Im ersten Quartal hat die Unicredit sich den Spitzenplatz in den League Tables für den Schuldscheinmarkt gesichert. Bislang dominiert die LBBW als Platzhirsch meistens das Ranking.

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08.04.21
Finanzierungen

Unicredit und LBBW zanken um die Schuldschein-Krone

Der Auftakt am Schuldscheinmarkt fiel in diesem Jahr mager aus, allerdings gibt es einige positive Signale. Die Unicredit hat das erste Quartal zudem genutzt, um dem Platzhirsch LBBW die Pole Position streitig zu machen.

3,6 Milliarden Euro wurden im ersten Quartal am deutschen Schuldscheinmarkt platziert. Damit fällt der Auftakt ins Jahr 2021 moderat aus, das Volumen liegt 16 Prozent unter dem ersten Quartal 2020. Das geht aus dem Schuldschein-Update von Refinitiv hervor, das der Datenanbieter exklusiv für FINANCE aufbereitet und das Sie hier nach kurzer Registrierung kostenlos herunterladen können.

Insgesamt wurden 22 Transaktionen in den ersten drei Monaten abgeschlossen. Zum Jahresauftakt 2020 – also noch bevor die Corona-Pandemie die Märkte fest im Griff hatte – waren es 34 Transaktionen. 

Bondmarkt gräbt Schuldscheinen das Wasser ab

Ein Grund für die Zurückhaltung am Schuldscheinmarkt könnte das nach wie vor erhöhte Preisniveau sein. „Im Vergleich zum vierten Quartal des vergangenen Jahres hat sich kaum eine Veränderung ergeben“, erklärt Senior Originator Sebastian Knapp von der Helaba. Im Schnitt läge der Preis für eine fünfjährige Tranche für Emittenten aus der DACH-Region bei rund 125 Basispunkten. „Das sind immer noch rund 30 Basispunkte mehr als vor Beginn der Coronakrise, wobei der Spread aktuell mehr denn je in Abhängigkeit zu Branche und Bonität steht“, so der Banker.

Ein Grund für die Zurückhaltung am Schuldscheinmarkt ist das nach wie vor erhöhte Preisniveau.

Aufgrund des relativ hohen Preisniveaus kann der Schuldscheinmarkt derzeit einige Unternehmen nicht locken, denen als Alternative der Bondmarkt zur Verfügung steht. Dort sorgt schließlich die EZB mit ihren Kaufprogrammen für äußerst gute Bedingungen. Allerdings gibt es durchaus Anleiheemittenten, die im ersten Quartal einen Schuldschein platziert haben. „Diese Bondemittenten nutzen das in vielen Punkten vorteilhafte Instrument zur zusätzlichen Finanzierung und weiteren Diversifizierung“, so Knapp. Zu den Unternehmen, die beide Märkte nutzen, gehörten zum Jahresbeginn beispielsweise die Lufthansa, die stark mit der Corona-Pandemie zu kämpfen hat, oder der Doppel-Debütant Traton, der erstmals beide Märkte anzapfte.

Mehr ausländische Emittenten am Schuldscheinmarkt

Helaba-Banker Knapp sieht trotz des moderaten Volumens im ersten Quartal aber auch einige positive Signale: „Es ist sichtbar, dass sich zum Jahresauftakt auch wieder mehr Neulinge und ausländische Emittenten an den Schuldscheinmarkt gewagt haben“, beobachtet er. Darüber hinaus habe es auch wieder Dual-Currency-Transaktionen gegeben, die im vergangenen Jahr fast ganz ausgeblieben seien. Ein solches Papier, das auch eine Dollar-Tranche enthält, platzierte jüngst etwa der Technologiekonzern Jenoptik. Zu den Debütanten am Schuldscheinmarkt gehörte neben der bereits erwähnten VW-Tochter Traton auch der Automobilzulieferer Stabilus.

Dass die ausländischen Emittenten an den deutschen Schuldscheinmarkt zurückkehren, lässt sich auch an den Top 3 der größten Deals erkennen. Den größten Schuldschein mit 1 Milliarde Euro Volumen platzierte der österreichische Verpackungshersteller Mayr-Melnhof Karton. Erst mit Abstand folgen nach der Methodik von Refinitiv, die sich immer am Settlement Date orientiert, die deutschen Emittenten Lufthansa (350 Millionen Euro) und Teamviewer (300 Millionen Euro).

Green Finance erobert Schuldscheinmarkt

Ein Trend, der sich auch 2021 nicht aufhalten lässt, ist das Thema Green Finance. Sowohl Jenoptik als auch Teamviewer und Traton haben einen ESG-Link in ihre Schuldscheine eingebaut. Das bedeutet, dass die Marge an Nachhaltigkeitskomponenten geknüpft ist.
 
Wie stark sich der grüne Trend inzwischen am Schuldscheinmarkt etabliert hat, zeigt ein Blick auf die Neuemissionen. „Im Jahr 2020 waren etwa 13 Prozent des neu emittierten Volumens grün“, sagt Helaba-Experte Knapp. Mit grün meint er sowohl Green Schuldscheine wie auch ESG-linked Schuldscheine. „Im ersten Quartal 2021 waren es fast 50 Prozent des Gesamtvolumens“, betont er. Dass sich die knapp 50 Prozent über das Gesamtjahr halten werden, glaubt Knapp zwar nicht. Doch rund ein Drittel des Volumens könnte durchaus in Form von nachhaltigen Finanzierungen platziert werden.

Mit dem höheren Volumen an nachhaltigen Transaktionen könnte sich in diesem Jahr auch am Schuldscheinmarkt herauskristallisieren, ob für die Emittenten durch diese Deals ein Finanzierungsvorteil entsteht. „Bei Green Bonds ist das schon deutlich nachweisbar, bei Schuldscheinen gibt es bislang einfach noch nicht genügend Vergleichsmöglichkeiten“, erklärt Helaba-Experte Knapp.

Unicredit verdrängt LBBW von der Spitze

Interessant ist in diesem Jahr auch der Blick auf die League Tables der begleitenden Banken. Da hat es im schwachen ersten Quartal die Unicredit geschafft, den Dauer-Spitzenreiter LBBW vom Thron zu stoßen. Die Bank sichert sich mit einem Marktanteil von rund 19 Prozent den ersten Platz.

Das Rennen dürfte im weiteren Verlauf spannend werden, denn die LBBW liegt zwar mit einem Marktanteil von gut 16 Prozent hinter der Unicredit, hat mit elf Transaktionen aber deutlich mehr Deals begleitet. Die Unicredit kommt nur auf sieben Transaktionen. Auf Platz 3 hält sich die Helaba mit zehn begleiteten Deals und einem Marktanteil von knapp 13 Prozent. Welche Veränderungen es auf den folgenden Plätzen gegeben hat, können Sie im FINANCE-Schuldschein-Update nachlesen.

Was geht noch am Schuldscheinmarkt?

Wie stark sich die League Tables in den kommenden Monaten verschieben werden, hängt auch davon ab, wie viel Aktivität sich am Schuldscheinmarkt zeigen wird. Trotz des schwachen Starts in das Jahr glaubt Sebastian Knapp, dass der Schuldscheinmarkt insgesamt noch ein Volumen von rund 20 Milliarden Euro erreichen kann. Grund für den Optimismus seien eine Reihe von anstehenden Refinanzierungen. Darüber hinaus geht der Experte auch davon aus, dass der ein oder andere M&A-Deal Emittenten an den Schuldscheinmarkt bewegen wird. „Allerdings hängt das natürlich auch stark davon ab, wie sich die Corona-Pandemie weiterentwickelt“, sagt er.

Je länger die Wirren um die Pandemie anhalten, umso länger dürfte der Schuldscheinmarkt auf der Bremse stehen. Das Instrument lebt von der geringen Zahl der Ausfälle, die Investoren sind risikoscheu. Hinzu kommt, dass Restrukturierungen von Schuldscheinen im Fall der Fälle äußerst kompliziert sind.

antonia.koegler[at]finance-magazin.de

Die größten Deals, die aktivsten Banken: Alle wichtigen Infos auf einen Blick im FINANCE-Schuldschein-Update, das hier kostenlos verfügbar ist. Die Daten werden von Refinitiv, früher Thomson Reuters LPC, exklusiv für FINANCE zusammengestellt.