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SAP-Prüfmandat: BDO setzt sich gegen Warth & Klein durch

Der mittelständische Wirtschaftsprüfer BDO prüft künftig den Dax-Konzern SAP.
BDO

Das Next-Ten-Haus BDO wird künftig den Jahresabschluss des Dax-Konzerns SAP prüfen. Wie der Wirtschaftsprüfer heute mitteilte, hat der Aufsichtsrat von SAP beschlossen, BDO bei der Hauptversammlung im Jahr 2022 als Abschlussprüfer für das Geschäftsjahr 2023 vorzuschlagen. Die Zustimmung bei der Hauptversammlung gilt aber als Formalie.

SAP muss im Zuge der verpflichtenden Prüferrotation seinen Abschlussprüfer wechseln, wonach kapitalmarktorientierte Unternehmen das Mandat nach spätestens 20 Jahren neu ausschreiben müssen. Der Software-Konzern hat die Ausschreibung für das Mandat nach eigener Aussage frühzeitig initiiert, „um dem neuen Abschlussprüfer ausreichend Zeit zur Einarbeitung und für die Übergangsphase zu gewähren“. Das Mandat wurde im April 2020 ausgeschrieben. Aktueller Prüfer ist das Big-Four-Haus KPMG.

SAP-Mandat wurde mit 10 Millionen Euro honoriert

Finanziell dürfte sich das Mandat lohnen: SAP zahlte KPMG zuletzt ein Honorar von 10 Millionen Euro. Bei der Ausschreibung für das SAP-Prüfmandat soll sich BDO FINANCE-Informationen zufolge gegen die kleineren Wettbewerber Warth & Klein Grant Thornton (WKGT) durchgesetzt haben. Warth & Klein war dem Vernehmen nach bis zuletzt noch im Rennen um das Prestige-Mandat. WKGT und SAP wollten sich zu dieser Information nicht äußern.

Und auch Mazars war im Rennen um das Mandat, wie die Gesellschaft gegenüber FINANCE bestätigt hat: „Wir freuen uns, dass wir hier als Prüfungsgesellschaft in die engere Wahl gekommen sind und ein Angebot abgeben durften. Dies bestätigt, dass wir strategisch auf dem richtigen Weg und inzwischen auch für Kapitalmarktunternehmen eine echte Alternative am Markt sind.“

Big Four wollten wohl lieber beraten

Dass offenbar nicht die Big-Four-Gesellschaften, sondern nur die mittelständischen Prüfer um das Mandat gekämpft haben, überrascht auf den ersten Blick – denn die begehrten Dax30-Mandate werden ausnahmslos nur von KPMG, PwC, EY und Deloitte geprüft. Doch auf den zweiten Blick kam wohl keiner der Vier infrage.

EY schied wohl von vorneherein aus. Der Ruf ist durch den Bilanzskandal bei Wirecard ramponiert, die Gesellschaft dürfte aktuell alle Hände voll zu tun haben, den Skandal aufzuarbeiten. Der Wirtschaftsprüfer hat mit der Deutschen Telekom, der KfW, der Commerzbank und der DWS sogar schon einige namhafte Mandate verloren.

KPMG scheidet als aktueller SAP-Abschlussprüfer für die Neubesetzung aus. Die anderen zwei der Big Four – PwC und Deloitte – sollen bei SAP nach FINANCE-Informationen bereits mit Beratungsprojekten betraut sein, SAP-Lizenzen verkaufen oder anderweitig mit dem Softwarekonzern zusammenarbeiten. Da Beratungsmandate meist deutlich lukrativer als Prüfmandate sind, dürfte der Anreiz gering sein, sich um die Prüfung zu bewerben.

BDO ist deutlich kleiner als Big Four

BDO hatte bereits vor rund einem Jahr angekündigt, auf die Pirsch nach einem Dax30-Mandat zu gehen. Der Wirtschaftsprüfer hat schon damals „bewusst investiert“, unter anderem in Personal, wie die BDO-Vorständin Andrea Brucker im Februar 2020 sagte.

Trotzdem dürfte das lukrative SAP-Mandat eine Herausforderung werden: Als mittelständisches Haus muss der Wirtschaftsprüfer voraussichtlich noch weiter in Personal investieren, denn BDO ist mit einem Umsatz von 262 Millionen Euro in Deutschland im Jahr 2019 deutlich kleiner als die Big-Four-Konkurrenz. Zum Vergleich: Die kleinste von ihnen, Deloitte, setzt zuletzt 1,69 Milliarden Euro in Deutschland um.

Zudem weisen die Big Four ein großes internationales Netzwerk aus, das ihnen die Prüfung der weltweit tätigen Großkonzerne überhaupt erst ermöglicht. Auch BDO hat ein großes internationales Netzwerk, das aber kleiner als das der Big Four ist. BDO selbst sieht sich aber gut aufgestellt: „Die konsequente Fortentwicklung unseres Prüfungsansatzes, die Investitionen in Qualität und moderne Technologien sowie die Ausrichtung der Strukturen und Prozesse an den Bedürfnissen unserer Kunden sind die Schlüssel für diesen großen Erfolg“, kommentiert Vorstandsvorsitzender Holger Otte.

olivia.harder[at]finance-magazin.de

Info

Erfahren Sie mehr über die Verfolger von Deloitte, KPMG, PwC, und EY auf unserer Themenseite zu den Next Ten.

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