Der Finanzinvestor Regent kauft Escada aus der Insolvenz heraus.

agcreativelab - stock.adobe.com

27.11.20
Wirtschaft

Ex-Eigentümer kauft Escada zurück

Escada ist vorerst gerettet – doch ausgerechnet der Alteigentümer und umstrittene Finanzinvestor Regent übernimmt die insolvente Modefirma. Eine wirkliche Alternative dazu gab es nicht.

Rettung in letzter Minute: Die im September in die Insolvenz gerutschte Modefirma Escada geht zurück an den Vorbesitzer Regent. Der Finanzinvestor hat das Münchener Unternehmen zurückgekauft, wie das „Manager Magazin“ berichtet.

Der Verkauf an den umstrittenen Alteigentümer war die einzig sinnvolle Lösung: Nachdem Escada in die Insolvenz ging, verblieben die Markenrechte bei einer Verwaltungsgesellschaft des Investors Regent. Damit hatte Insolvenzverwalter Christian Gerloff letztlich nur zwei realistische Optionen – entweder den Geschäftsbetrieb komplett einzustellen oder die insolvente Gesellschaft wieder zurück an Regent zu verkaufen. Denn ohne Markenrechte hätte wohl kaum ein anderer Bieter für Escada die Hand gehoben.

Was hat Regent mit Escada vor?

Dieses Dilemma machte sich Regent dem „Manager Magazin“ zufolge zunutze und ließ offenbar mehrere Bieterfristen verstreichen. Erst als Insolvenzverwalter Gerloff die Reißleine ziehen wollte, habe Regent nach Escada gegriffen. Auf diese Weise soll der Investor die Bedingungen der Distressed-M&A-Transaktion in seinem Sinne beeinflusst haben – und kann nun einen kompletten Neustart wagen.

Richtig aufatmen kann das Unternehmen aber nicht, denn von dem Modeunternehmen bleibt nach dem zweiten Insolvenzverfahren binnen weniger Jahre kaum noch etwas übrig. Dem Bericht zufolge sollen 105 der insgesamt 180 Escada-Mitarbeiter das Unternehmen verlassen, von acht Filialen in Deutschland werden Ende Februar wohl sieben schließen müssen. Einzig das Münchener Geschäft soll geöffnet bleiben.

Das Tauziehen um Escadas Zukunft hat auch Folgen für das operative Geschäft: Die neuen Kollektionen konnten demnach nicht planmäßig weiter konzipiert werden – doch gerade diese sind essentiell, um den Absatz wieder ins Rollen zu bringen.

Regent versagte Escada schon einmal Unterstützung

Wenn Regent die Design- und Vertriebsteams im Dezember übernehmen wird, ist bereits wertvolle Zeit verstrichen. Auch die weitere Investitionsstrategie ist offen – noch hat der Finanzinvestor sich nicht dazu geäußert, ob und in welchem Umfang er überhaupt bereit ist, in Escada zu investieren. Investitionen sind dringend nötig, um die Restrukturierung der einstigen Luxus-Modemarke zu stemmen.

Schon als Regent Escada im Herbst 2019 erstmals von der indischen Milliardärstochter Megha Mittal übernommen hat, griff der Finanzinvestor zu umstrittenen Mitteln. Er hatte den Bieterwettstreit mit einer Bestandsgarantie bis Ende 2021 für sich entschieden, um dann einen harten Sparkurs einzuläuten: 60 Mitarbeiter mussten Escada bereits damals verlassen. Berichten zufolge sollen Lieferanten rechtliche Mittel angedroht haben, um ihre Forderungen einzuholen. Auch hinter der von Regent eingesetzten Geschäftsführung stehen große Fragenzeichen.

Modebranche in der Krise

Auch wenn die Zukunft offen ist, kann mit dem Verkauf an den Alteigentümer das zweite Insolvenzverfahren von Escada bald beendet werden. Bereits 2009 musste die Modefirma Insolvenz beantragen, damals übernahm Mittal das Ruder. Doch die Transformation des Modehauses gelang ihr in fast zehn Jahren Eigentümerschaft nicht.

Die Coronakrise hat Escada wie auch seine Wettbewerber in diesem Jahr zusätzlich unter Druck gesetzt. Dabei hatte das Modeunternehmen bereits vor Ausbruch der Coronavirus-Pandemie  mit fallenden Umsätzen und mit Verlusten zu kämpfen. Wegen der Coronakrise sind viele Modeunternehmen in Schieflage geraten, noch immer hat sich die Kaufkraft nicht auf das Vorkrisenniveau erholt.

Die Neuaufstellung unter alter Führung wagt in diesen Tagen noch ein weiteres Modehaus: Tom Tailor hat das Sorgenkind Bonita nach monatelanger Investorensuche im Zuge eines Management-Buy-outs an ein Konsortium um Geschäftsführer Karsten Oberheide verkauft. Bonita flüchtete sich im Juni unter ein Schutzschirmverfahren.

olivia.harder[at]finance-magazin.de

Weitere Informationen über rechtliche Hintergründe zu Insolvenzverfahren und aktuelle Fallbeispiele finden Sie auf unserer Themenseite Insolvenz.

Die wichtigsten Nachrichten aus der Welt der Restrukturierung finden Sie künftig in unserem neuen Themen-Hub Transformation by FINANCE sowie regelmäßig auch im zugehörigen Newsletter.