Escada ist – wie viele andere Modelabel – durch die Folgen der Coronakrise in Schieflage geraten.

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02.09.20
Wirtschaft

Escada erneut in Insolvenz

Erst vor rund einem Jahr wechselte Escada den Besitzer. Nun hat das Modelabel erneut Insolvenzantrag gestellt.

Der Modehersteller Escada muss erneut in die Insolvenz: Das Unternehmen hat Insolvenzantrag beim Amtsgericht München gestellt. Der Antrag betrifft ausschließlich die Escada SE mit Sitz in Aschheim bei München, weitere Gesellschaften sind nicht betroffen. Als einen Grund für die Schieflage nannte das Unternehmen die Folgen der Corona-Pandemie, berichtete die „Wirtschaftswoche“ unter Berufung auf ein internes Schreiben an die Mitarbeiter.

Escada schrieb rote Zahlen

Für das Unternehmen ist nach einem Insolvenzverfahren im Jahr 2009 nun bereits der zweite Versuch der Neuaufstellung gescheitert. Seit 2009 hatte die indische Unternehmerin Megha Mittal versucht, das Unternehmen neu auszurichten. Sie hatte sich in einem Bietergefecht um das Modehaus durchgesetzt.

Als vorläufiger Insolvenzverwalter ist nun Christian Gerloff bestellt worden, der auch das Verfahren 2009 als Insolvenzverwalter begleitet hatte. Der Jurist war zuletzt in mehreren Verfahren in der Modebranche im Einsatz, etwa als Sachwalter des Modekonzerns Hallhuber und im vergangenen Jahr als Generalbevollmächtigter im Verfahren von Gerry Weber.

Escada blieb auch nach der ersten Insolvenz stets in schwierigem Fahrwasser und war bereits vor der Coronavirus-Pandemie angeschlagen: Für das Geschäftsjahr 2017 – das jüngste, für das ein Bericht im Bundesanzeiger abrufbar ist – wies die Escada SE einen Umsatz von 113,5 Millionen Euro aus. Unter dem Strich stand dabei ein Jahresfehlbetrag von 16,5 Millionen Euro. Zusammen mit einem Verlustvortrag aus dem Vorjahr von knapp 49 Millionen Euro summierte sich das zu einem Bilanzverlust von gut 65 Millionen Euro.

Was hatte Regent mit Escada vor?

Unternehmerin Mittal hatte ihr Engagement für das Modelabel bereits im vergangenen Jahr aufgegeben und Escada an den US-Investor Regent verkauft. Das vormalige Escada-Management ging von Bord, der frühere CFO Torsten Dühring heuerte im März dieses Jahres bei Polo Motorrad und Sportswear an.

Die genauen Pläne des Investors Regent um Chef Michael Reinstein für die Luxusmodenmarkte blieben allerdings im Dunkeln. Das „Manager Magazin“ wirft dem Investor sogar vor, er habe das Unternehmen „ausbluten“ lassen. Teile des Firmenvermögens seien in andere Gesellschaften transferiert worden, heißt es unter Berufung auf namentlich nicht genannte Insider in dem Artikel. Auch die Markenrechte seien übertragen worden.

Die weiteren Geschicke des Unternehmens wird in den kommenden Monaten nun der vorläufige Insolvenzverwalter Gerloff leiten. Der Geschäftsbetrieb soll zunächst weiterlaufen, rund 180 Mitarbeiter in der Zentrale und in acht Geschäften in Deutschland sollen Insolvenzgeld beziehen.

Corona trifft Modefirmen hart

Escada ist nicht das einzige Modeunternehmen, das durch die Folgen der Coronakrise in Schieflage geraten ist. Viele Wettbewerber müssen sich derzeit neu aufstellen – und fast alle steckten sie wie auch Escada bereits vor der Pandemie in einer Restrukturierung.

Gerry Weber musste kürzlich seinen im vergangenen Jahr beschlossenen Insolvenzplan noch einmal aufschnüren und die Gläubiger um eine Stundung ihrer Forderungen bitten. Hallhuber und auch die Modekette Esprit sanieren sich derzeit über Schutzschirmverfahren. Die kriselnde Modekette Tom Tailor konnte sich durch eine Landesbürgschaft retten, während die Schwestergesellschaft Bonita ebenfalls in ein Schutzschirmverfahren flüchtete.

 

sabine.reifenberger[at]finance-magazin.de

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