Von Barclays zur Deutschen Bahn zu Lincoln: Alexander Doll wird Aufsichtsratschef der M&A-Beratung Lincoln International.

Deutsche Bahn

29.04.20
Banking & Berater

Alexander Doll wird Aufsichtsratschef bei Lincoln

Der frühere Bahn-CFO Alexander Doll ist zurück in der Finanzwelt: Er übernimmt den Vorsitz des Aufsichtsrats bei der M&A-Beratung Lincoln International und erhält einen Sitz im Global Management Committee.

Nächster Halt: Aufsichtsrat. Vom 1. Mai an wird Alexander Doll Vorsitzender des Aufsichtsrats der M&A- und Corporate-Finance-Beratung Lincoln International AG in Frankfurt. Das geht aus einem internen Memo hervor, das FINANCE vorliegt. Der 50-Jährige wird zudem Mitglied des Global Management Committees der M&A-Berater. Doll war zuletzt CFO der Deutschen Bahn, doch nach einem mehrere Monate andauernden internen Machtkampf räumte er den Posten Ende 2019.

Alexander Doll bringt Banking-Erfahrung mit

Den Großteil seiner Karriere verbrachte Doll jedoch in der Finanzindustrie: Nach Stationen bei Lehman Brothers und UBS wechselte er 2009 zur Investmentbank Lazard, für die er weltweit die Beratung für die Bereiche Transport und Logistik leitete. 2013 wechselte er zur britischen Barclays Bank und übernahm die Leitung des Deutschlandgeschäfts. Bei der Deutschen Bahn, die er zuvor als Banker bei mehreren Transaktionen beraten hatte, übernahm er 2018 zunächst die Bereiche Güterverkehr und Logistik und wurde Anfang 2019 Finanzvorstand.

Seine Erfahrungen im Investmentbanking und seine Corporate-Expertise soll Doll nun bei Lincoln einbringen. Die M&A-Beratung ist auf Mid-Cap-Transaktionen fokussiert und agiert stark im Private-Equity-Umfeld. Dolls Netzwerk könnte dazu beitragen, das Geschäft auch im Large-Cap-Segment fester zu verankern. Neben seiner Branchenerfahrung im Infrastruktursektor hat er auch bei Transaktionen in Sektoren wie Automotive, Chemie, Medien und weiteren beraten. Wie aus dem Markt zu hören ist, war Doll zuletzt auch bereits als Senior Advisor für verschiedene Private-Equity-Häuser im Einsatz. 

Ex-CFOs sind im Aufsichtsrat gefragt

Lincoln International ist weltweit nach eigenen Angaben mit rund 500 Investmentbankern in 22 Büros vertreten, an den beiden deutschen Standorten in Frankfurt und München sind gut 80 Mitarbeiter beschäftigt. Das Unternehmen befindet sich ausschließlich im Besitz des Managements. Dass Doll neben dem Aufsichtsratsposten auch noch einmal eine operative Position bei einem Unternehmen übernimmt, ist nicht ausgeschlossen – er wäre nicht der erste amtierende Vorstand, der parallel ein Aufsichtsratsamt innehat.

Als Aufsichtsratsmitglieder scheinen frühere Finanzchefs derzeit in der Finanzwelt sehr gefragt zu sein: Erst Anfang dieser Woche wurde bekannt, dass der frühere Daimler-CFO Bodo Uebber rund ein Jahr nach seinem Abschied nun Aufsichtsratschef der Investmentbank Evercore in Deutschland wird.

Lincoln hat zugleich auch auf der operativen Ebene einen Neuzugang zu vermelden: Christian Schwarzmüller wird Managing Director und leitet künftig von Frankfurt aus das Sektor-Team „Chemicals“ in der DACH-Region. Schwarzmüller hat – wie auch der neue Aufsichtsratschef Doll – mehrere Jahre bei Barclays in Frankfurt gearbeitet, wo er Relationship-Manager für mehrere Chemiekonzerne war. Zuvor war er bei Lazard in der M&A- und Restrukturierungsberatung tätig.

Und auch einen Abgang scheint es zu geben, über den allerdings nicht Lincoln selbst, sondern die FAZ berichtet: Demnach hat Ex-Schaeffler-M&A-Chef Tobias Ramminger, der erst vor zwei Jahren zu Lincoln gekommen war, bekanntgegeben, dass er von Lincoln zu einer anderen Bank wechseln werde.

sabine.reifenberger[at]finance-magazin.de