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Restrukturierungsnews: North Channel Bank, Borgers, Insolvenzrecht

Vor zwei Wochen hat die Bafin die North Channel Bank aus dem Verkehr gezogen, jetzt hat die Bank Insolvenzantrag gestellt. Foto: nmann77 - stock.adobe.com

Mainzer North Channel Bank ist insolvent

Das Mainzer Unternehmen North Channel Bank ist insolvent. Das geht aus Gerichtsunterlagen hervor, die am gestrigen Montag veröffentlicht wurden. Die Bank war bereits vor zwei Wochen von der Finanzaufsicht Bafin geschlossen worden. „Die Bank ist chronisch defizitär und hat kein nachhaltiges Geschäftsmodell mehr“, so die Bafin. Die North Channel Bank ist klein und damit laut Bafin nicht systemrelevant.

Die North Channel Bank war wegen ihrer Beteiligung an illegalen Cum-Ex-Geschäften in eine Krise geraten. Nach Angabe der Bafin war sie in den Jahren 2012 bis 2015 stark in Cum-Ex-Steuergeschäfte in Dänemark und Belgien verwickelt gewesen. Aufgrund dieser Cum-Ex-Geschäfte fordern die dänischen und belgischen Behörden nach Bafin-Angaben insgesamt 176 Millionen Euro Schadenersatz von der North Channel Bank. Die Mainzer Bank sei aber laut Bafin “chronisch defizitär” und sei nicht in der Lage diese Zahlungen zu leisten, daher habe man die Bank geschlossen.

Laut der Bafin sind die Einlagen der rund 500 verbliebenen Einleger der North Channel Bank durch die gesetzliche Einlagensicherung geschützt, die bis zu 100.000 Euro je Einleger absichert. Neben Privatanlegern sollen auch einige Kommunen zu den Kunden gehören. Als vorläufiger Insolvenzverwalter im nun laufenden Insolvenzverfahren ist Dietmar Haffa (Schultze & Braun) bestellt.

Borgers findet Investorenlösung

Für den insolventen Automobilzulieferer Borgers gibt es gute Nachrichten. Wie Anfang Januar bekannt wurde, wird das Unternehmen mit seinen rund 4.500 Beschäftigten für 117 Millionen Euro an den schweizerischen Konkurrenten Autoneum verkauft. Autoneum übernimmt die Vermögenswerte der Borgers-Gesellschaften in Deutschland sowie die Anteile an den Tochtergesellschaften in Frankreich, Polen, Schweden, Spanien, Tschechien, dem Vereinigten Königreich sowie den Vereinigten Staaten. Der Verkaufserlöses dürfte dabei größtenteils an die Gläubigerbanken um die Commerzbank gehen.

Autoneum finanziert den Kauf zunächst über eine neue Kreditlinie. Langfristig soll die Übernahme mit einer Kapitalerhöhung von 100 Millionen Schweizer Franken finanziert werden. Borgers hatte im Oktober 2022 nach einer langjährigen wirtschaftlichen Krise Insolvenz anmelden müssen. Insolvenzverwalter war Frank Kebekus (Kebekus et Zimmermann) gewesen, die Kanzlei Luther hatte den Käufer Autoneum im M&A-Prozess beraten.

Wichtige Insolvenzrechts-Entscheidung des Bundesgerichtshofs

Der Bundesgerichtshof hat am 8. Dezember eine wegweisende Entscheidung für das deutsche internationale Insolvenzrecht gefällt. Der Gerichtshof entschied, dass in Drittstaaten gestellte Insolvenzanträge effektive Maßnahmen zum Schutz des Schuldnervermögens durch ein Insolvenzverfahren in Deutschland nicht blockieren können. Damit endet eine mehrjährige gerichtliche Auseinandersetzung um die internationale Zuständigkeit für ein Insolvenzverfahren.

Hintergrund ist das im Oktober 2019 begonnene Insolvenzverfahren um die Galapagos-Gruppe, eine von Triton etablierte Holding, zu der der Bochumer Industriekonzern Kelvion und der Kühlsysteme-Hersteller Enexio gehörten . Der Galapagos-Gesellschafter wollte die Sanierung des Unternehmens nach britischem Recht über ein Scheme of Arrangement durchführen und damit Forderungen bestimmter Gläubiger abschneiden. Zusammen mit einigen anderen Gläubigern unternahm der Gesellschafter zunächst Schritte, um die Hauptverwaltung der Galapagos-Gruppe nach England zu verlegen, und stellte daraufhin bei dem britischen Gerichtshof High Court einen Insolvenzantrag. Bevor der High Court über diesen entschied, wurde die Hauptverwaltung jedoch nach Düsseldorf verlegt. Das Amtsgericht Düsseldorf eröffnete das Insolvenzverfahren und bestellte Frank Kebekus (Kebekus et Zimmermann) zum Insolvenzverwalter.

Der Bundesgerichtshof hat die Zuständigkeit des Amtsgerichts Düsseldorf bestätigt. Er entschied, dass der Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens in einem Drittstaat nach deutschem internationalen Insolvenzrecht in Deutschland keine Sperrwirkung entfaltet. Zuvor hatte der Gerichtshof der Europäischen Union auf Vorlage des Bundesgerichtshofs entschieden, dass die nach europäischem Insolvenzrecht grundsätzlich gegebene Sperrwirkung eines in England gestellten, aber nicht beschiedenen Insolvenzantrags mit Ablauf des Brexit-Übergangszeitraums am 31. Dezember 2020 entfallen ist.

Weitere Insolvenz- und Sanierungsverfahren

Die Curata-Gruppe, ein Betreiber von Pflegeeinrichtungen, hat Insolvenz in Eigenverwaltung angemeldet. Die Insolvenz betrifft die Holdinggesellschaft Curata Care Holding sowie weitere Töchter der Unternehmensgruppe. Als Grund gibt Curara die stark gestiegenen Energiekosten und „sonstige allgemeine Preissteigerungen“ an. Das Unternehmen teilte mit, die Geschäftsfähigkeit in weiten Teilen fortführen zu können. Es könne aber auch zur Schließung von Einrichtungen kommen. Bei der Sanierung wird Curata durch BBL beraten, Generalbevollmächtigter ist Oliver Damerius. Als vorläufiger Sachwalter ist Christoph Schulte-Kaubrügger (White & Case) bestellt.

Das Fintech Ruuky ist insolvent. Das Unternehmen, das als Neo-Bank für die Generation Z gestartet war, hatte Anfang Januar Insolvenz anmelden müssen. Den Gründern war es nicht gelungen, in den vergangenen Monaten eine Anschlussfinanzierung abzuschließen. Nun sucht das 20 Mitarbeiter starke Fintech nach einem Investor. Vorläufiger Insolvenzverwalter ist Jens-Sören Schröder (Johlke Niethammer), im Investorenprozess unterstützt BDO.

Distressed M&A-Deals

Für den insolventen Automobilzulieferer Bukuma ist ein Investor gefunden. Die Restrukturierungsgesellschaft Restart übernimmt Bukuma durch ihre auf Automotive ausgerichtete Beteiligung Heinze Solutions im Rahmen einer übertragenden Sanierung. Sämtliche rund 200 Mitarbeiter werden weiter beschäftigt. Bukuma hatte im Februar 2022 Insolvenz in Eigenverwaltung angemeldet, im November 2022 folgte die Regelinsolvenz. Als Insolvenzverwalter war Stefan Meyer (Pluta) tätig, im M&A-Prozess hatten die Falkensteg-Partner Jonas Eckhardt und Georg von Verschuer beraten. Bei der operativen Sanierung wurde Bukuma durch den Generalbevollmächtigten der Eigenverwaltung, Joachim Walterscheid (Walterscheid) und durch die Beratung CF Consilio Forte unterstützt.

Der insolvente Automobilzulieferer Schwarz Werkzeugbau (Heinz Schwarz) wird von dem Mitgesellschafter Kesseböhmer Gruppe übernommen. Die Übernahme erfolgte rückwirkend bereits zum 1. Oktober 2022. Im Zuge der Eingliederung in die Kesseböhmer-Gruppe wird Schwarz Werkzeugbau sein Geschäftsmodell modifizieren: Das Unternehmen will sich künftig mehr auf das Seriengeschäft fokussieren und den reinen Werkzeugbau nur noch durchführen, wenn auskömmliche Preise mit den Kunden der Automobilbranche vereinbart werden können. Schwarz Werkzeugbau hatte im Oktober 2022 Insolvenz in Eigenverwaltung angemeldet. Im Zuge der Sanierung des Unternehmens musste Schwarz Werkzeugbau zudem 51 Beschäftigte entlassen. Als Generalbevollmächtigter agiert Thomas Ellrich von der Kanzlei Voigt Salus. Er sagte, er sei zuversichtlich, nach Abwicklung der Eigenverwaltung eine Gläubigerquote von über 30 Prozent auszahlen zu können. Sachwalter ist Stefan Meyer (Pluta).

Die Aluminium-Gießerei Eurotech Schwäbisch Gmünd ist von Callista Private Equity aus der Insolvenz übernommen worden. Die Übernahme erfolgte zum Jahreswechsel. Der neue Eigentümer Callista Private Equity kennt das Unternehmen gut: Die Private-Equity-Gesellschaft war bereits im Jahr 2015 Eigentümer der damals unter der Firma MWK Schwäbisch Gmünd agierenden Eurotech und konnte diese nach dem Carve-out erfolgreich an einen strategischen Marktteilnehmer veräußern. Schwäbisch Gemünd befindet sich seit Oktober 2021 in der Insolvenz, aufgrund der Insolvenz musste die Gießerei  mehr als 30 ihrer 140 Mitarbeiter entlassen. Als Insolvenzverwalter agierte Jochen Sedlitz (Grub Brugger), im M&A-Prozess beriet Deloitte.

Alles zum Thema

Restrukturierung

Sparprogramme, Verlagerungen, Bilanzsanierung: Kaum ein Unternehmen kommt über die Jahre ohne eine Restrukturierung aus. Für Sanierungsberater ist das ein gutes Geschäft.

Für das insolvente auf Büroinformations-Equipment spezialisierte Unternehmen Altra IT-Services ist eine Investorenlösung gefunden. Der Name des Käuferunternehmens ist bisher nicht bekannt. Im Zuge der Übernahme bleiben alle 25 Arbeitsplätze erhalten. Insolvenzverwalter war Sebastian Netzel (Brinkmann & Partner).

Das niederländische Unternehmen Stertil hat den deutschen Mittelständler Beissbarth übernommen. Beissbarth, ein Hersteller von Prüf- und Servicegeräte für Kfz-Werkstätten, befindet sich seit Juli 2022 im Eigenverwaltungsverfahren. Stertil übernimmt Beissbarth über ihre neugeschaffene Tochter Beissbarth Automotive Testing Solutions. Als Sachwalter agierte Matthias Hofmann (Pohlmann), zudem unterstütze der Sanierungsexperte Jean-Olivier Boghossian die Beissbarth-Geschäftsführung als Restructuring Officer (CRO). Im M&A-Prozess beriet Falkensteg Beissbarth, Stertil wurde von Taylor Wessing beraten.

Weitere Restrukturierungen und Branchennews

Das aus der insolventen Deutschen Lichtmiete hervorgegangene Unternehmen Deutsche Leuchtmittel firmiert künftig unter dem Namen Novalumen. Damit will sich Novalumen stärker von der in Verruf geratenen Deutschen Lichtmiete abgrenzen. Zudem verstärkt Maik Weber die Geschäftsführung des Unternehmens, er wird das operative Geschäft von Novalumen verantworten. Weber hatte zuvor den Mittelständler Hoffmeister Lighting als CEO geleitet.

Der kriselnde Automobilzulieferer Leoni, der sich in einer intensiven Restrukturierung befindet, hat Anfang Januar den Sanierungsexperten Hans-Joachim Ziems ins Boot geholt. Ziems wird als Chief Restructuring Officer (CRO) in den Leoni-Vorstand eintreten und soll die Umsetzung des Refinanzierungskonzepts vorantreiben. Ziems genießt einen exzellenten Ruf in der Branche und hatte Leoni bereits in der Vergangenheit in der Restrukturierung unterstützt.

Die neuesten Restrukturierer-Personalien

Der M&A-Experte Norman Werner kehrt zu Pluta zurück und verstärkt dort das M&A-Team. Werner war zuletzt Inhaber einer eigenen Kanzlei, seine Karriere hatte er bei Pluta begonnen.

Die Restrukturierungsberatung Eight Advisory hat Matthias Hogh zum Partner ernannt, er wird dort künftig die deutschen Transaction-Tax-Beratung leiten. Hogh kommt von KPMG, wo er in der steuerrechtlichen Beratung tätig gewesen war. Zudem stößt Ralph Hack als Director zum Tax-Team von Eight Advisory, er kommt ebenfalls von KPMG.

Ole Brauer ist als Counsel zur Restrukturierungsberatung Anchor gewechselt. Er kommt von der Insolvenzrechtsboutique Elsässer, wo er beispielsweise die Sanierung der Modekette Tom Tailor betreute.

Die US-Restrukturierungsberatung Alix Partners, die auch im deutschen Markt sehr aktiv ist, hat ihr Team in der DACH-Region ausgebaut. Dazu hat die Beratung ihr Führungsteam in Deutschland und der Schweiz um 18 Partner erweitert, unter anderem in den Bereichen Retail & Consumer sowie Cybersecurity. Alix Partners will mit dem Schritt weiter wachsen, in 2022 habe man den Umsatz im DACH-Raum um 18 Prozent steigern können.

Info

Paul Siethoff ist Redakteur bei Finance und schreibt vorrangig über Transformations-Themen. Er hat Kommunikationswissenschaften und Journalismus in Erfurt und in Mainz studiert. Vor seiner Zeit bei FINANCE schrieb Paul Siethoff frei für die Frankfurter Rundschau für die Ressorts Wirtschaft und Politik.