Alno

24.04.18
Wirtschaft

Gutachten: Alno war schon 2013 pleite

Hat das alte Management von Alno die Insolvenz verschleppt? Ein neues Gutachten sagt: ja – und zwar deutlich. Insolvenzverwalter Hörmann will die früheren Manager jetzt in Regress nehmen.

Dem ehemaligen Management des insolventen Küchenbauers Alno droht Ungemach. Einem Gutachten der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Andersch zufolge war Alno bereits im Jahr 2013 zahlungsunfähig. Der Küchenbauer hatte jedoch erst im Sommer vergangenen Jahres die Insolvenz beantragt.

Insolvenzverwalter Martin Hörmann hatte den Verdacht der Insolvenzverschleppung bereits bei einer Gläubigerversammlung im Oktober in den Raum gestellt und daraufhin eine Untersuchung in Auftrag gegeben, ob es tatsächlich so gewesen ist.

Hörmann will nun „die erforderlichen Maßnahmen ergreifen“, um die ehemaligen Vorstände und Geschäftsführer des Konzerns in Regress zu nehmen. Es geht um Schadensersatz- und Rückzahlungsansprüche. Auch die Organhaftung dürfte eine Rolle spielen. Zur Höhe des Haftungsanspruchs machte Hörmann allerdings keine Angaben.

Bundesweite Razzia bei Alno

Auch die Behörden ermitteln im Umfeld von Alno. Ende März wurde öffentlich, dass das Landeskriminalamt und vier Staatsanwälte in einer bundesweiten Razzia Geschäftsräume von Alno und sechs Tochtergesellschaften sowie mehrere Privatwohnungen durchsucht haben. Im Fokus der Ermittlungen standen zwölf nicht namentlich genannte Personen, darunter ehemalige Vorstände und Geschäftsführer.

Alno wurde jahrelang von dem Vorstandsgespann Max Müller (CEO) und Ipek Demirtas (CFO) geführt. Beide haben das Unternehmen nach einem verlorenen Machtkampf mit der Unternehmerfamilie Hastor bereits verlassen. Die bosnische Unternehmerfamilie hatte sich über das Finanzvehikel Tahoe die Kontrolle über Alno gesichert, war mit seinen Sanierungsplänen für den defizitären Küchenbauer aber ebenso gescheitert wie das alte Management.

CFO Thomas Kresser soll Alno-Neustart begleiten

Aktuell wird Alno vom dem früheren Vertriebschef Andreas Sandmann und dem neu eingesetzten CFO Thomas Kresser geführt. Zusammen mit dem Finanzinvestor River Rock sollen die beiden Alno wieder auf Vordermann bringen. River Rock – dahinter steht der Unternehmensberater Roland Berger – hatte nach der Insolvenz in letzter Minute wesentliche Teile von Alno übernommen, nachdem der Investorenprozess eigentlich schon erfolglos abgeschlossen gewesen war.

Zuvor hatten sich der Wettbewerber Nobilia und ein chinesischer Investor bereits vermeintliche Filetstücke des Alno-Konzerns gesichert. Die frühere Finanzchefin Ipek Demirtas ist heute Chefin des Schweizer Küchenbauers Forster, den sie im September 2017 zusammen mit zwei Partnern gekauft hatte – einer davon ist Ex-Alno-Chef Max Müller. Forster war zuvor Teil des Alno-Konzerns.

philipp.habdank[at]finance-magazin.de

Verfolgen Sie alle Hintergründe zur Niedergang des seit Jahren defizitären Küchenbauers mit der FINANCE-Themenseite zu Alno.