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21.03.18
Wirtschaft

Verdacht auf Insolvenzverschleppung bei Alno

Ein halbes Jahr nach der Pleite des Küchenbauers Alno ermittelt die Staatsanwaltschaft wegen Verdachts auf Insolvenzverschleppung und Betrug. Auch ehemalige Vorstände sind betroffen.

Mehr als 100 Einsatzkräfte des Landeskriminalamts und vier Staatsanwälte haben Geschäftsräume von Alno und sechs Tochtergesellschaften sowie mehrere Privatwohnungen durchsucht. Die bundesweite Razzia, die sich über Baden-Württemberg, Bayern, Hessen, Niedersachen, Nordrhein-Westfalen und Sachen-Anhalt erstreckte, steht im Zusammenhang mit der Insolvenz des Küchenbauers und drei seiner Tochtergesellschaften. Alno war im vergangenen Sommer nach einem jahrelangen Überlebenskampf in die Pleite gerutscht.
 
Im Fokus der Ermittlungen stehen insgesamt zwölf Personen, darunter ehemalige Vorstände und Geschäftsführer von Tochterunternehmen. Die Staatsanwaltschaft Stuttgart und das Landeskriminalamt Baden-Württemberg ermitteln wegen Verdachts der Insolvenzverschleppung und des Betruges gegen diesen Personenkreis. Namen nennt die Staatsanwaltschaft nicht.

Dass sich die Staatsanwaltschaft für den komplexen Pleitefall interessiert, war schon Anfang Februar in den Medien berichtet worden. Auch Aussagen des Insolvenzverwalters Martin Hörmann sorgten zu Jahresbeginn für Schlagzeilen: Er hatte mitgeteilt, dass es Hinweise gebe, wonach Alno schon wesentlich früher insolvent gewesen sein könnte.

Aufarbeitung des langen Kampfes um Alno

Die nun bekanntgewordenen Ermittlungen machen deutlich, dass die Aufarbeitung der Alno-Insolvenz noch länger andauern wird. Den Neustart des Unternehmens dürfte das nicht unbedingt erleichtern – diesen versucht der Pfullendorfer Küchenhersteller gerade mit Hilfe des Finanzinvestors River Rock mit Neu-CFO Thomas Kresser. Der Investor, hinter dem der Berater Roland Berger steht, hatte wesentliche Teile des Unternehmens im Dezember vergangenen Jahres überraschend übernommen, nachdem Insolvenzverwalter Hörmann bereits dabei war, den Liquidationsprozess einzuleiten. Der vorangegangene Verkaufsprozess war gescheitert.

Die Monate vor der Insolvenz von Alno dominierte die Machtübernahme der bosnischen Unternehmerfamilie Hastor über das Vehikel Tahoe Investors die Berichterstattung über Alno. Die Hastors übernahmen sukzessive mehr Einfluss bei den Pfullendorfern. Auch die ehemalige Finanzchefin Ipek Demirtas wurde ersetzt, CEO Max Müller verließ das Unternehmen ebenfalls – Schritte mit denen sich die Familie wohl mehr Einfluss sichern wollte. Später formierte sich Widerstand gegen die Familie unter einigen Alno-Gläubigern um die herausgedrängte Finanzchefin Demirtas.
  
antonia.koegler[at]finance-magazin.de

Die ganze turbulente Geschichte rund um den Küchenhersteller können Sie auf unserer Themenseite zu Alno nachlesen.