Die APAS bekam von EY Warnungen über die Wirecrad-Bilanzen.

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18.09.20
Banking & Berater

Wirecard-Skandal: APAS ignorierte Warnhinweise von EY

EY hat offenbar bereits im Februar 2019 wegen Ungereimtheiten bei Wirecard Alarm bei der APAS geschlagen. Die Prüferaufsicht reagierte erst nach ganzen neun Monaten – wie kann das sein?

Schon wieder rückt im Wirecard-Drama ein Akteur ins Visier, der lange untätig geblieben sein soll – diesmal geht es um die Abschlussprüferaufsichtsstelle APAS, die die Arbeit der Wirtschaftsprüfer kontrolliert. Bisher richtete sich der Fokus vor allem auf die Deutsche Prüfstelle für Rechnungslegung, die die Bilanzen von Unternehmen auf Fehler prüft. Ihr werden schwere Versäumnisse und ein zu spätes Handeln vorgeworfen.

Wie sich nun herausgestellt hat, war die APAS zwar offenbar schon länger über Probleme bei Wirecard informiert, hat aber wohl erst deutlich später gehandelt. Laut einem Medienbericht der „Berliner Zeitung“ ist während einer nicht öffentlichen Sitzung des Bundestags-Finanzausschusses bekanntgeworden, dass Wirecards Prüfer EY bereits am 13. Februar 2019 die APAS telefonisch wegen „unerklärlicher Vorfälle in Singapur“ bei Wirecard gewarnt haben soll.

Im Januar 2019, als EY mitten in der Prüfung des Geschäftsberichts 2018 war, hatte die „Financial Times“ erstmals über Ungereimtheiten im Singapur-Geschäft von Wirecard berichtet. Das nahm EY zum Anlass, um sich das Thema bei der Prüfung genauer anzusehen, wie aus dem Bestätigungsvermerk für 2018 vorgeht. Das Big-Four-Haus hatte sogar selbst Forensiker beauftragt, um die Vorwürfe aufzuklären. Laut Bestätigungsvermerk haben die Prüfer und Forensiker aber nichts gefunden – die Geschäftszahlen hatte EY letztlich auch uneingeschränkt bestätigt.

APAS hielt EY-Meldung für „regionales Problem“

Trotzdem sah sich der Prüfer scheinbar gezwungen, einen Hinweis an die APAS zu geben. Doch diese ist daraufhin erst einmal nicht tätig geworden, wie in der Sitzung des Finanzausschusses bekannt wurde. „Die APAS hat bestätigt, dass EY im Hinblick auf die Bilanz 2018 auf unerklärliche Vorfälle bei Wirecard in Singapur hingewiesen hat. Die APAS ist aber nicht gegen EY vorgegangen, weil sie die Meldung für ein regionales Problem gehalten hat“, zitiert die „Berliner Zeitung“ FDP-Finanzpolitiker Florian Toncar. Es drängt sich die Frage auf, wie sinnvoll eine Aufsicht ist, die sich scheinbar vor allem nur um inländische Bilanzungereimtheiten kümmert – schließlich sind viele deutsche Konzerne auch im Ausland tätig, wo es entsprechend auch zu Bilanzmanipulationen kommen kann.

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Zudem habe Wirecard selbst eine Untersuchung eingeleitet, wodurch die APAS keine Notwendigkeit mehr gesehen hat, der Sache nachzugehen, so Florian Toncar weiter. Auch dieses Vorgehen wirft Fragezeichen auf, immerhin soll die APAS als unabhängige Aufsicht agieren.

Peter Altmaier lobte die APAS für ihre Arbeit

Schließlich schritt die APAS doch noch zur Tat – neun Monate nach dem Hinweis von EY. Anlass war ein weiterer Bericht der „Financial Times“, woraufhin die Prüferaufsicht im Oktober Vorermittlungen gegen EY aufnahm. Im Mai dieses Jahres, nach den Enthüllungen des KPMG-Sonderprüfberichts, überführte sie die Ermittlungen in ein förmliches Berufsaufsichtsverfahren. 

 

 

Besonders brisant ist, dass Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU), dessen Ressort die Rechtsaufsicht über die APAS hat, das Vorgehen der APAS im August dieses Jahres noch lobte. Sie habe „sehr früh und zu jedem Zeitpunkt die notwendigen und richtigen Schritte“ unternommen, zitierte ihn das „Handelsblatt“ aus einer Sondersitzung, wo er sich den Fragen der Abgeordneten zur Rolle der APAS im Fall Wirecard stellen musste.

Warum hat die APAS nicht früher reagiert?

Der Zeitung lag zudem ein vertraulicher Bericht des Bundeswirtschaftsministeriums zur Arbeit der APAS im Fall Wirecard vor. Darin hieß es: Da es „keine Mitteilungen über Fehlerfeststellungen der originär für die Bilanzkontrolle zuständigen Stellen“ gegeben habe, habe die APAS zunächst keinen Anlass für Ermittlungen gegen EY gehabt. Mit den für Bilanzkontrolle zuständigen Stellen sind die DPR und die Bafin gemeint. Allerdings ist die APAS nicht auf Hinweise der DPR oder der Bafin angewiesen, um eine Untersuchung einzuleiten.

Sie kann auch selbst eine anlassbezogene Prüfung einleiten, wenn sie Anhaltspunkte sieht, zum Beispiel durch Medienberichterstattung oder durch Mitteilungen von Externen, die sich bei der APAS melden. Ob solche Hinweise allerdings wirklich eine Prüfung begründen, liegt im Ermessensspielraum der APAS – dass die APAS einen Hinweis durch den Wirtschaftsprüfer selbst nicht zum Anlass genommen hat, um genauer hinzusehen, wirft viele Fragen auf. Ein solcher Hinweis ist keineswegs alltäglich.

sarah.backhaus[at]finance-magazin.de

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