Die Deutsche Post sucht einen neuen Abschlussprüfer – wer erhält den Zuschlag?

Deutsche Post DHL

28.01.20
Banking & Berater

PwC verliert nach 28 Jahren Post-Mandat

Die Deutsche Post hat ihr Prüfmandat ausgeschrieben. Damit verliert PwC einen weiteren Kunden im Dax. Welcher Wirtschaftsprüfer hat die besten Chancen, dieses lukrative Mandat an Land zu ziehen?

Die Deutsche Post hat sich auf die Suche nach einem neuen Abschlussprüfer ab dem Geschäftsjahr 2023 gemacht. Das geht aus einer Mitteilung im Bundesanzeiger hervor, die der Dax-Konzern dort veröffentlicht hat. Demnach sucht das Unternehmen sowohl für die Mutter als auch für die Töchter nach einem neuen Prüfer.

Der Grund ist die gesetzliche verpflichtende Abschlussprüferrotation, wegen der kapitalmarktorientierte Unternehmen ihr Mandat ausschreiben müssen. Der aktuelle Prüfer PwC ist bereits seit 1995 für die Testierung der Bilanzen bei der Post zuständig.

PwC mit Verlusten und Gewinnen im Dax

Das Schicksal beim Kunden Deutsche Post ist PwC wohlbekannt: Unter den Big Four gehört PwC zu den Häusern, die wegen der Prüferrotation die größten Verluste im Dax einstecken müssen. Weggefallen sind bereits Covestro und Bayer, ab 2020 und 2021 gibt PwC außerdem noch die Deutsche Telekom, E.on, VW, Lufthansa und RWE ab.

Gleichzeitig konnte PwC aber auch einige Zugewinne im wichtigsten Börsensegment verbuchen: BMW, Allianz, Henkel, Fresenius und Fresenius Medical Care sowie HeidelbergCement. Vor wenigen Tagen wurde außerdem bekannt, dass PwC neuer Linde-Prüfer wird

Mit dem Wegfall der Deutschen Post geht PwC ein Prüfhonorar von 11 bis 12 Millionen Euro verloren – so viel hatte das Unternehmen dem Dienstleister in den vergangenen Jahren gezahlt. Mit diesem Honorar gehört die Post im Dax zum Mittelfeld und ist damit ein nicht unattraktiver Kunde für andere WP-Häuser. Doch wer könnte jetzt neuer Prüfer werden?

Next Ten könnten am Deutsche-Post-Pitch teilnehmen

Bewerben müssen sich mindestens zwei bis drei Häuser, damit die Deutsche Post ein valides Auswahlverfahren durchführen kann. In der Regel durchlaufen die interessierten WPs mehrere Runden, in denen sie sich dem Auswahlgremium vorstellen, tiefere Einblicke in die Bilanzen des Unternehmens erhalten und auf dieser Basis ein Angebot ausarbeiten. Gerade die Dax-Unternehmen haben aber oft Schwierigkeiten, genügend Bewerber zu bekommen, da nur wenige WP-Gesellschaften solche Kaliber prüfen können.

Die mittelständischen Prüfer (Next Ten) kommen faktisch nicht infrage, da sie zu klein sind, um einen Dax-Riesen zu prüfen. Deshalb sind die Next Ten als Abschlussprüfer im Dax auch gar nicht vertreten, im M-Dax immerhin zwei Mal – allerdings nur in Gestalt der Nummer 5 im Markt, BDO (mit den Prüfkunden Deutsche Euroshop und Software AG).

Gut möglich, dass sich so mancher mittelständischer Prüfer dennoch um das Post-Mandat bewirbt. Dies dürfte dann aber eher aus der Hoffnung heraus passieren, einen guten Eindruck im Pitch zu hinterlassen und sich so für ein Beratungsmandat zu positionieren. Diese Strategie verfolgen viele der Next Ten, ist am Markt zu hören.

EY könnte schon ausgelastet sein

Damit bleiben nur noch EY, Deloitte und KPMG – sofern sie nicht schon mit einem großen Beratungsauftrag bei der Post vertreten und bereit wären, diesen für ein Prüfmandat abzugeben.

Ob EY sich um das Mandat bewirbt, ist fraglich. Das Big-Four-Haus hat innerhalb kurzer Zeit bereits überraschend viele Mandate gewonnen und dürfte damit schon recht gut ausgelastet sein. EY-Deutschlandchef Hubert Barth erklärte erst Ende Oktober, dass man sich noch für weitere Dax-Mandate beworben habe. Ob das auch für das vor wenigen Tagen ausgeschriebene Post-Mandat gilt, ist unklar.

Am größten dürfte das Interesse an dem neuen Dax-Kunden bei KPMG und Deloitte sein. KPMG muss im Zuge der Prüferrotation die mit Abstand meisten Dax-Mandate abgeben, darunter viele hochbezahlte wie Deutsche Bank, Henkel oder BMW. Gewonnen hat KPMG im Gegenzug aber bisher nur Covestro und E.on. Zudem stagnierte bei KPMG im vergangenen Geschäftsjahr das Audit-Geschäft – das Management muss dem etwas entgegensetzen. 

KPMG oder Deloitte: Wer hat die besseren Chancen?

Nach eigener Aussage bewirbt sich KPMG um jedes frei werdende Mandat im Dax, die Post dürfte also auch dabei sein. KPMG dürfte auch gute Chancen auf den Zuschlag haben, da der Wirtschaftsprüfer seit vielen Jahrzehnten Erfahrung in der Prüfung von großen Dax-Konzernen mitbringt – ein Kriterium, das bei vielen Unternehmen oben auf der Agenda steht.

Genau dieses Kriterium erfüllt Deloitte wiederum nicht, denn der Konkurrent prüft mit Bayer aktuell nur ein einziges Unternehmen im Dax. Deutschlandchef Martin Plendl gab selbst zu, dass die fehlende Dax-Erfahrung mit ein Grund dafür ist, dass es bei vielen Pitches bislang nicht geklappt hat.

Was allerdings für Deloitte spricht: Im Gegensatz zu EY hätte der Wirtschaftsprüfer sicher noch genügend Kapazitäten, um ein neues Mandat zu stemmen. In jedem Fall wäre ein weiteres Dax-Mandat für Deloitte sehr wichtig, denn vorgenommen hatte sich Deutschlandchef Plendl in diesem Segment mehrere Zugewinne.

julia.schmitt[at]finance-magazin.de

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