bestellung eines Abschlussprüfers verzögert sich, teilt das Unternehmen mit.

Die Folge: Corestate kann seinen Konzern- und Einzelabschluss für das Geschäftsjahr 2022 nicht fristgerecht geprüft bis zum 30. April veröffentlichen. Das habe auch Auswirkungen auf die fristgerechte Erfüllung der unterjährigen Publizitätspflichten der Gesellschaft in diesem Jahr. Zudem könne es in Folge zu zeitlichen Verschiebungen bei der Umsetzung der Beschlüsse aus der Gläubigerversammlung kommen, so Corestate weiter.

Corestate-Restrukturierung verzögert Prüfersuche

Doch anders als bei Adler habe der Prüfer des letztjährigen geprüften und testierten Abschlusses, EY, sein Mandat nicht niedergelegt, sondern sei ohnehin nur für die Prüfung des Jahresabschlusses 2021 mandatiert gewesen. „Das Mandat wird jedes Jahr neu vergeben“, sagte ein Sprecher zu FINANCE. Die Bestellung eines neuen Wirtschaftsprüfers habe sich „aufgrund des komplexen Verfahrens zur Restrukturierung der Anleihen“ verzögert.

Inwiefern die Bestellung eines Abschlussprüfers die Ende November beschlossene Restrukturierung beeinflussen wird, kann Corestate noch nicht sagen. „Wir befinden uns mit den Gläubigern in konstruktiven Gesprächen“, sagte ein Sprecher gegenüber FINANCE.

Fakt ist: Gefährdet die Verzögerung bei der Wirtschaftsprüfersuche die Restrukturierung, steht für Corestate einiges auf dem Spiel. Ende 2022 wäre eine Wandelanleihe in Höhe von 188 Millionen Euro fällig gewesen sowie im April 2023 eine Anleihe in Höhe von 300 Millionen Euro. Corestate hatte zudem eine Zinszahlung in Höhe von 5 Millionen Euro der im April fälligen Anleihe nicht getätigt. Über die Restrukturierung der beiden Anleihen hatte sich der Vorstand zerstritten.

Restrukturierung sorgte für Vorstandschaos

Während der damalige CEO Stavros Efremidis und Chief Investment Officer (CIO) Ralf Struckmeyer den Vorschlag einer Investorengruppe präferierten, sprachen sich CFO Udo Giegerich und Chief Operating Officer (COO) Izabela Danner für den Vorschlag der Gläubigergruppe AHC aus. Weil sich die Parteien partout nicht einigen konnten, stand zwischenzeitlich sogar eine Insolvenz im Raum.

Letztendlich konnte sich die Gläubigergruppe AHC mit ihrem Vorschlag auf der Gläubigerversammlung Ende November durchsetzen. CEO Efremidis und CIO Struckmeyer verließen daraufhin zum Jahresende Corestate. Der Sanierungsexperte Stephan Götschel übernahm zum Jahresbeginn 2023 den neu geschaffenen Posten des CRO.

Corestate befinde sich derzeit in konstruktiven Gesprächen mit Wirtschaftsprüfern, teilt Corestate mit. Mit welchen, wollte das Unternehmen auf FINANCE-Nachfrage nicht beantworten. Auch nicht, bis wann mit einer Bestellung zu rechnen ist. Es ist aber davon auszugehen, dass der neue Wirtschaftsprüfer zu den Big Four oder Next Seven gehört, da kleinere Prüfungsgesellschaften aufgrund der Größe und der Firmenstruktur von Corestate – Muttergesellschaft mit Sitz in Luxemburg und Tochtergesellschaften in Deutschland – mit dem Auftrag überfordert wären.

Corestate mit dramatischen Verlusten

Corestate hat ein Horrorjahr hinter sich. Für die ersten neun Monate 2022 meldete der Immobilien-Asset-Manager einen Verlust von 108,3 Millionen Euro vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen der fortgeführten Geschäftsaktivitäten (Ebita). Der Gesamtumsatz brach um mehr als 68 Prozent von 156, Millionen Euro im Jahr 2021 auf 49,7 Millionen Euro ein. Der Konzernverlust lag bei 581 Millionen Euro.

Das Eigenkapital schmolz binnen eines Jahres von 626,2 Millionen auf 42,6 Millionen Euro. Die Eigenkapitalquote beträgt nur noch 5,6 Prozent, während die Nettofinanzverschuldung nach neun Monaten von 526,5 Millionen Euro auf 556,4 Millionen Euro kletterte. Auch die Liquidität von Corestate schrumpfte um fast ein Drittel von 65,1 Millionen Euro auf 40,1 Millionen Euro.

Falk Sinß ist Redakteur bei FINANCE. Er hat Soziologie, Politologie und Neuere und Mittlere Geschichte in Frankfurt am Main sowie in Mainz Journalismus studiert, wo er auch einen Lehrauftrag inne hatte. Vor seiner Zeit bei FINANCE war Falk Sinß drei Jahre Redakteur der Zeitschrift Versicherungswirtschaft und zehn Jahre für verschiedene Medien des Universum Verlags tätig.