Wegen des Coronavirus und der Erkrankung eines Managers wird der IPO der Steinhoff-Tochter Pepco Group erst einmal verschoben.

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12.03.20
Finanzierungen

Corona durchkreuzt Steinhoffs IPO-Pläne für Pepco

Steinhoff muss offenbar den IPO seiner ertragreichen Tochter Pepco verschieben. Die Gründe: Das Coronavirus und der Ausfall eines Managers. Der kriselnde Möbelhändler hätte das Geld gut für die Sanierung gebrauchen können.

Das Coronavirus trifft auch den von Bilanzskandalen geplagten Möbelhändler Steinhoff: Er muss offenbar den Börsengang der europäischen Pepco-Tochter verschieben, berichtet die Nachrichtenagentur Bloomberg unter Berufung auf eine mit der Sache vertraute Personen. Ein Grund seien die hohen Schwankungen an den Kapitalmärkten durch die Coronavirus-Pandemie. Hinzu käme der krankheitsbedingte Ausfall eines Managers. Laut Bloomberg handelt es sich um den CEO der Pepco-Group, Andy Bond. Er soll explizit nicht an Covid-19, sondern einer anderen Erkrankung leiden.

Steinhoff strebte mit dem IPO der europäischen Tochter, für den die Börsenplätze London oder Warschau im Gespräch waren, eine Marktbewertung für Pepco von 4 Milliarden Euro an. JP Morgan und Goldman Sachs waren Bloomberg zufolge als Bookrunner mandatiert. 

Im Jahresverlauf soll es nun einen erneuten Anlauf geben. Auch ein Verkauf der Discount-Bekleidungs- und Dekorationskette Pepco sei nicht ausgeschlossen, heißt es bei Bloomberg.

Advent und Partners Group an Pepco interessiert?

Mögliche IPO- und Verkaufspläne der Pepco-Gruppe, die damals noch als Pepkor firmierte, wurden erstmals im vergangenen November bekannt. Unter den potentiellen Käufern waren einem Bloomberg-Bericht vom Januar zufolge auch die Finanzinvestoren Advent und Partners Group.

Unter dem Dach von Pepco, das sich als Perle des angekratzten Möbelhandlers zeigte, stehen die britische Billigladenkette Poundland sowie die Marken Pepco, Dealz und PGS. Laut der Webseite gibt es 2.800 Filialen in 14 Märkten, unter anderem in Großbritannien und Polen. Im ersten Quartal des laufenden Geschäftsjahres, das am 31. Dezember 2019 endete, hat die Pepco-Gruppe ihren Umsatz auf gut 1,1 Milliarden Euro gesteigert. Da dieser Zeitraum das Weihnachtsgeschäft umfasst, ist das Quartal traditionell sehr stark. Auf vergleichbarer Basis zum Vorjahreszeitraum ergab sich für Pepco ein Wachstum von 3,9 Prozent.

Steinhoff drücken Milliardenschulden

Einen Erlös aus einem Pepco-Verkauf könnte Steinhoff gut für seine Sanierungspläne gebrauchen. Der kriselnde Konzern, der über einen Bilanzskandal in Schieflage geraten ist, musste seine Gläubiger zuletzt mehrfach darum bitten, die Fristen für das im Dezember 2018 beschlossene Restrukturierungsprogramm zu verlängern. Im Zuge des Programms will der Konzern Schulden über rund 7,7 Milliarden Euro restrukturieren.

Die Steinhoff-Aktie wurde nach dem Bilanzskandal zum Pennystock, der frühere MDax-Wert ist zwischenzeitlich an der Börse nur noch rund 300 Millionen Euro wert. Ende März soll Steinhoff wieder in den SDax aufsteigen.

Im Zuge der Neuaufstellung hat Steinhoff bereits Tochterunternehmen verkauft. So trennte sich Steinhoff kürzlich von der Holdinggesellschaft Blue Group der Sparte Harveys and Bensons for Beds, die an Alteri Investors ging. „Der Verkauf der Blue Group ist der jüngste in einer Reihe von geplanten Veräußerungen durch Steinhoff, da wir unsere angekündigte Strategie der Vereinfachung des Portfolios der Gruppe und der Reduzierung der Bilanzsumme fortsetzen“, begründete wird Louis du Preez, CEO von Steinhoff, im November 2019 die Entscheidung. Den Kaufpreis nannte Alteri Investors nicht.

Der Pepco-Börsengang ist nicht der einzige größere IPO, der dem unruhigen Marktumfeld zum Opfer fällt. Auch der Verlag Springer Nature wollte im Mai oder Juni einen erneuten Anlauf für den Sprung an die Börse nehmen, hieß es noch im Januar dieses Jahres. Ob das Zeitfenster Bestand hat, scheint derzeit zumindest fraglich.

sarah.backhaus[at]finance-magazin.de

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