EY hat im vergangenen Jahr überraschend viele Dax-Mandate gewonnen. Wie geht es dieses Jahr weiter?

EY

07.02.19
Banking & Berater

Big-Four-Analyse Audit: EY überrascht alle

2018 war im Wirtschaftsprüfungsgeschäft das Jahr der harten Pitches – und oft ging dabei EY als Sieger vom Platz. Wer im Audit am besten dasteht und wer 2019 Vollgas geben muss – die FINANCE-Analyse.

Noch nie haben so viele namhafte Konzerne ihre Prüfmandate ausgeschrieben und noch nie mussten KPMG, PwC, EY (Ernst & Young) und Deloitte (Big Four) so erbittert um die begehrten Mandate kämpfen wie im vergangenen Jahr.

Der Grund für die massenhafte Suche nach neuen Wirtschaftsprüfern ist die verpflichtende Abschlussprüferrotation: Nach zehn Jahren mit derselben WP-Gesellschaft müssen kapitalmarktorientierte Unternehmen sowie Finanzinstitute das Prüfmandat neu ausschreiben.

Da ein Großteil der Unternehmen bis spätestens 2020 einen Wechsel einleiten muss und die Suche sowie die Einarbeitung der neuen Prüfgesellschaft sehr langwierig sind, haben gerade 2018 viele Ausschreibungen stattgefunden. Wie sich die Big Four im vergangenen Jahr im Segment Wirtschaftsprüfung geschlagen haben, zeigte die FINANCE-Markt-Analyse.

EY ergattert VW, Deutsche Bank und mehr

Im Wettbewerb um die neu ausgeschriebenen Dax-Prüfmandate ist EY der überraschende Sieger: 2018 hat das Haus ein prominentes und honorarstarkes Mandat nach dem nächsten gewonnen, darunter das von Lufthansa, Volkswagen und der Deutschen Bank.

Dass sich ausgerechnet EY in den Ausschreibungen gegen die Konkurrenten durchsetzt, hätte wohl kaum jemand erwartet. EY ist nach Deloitte der zweitkleinste Prüfer im Dax mit einer bisher sehr überschaubaren Anzahl von Mandaten. Marktbeobachter hatten dagegen vermutet, die Dax-Mandate würden hauptsächlich zwischen den zwei Platzhirschen in dem Börsensegment – KPMG und PwC – getauscht.

Die drei neugewonnenen Schwergewichte wird EY erst ab 2020 prüfen – bis sie sich also im Umsatz niederschlagen, dauert es noch etwas. 2018 war EY gemessen am Umsatz von 574 Millionen Euro in der Wirtschaftsprüfung nur die Nummer drei unter den Big Four. (Anmerkung: Während EY und Deloitte nur ihre Umsätze ausweisen, publizieren KPMG und PwC nur ihre Gesamtleistung, in der auch die bis zum Bilanzstichtag erbrachten Leistungen aus noch nicht beendeten Projekten berücksichtigt sind.) Das Umsatzwachstum von EY im Audit war mit 5 Prozent eher moderat und schwächer als bei Deloitte und KPMG. Im Vorjahr war der Umsatz in dem Bereich noch um 11 Prozent gewachsen.

KPMG muss viele Prüfmandate abgeben

Beim Konkurrenten KPMG lag das Wachstum in der Wirtschaftsprüfung bei 7 Prozent (Vorjahr: 3 Prozent). Insgesamt hat KPMG im vergangenen Jahr eine Gesamtleistung von 671 Millionen Euro erwirtschaftet und ist damit aktuell die Nummer zwei unter den Big Four im Audit-Geschäft. Doch während bei EY in den nächsten Jahren im Zuge der Mandatsumverteilung stärkere Umsatzzuwächse zu erwarten sind, sieht es bei KPMG schlechter aus.

KPMG wird 2019 und 2020 einige Dax-Schwergewichte abgeben müssen, darunter Continental, BMW, Deutsche Bank, Fresenius und Fresenius Medical Care sowie Henkel und Munich Re. Neu gewinnen konnte KMPG im Dax bisher nur Covestro. FINANCE-Informationen zufolge hatte KPMG hart, aber am Ende vergeblich um das Mandat bei VW gekämpft. Da KPMG jahrelanger Prüfer von BMW war, standen die Chancen eigentlich nicht schlecht.

Immerhin gab es 2018 ein paar Errungenschaften außerhalb des Dax‘, darunter Signal Iduna, Grenke oder den Brillenhersteller Rodenstock. Trotzdem muss KPMG sich auch dringend um neue Dax-Mandate bemühen, denn es sind die Leuchtturmmandate, die KPMG auch als Arbeitgeber attraktiv machen.

Das will Deutschlandchef Klaus Becker auch tun. Er betont, dass die Wirtschaftsprüfung der „Markenkern“ bleibe. „Wir sehen es als unsere Verpflichtung an, uns um Prüfmandate zu bewerben – auch wenn das in manchen Fällen einen möglichen Verzicht auf lukrative Beratungsaufträge nach sich zieht“, so Becker.

Deloitte hat kein neues Dax-Mandat gewonnen

Dieses Motto legt nicht jeder an den Tag – Deloitte beispielsweise verzichtet bewusst auf den ein oder anderen Pitch um ein Prüfungsmandat, um sich die Chancen auf einen Beratungsauftrag nicht zu verbauen. Das spiegelt sich auch im Umsatz wider: Auch 2018 blieb Deloitte mit 392 Millionen Euro im Audit der mit Abstand kleinste Prüfer der Big Four. Immerhin war das Wachstum mit 11 Prozent das stärkste unter allen Vieren, allerdings von einem deutlich niedrigeren Niveau aus. Im Vorjahr fiel das Wachstum mit 27 Prozent noch deutlich stärker aus.

So richtig zufrieden dürfte Martin Plendl mit der Situation im Audit nicht sein, denn der Deutschlandchef hat sich zum Ziel gemacht, nach der Prüferrotation drei bis fünf Mandate im Dax zu haben. Früher prüfte Deloitte keinen einzigen Dax-Konzern – die Prüferrotation bezeichnete Plendl vor einigen Jahren daher als „Jahrhundertchance“ für Deloitte.

Doch von dem selbstgesteckten Ziel ist Plendl noch weit entfernt. Nachdem Deloitte 2015 Bayer als Dax-Prüfkunden gewinnen konnte, ist nichts mehr passiert. Dax-Konzerne würden Prüfer bevorzugen, die bereits Erfahrung in dem Segment und in dieser Größenordnung haben, gab Plendl jüngst zu. Aber auch im M-, S- oder TecDax hat Deloitte im vergangenen Jahr kein einziges neues Prüfmandat gewinnen können.

So viel erwirtschafteten die Big Four 2018 im Audit

1 PwC

767 Mio. Euro (Gesamtleistung)

2 KPMG

671 Mio. Euro (Gesamtleistung)

3 EY

574 Mio. Euro (Umsatz)

4 Deloitte

391 Mio. Euro (Umsatz)

PwC bleibt die Nummer 1 in der Wirtschaftsprüfung

Mit solchen Problemen hat PwC als etablierter Dax-Prüfer nicht zu kämpfen. 2018 konnte die Gesellschaft ihre Marktführerschaft im Audit verteidigen: Mit einer Gesamtleistung von 767 Millionen Euro hat PwC im vergangenen Jahr mit der Prüfung fast 100 Millionen Euro mehr erwirtschaftet als Verfolger KPMG.

Mit 3 Prozent war das Wachstum allerdings wieder sehr niedrig (Vorjahr: 1,7 Prozent). Zudem war es das niedrigste Wachstum innerhalb der Big Four. Zwar wächst PwC bereits von einem hohen Niveau aus, sodass die Zuwachsraten naturgemäß niedriger ausfallen, trotzdem muss sich das Unternehmen ranhalten. Im Zuge der Prüferrotation musste das Haus mit Bayer und der Commerzbank bereits große Prüfmandate abgeben, ab 2020 fällt auch noch VW weg.

Zum Ausgleich konnte PwC in den vergangenen Jahren aber auch schon große Dax-Mandate gewinnen, 2018 waren darunter BMW, Henkel und Fresenius samt Fresenius Medical Care. Ulrich Störk, seit Sommer 2018 neuer Deutschlandchef von PwC, zeigte sich deshalb in einem Talk mit FINANCE-TV kürzlich für die Zukunft optimistisch.

julia.schmitt[at]finance-magazin.de

Wer wächst am stärksten, wer gewinnt die lukrativsten Mandate, wer wirbt die besten Talente ab? Lesen Sie mehr über KPMG, PwC, Deloitte und EY auf unserer Themenseite zu den Big Four.