Um ihn zu holen, hat Schalke Millionen investiert: Der neue Trainer Domenico Tedesco soll Schalke zurück nach Europa führen. Er muss Erfolg haben, sonst droht Schalke 04 finanziell den Anschluss zu verlieren.

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15.03.18
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Schalke 04: Kein Europa, keine Stars, kein Gewinn

Schlechtes Timing bei Schalke 04: Ein teurer Trainerwechsel und wegbrechende Transfererlöse kollidieren mit hohen Investitionen ins Vereinsgelände. Bei dem Fußballklub verschlechtert sich die Finanzlage.

Der wirtschaftliche Aufwärtstrend von Schalke 04 ist vorerst gebrochen. Wie die am gestrigen Mittwoch Abend vorgelegten Geschäftszahlen zeigen, ist es dem Bundesligaklub nicht gelungen, die Folgen rückläufiger Umsätze aufzufangen: Der Klub muss steigende Finanzschulden von 142 und einen Jahresverlust von über 12 Millionen Euro verbuchen.

Schalke führt die roten Zahlen auf das Ausbleiben von Transfererlösen im vergangenen Sommer zurück. Tatsächlich brachen die Transfereinnahmen um 38 auf nur noch 12,6 Millionen Euro ein, der gesamte Konzernumsatz jedoch nur um 25 Millionen Euro. Schalke profitierte davon, dass die Mannschaft bis zum Frühjahr noch im DFB-Pokal und in der Europa League vertreten war. Dies sorgte dafür, dass die Einnahmen aus Ticketing und TV-Vermarktung um zusammen 11,5 Millionen Euro angestiegen sind.

Da der Klub nach der laufenden Saison wahrscheinlich in das internationale Geschäft zurückkehren wird, rechnet die Vereinsführung um Finanzchef Peter Peters damit, dass der Umsatz im laufenden Jahr wieder auf über 257 Millionen Euro ansteigen wird. Angesichts der explodieren TV-Einnahmen, die ligaweit in der gerade angelaufenen Dreijahresperiode um 85 Prozent höher liegen als früher, fällt die Umsatzerholung aber mager aus.

Weinzierl-Entlassung kostet Schalke Millionen

Auch auf der Kostenseite zeichnen die Königsblauen kein besonders positives Bild. Die in den Spielerverträgen eingebaute Kostenbremse, die wegen der verpassten Europacup-Qualifikation im Sommer greifen sollte, zeigte in den 2017er-Zahlen noch keine erkennbare Wirkung – im Gegenteil: Der Personalaufwand stieg um über 10 Prozent auf 123,7 Millionen Euro an. Damit haben die Personalausgaben die Schallmauer von über 50 Prozent des Umsatz nach oben durchbrochen, was deutlich über dem Ligadurchschnitt liegt. In den beiden Jahren davor hatte sich Schalke mit einer Personalkostenquote von knapp über 40 Prozent noch auf wesentlich soliderem Niveau bewegt.

Neben den Erfolgsprämien aus dem vergangenen Frühjahr war es wieder ein teurer Trainerwechsel, der ins Kontor schlug. Der Wechsel von Markus Weinzierl zu Domenico Tedesco zahlt sich sportlich zwar gerade aus, kostete Schalke aber eine Menge Geld.

Die genaue Summe legt die Schalke-Führung nicht offen. Aber die Formulierung, dass der Personalkostenanstieg von 13,6 Millionen Euro „im Wesentlichen“ auf Abfindungszahlen und Rückstellungen im Zusammenhang mit dem Trainerwechsel zurückzuführen ist, legt den Schluss nahe, dass die Entlassung Weinzierls die Schalker einen mittleren bis hohen einstelligen Millionenbetrag gekostet haben dürfte. Es ist nicht das erste Mal, dass die Trennung von einem teuren Trainergespann den Knappen die Geschäftszahlen verhagelt hat: Vor zwei Jahren schlug auch schon die Entlassung des erfolglosen Italieners Roberto di Matteo heftig zu Buche.

Sponsoring-Einnahmen wachsen nicht mehr

Der Ausblick auf 2018 hingegen sieht auf den ersten Blick nicht schlecht aus. Selbst unter der Annahme, dass Schalke nächstes Jahr nur Europa League spielt und keine nennenswerten Transfererlöse anfallen, prognostiziert Finanzchef Peters einen Gewinn „im mittleren einstelligen Millionenbereich“. Die absolut mögliche Qualifikation für die Champions-League – Schalke liegt hinter Bayern München in der Bundesliga derzeit auf Rang zwei – könnte die Erholung bei Umsatz und Gewinn sogar noch deutlich stärker ausprägen.

Peter Peters, FC Schalke 04

Nach seinem Studium arbeitet Peters von 1987 bis 1991 als Sportredakteur bei der Zeitschrift RevierSport, der Westfälischen Rundschau und der WAZ Dortmund.1991 wechselt Peters die Seiten und fängt im Management des 1. FC Kaiserslautern an, wo er bis 1993 stellvertretender Geschäftsführer ist. Seit 1993 ist er als Vorstand für den FC Schalke 04 tätig und verantwortet die Bereiche Finanzen und Organisation des Fußballkonzerns.

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Trotzdem liefert das Schalker Zahlenwerk auch Anlass zur Skepsis. Beispiel Sponsoring und Merchandising: Diese wichtige, weil gut planbare Einnahmesäule hat ihren jahrelangen Aufwärtstrend hinter sich gelassen. Seit 2015 stagnieren die Einnahmen de facto, die fest vereinbarten, nicht erfolgsabhängigen Erlöse lagen 2016 und 2017 jeweils unter dem Niveau von 2015.

Die Schalker Transfermaschine stottert

Mit zurückkehrendem Erfolg könnte die Dynamik im Sponsoring-Geschäft wieder zunehmen, auf der Transferseite ist damit dafür kaum zu rechnen. Es ist eine negative Entwicklung, dass die königsblaue Transfermaschine ins Stottern geraten ist. Zwar liefert die extrem erfolgreiche „Knappenschmiede“ nach wie vor regelmäßig hochkarätige Talente in den Bundesligakader. Aber es gelingt nicht mehr, die erfolgreiche Nachwuchsarbeit in bares Geld umzumünzen, wenn die Talente jenseits von Schalke den nächsten Karriereschritt suchen.

Spülten die Verkäufe von Manuel Neuer, Julian Draxler und Leroy Sane den Schalkern in den zurückliegenden Jahren noch über 100 Millionen Euro in die Kasse, herrscht jetzt Ebbe in der Transfer-Pipeline. Im Sommer verließ bereits das Eigengewächs Sead Kolasinac Schalke ablösefrei in Richtung Arsenal London, in diesem Sommer droht Mittelfeldspieler Max Meyer ebenfalls ablösefrei zu gehen.

Auch Verteidigertalent Thilo Kehrer zögert damit, seinen Vertrag zu verlängern. Kehrer könnte im Sommer 2019 weiterziehen, ohne dass Schalke eine Ablöse kassiert. Besonders bitter ist, dass die Schalker im Sommer ihren besten Spieler, den als Jungprofi für kleines Geld verpflichteten Leon Goretzka, ebenfalls ablösefrei an Bayern München abgeben müssen.

Großinvestitionen treiben den Schuldenstand

Alleine schon um diese Abgänge zu kompensieren, wird Schalke im Fall einer Europacup-Qualifikation groß investieren müssen. Doch gleichzeitig gräbt der Verein das „Berger Feld“ um. Dort erweitert und modernisiert Schalke das Vereinsgelände. Im ersten Bauabschnitt verbaut der Klub 25 Millionen Euro. Der noch nicht beschlossene, aber schon geplante zweite Bauabschnitt würde sogar 65 Millionen Euro verschlingen – Geld, das sich Schalke über Kredite besorgen muss.

Schon jetzt sorgt das Projekt Berger Feld dafür, dass Schalke den viele Jahre eingeschlagenen Pfad des Schuldenabbaus verlassen hat: Die Finanzschulden stiegen 2017 von 130 auf 142 Millionen Euro. Zieht Schalke diese Großinvestition durch und verstärkt parallel den Spielerkader, ist es absehbar, dass die Schulden eher in Richtung 200 Millionen Euro ansteigen als wieder sinken werden.

Bis der Traditionsklub die notwendige Investitionsoffensive hinter sich hat, dürfte sich seine Finanzlage also weiter eintrüben. Die Champions-League-Qualifikation ist für den Klub wirtschaftlich wichtiger, als die Klubbosse nach außen hin zugeben. Die nächsten Spiele in der Bundesliga werden mit darüber entscheiden, ob Schalke in den nächsten Jahren finanziell den Anschluss an die Bundesligaspitze halten kann.        

michael.hedtstueck[at]finance-magazin.de

Viele weitere News und Analysen zu den Finanzen der Knappen gibt es auf unserer Themenseite zu Schalke 04. Analysen zur Finanzlage anderer Vereine wie Bayern München, Borussia Dortmund und Eintracht Frankfurt bietet unser Fußballfinanz-Blog „Dritte Halbzeit“.

Mehr über Schalkes Finanzchef erfahren Sie im FINANCE-Köpfe-Profil von Peter Peters.