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Grenke-CFO Sebastian Hirsch wird endgültig zum CEO ernannt

Aus CFO wird CEO: Sebastian Hirsch, aktuell auch Interims-CEO, übernimmt als Vorstandsvorsitzender bei Grenke. Foto: Grenke

Grenke macht CFO Sebastian Hirsch zum CEO. Wie der Finanzdienstleister am vergangenen Donnerstag mitteilte, wird Hirsch damit den Vorstandsvorsitzenden Michael Bücker ablösen. Hirsch hatte das Amt bereits seit November interimistisch zusätzlich zu seiner CFO-Rolle inne, da Bücker den Posten krankheitsbedingt temporär abgegeben hatte.

Laut Grenke wurde die Bestellung von Bücker „aus gesundheitlichen Gründen zeitlich befristet bis zum 28. Februar 2023 widerrufen“. Bücker scheidet damit aus dem Unternehmen aus. Aufsichtsratschef Ernst-Moritz Lipp dankte dem scheidenden Vorstandschef „für sein außerordentliches Engagement in einer Phase der Anpassung der Geschäftsorganisation an die regulatorischen Anforderungen für das deutsche und internationale Geschäft“. Mit seiner Erfahrung und Reputation habe CEO Bücker das Unternehmen entsprechend neu aufgestellt und zurück auf einen Wachstumskurs geführt.

CFO Hirsch ist seit fast 20 Jahren bei Grenke tätig

Der 41-jährige Hirsch ist ein Grenke-Eigengewächs, er ist bereits seit 2004 im Konzern. Er leitete dort zwischenzeitlich das Controlling und war später bei der Grenke Bank tätig. 2013 wurde er Generalbevollmächtigter von Grenke, 2017 stieg er in den Vorstand auf. Zum Finanzchef machte der SDax-Konzern ihn im Oktober 2020, seit November 2021 ist er zusätzlich stellvertretender Vorstandsvorsitzender.

Die Doppelrolle als CEO und CFO wird Hirsch allerdings nicht dauerhaft spielen: Der jetzige Vice President Controlling, Martin Paal, wird nach einer Übergangs- und Einarbeitungsphase die Leitung des Finanzressorts übernehmen. Für Paal ist dies ein schneller Aufstieg, er kam erst im Juli 2022 zu Grenke. Zuvor war der 43-Jährige knapp sechs Jahre bei der DZ Bank tätig, zuletzt als Abteilungsleiter des Konzern-Controllings. Bis 2016, vor seinem Sprung in die Welt der Banken und Finanzdienstleister, war Paal als Manager in der Transaktionsberatung von EY tätig.

Grenke konnte 2022 starke Zahlen vorlegen

Hirsch übernimmt in einer Phase, bei der es bei Grenke wirtschaftlich gut läuft. „Sebastian Hirsch wird als neuer CEO für die Kontinuität und die strategischen Impulse sorgen, die das Unternehmen braucht, um weiter zweistellig und profitabel zu wachsen“, sagte Aufsichtsratschef Lipp über die Nominierung von Hirsch zum CEO.

Tatsächlich war Grenke 2022 im Leasinggeschäft um 38,7 Prozent auf 2,3 Milliarden Euro gewachsen und hatte damit das obere Ende der eigenen Prognose erreicht. Im selben Jahr konnte Grenke den Deckungsbeitrag 2 um 26,4 Prozent auf rund 370 Millionen Euro steigern, im Vergleich zu rund 292 Millionen Euro in 2021. Daraus ergibt sich für das Geschäftsjahr 2022 eine DB2-Marge von 16,1 Prozent.

Neu-CEO Hirsch half, Shortseller-Attacke abzuwehren

Neu-CEO Hirsch hatte sich auch in einer schwierigen Phase für Grenke hervorgetan. Im Herbst 2020 hatte der bekannte Shortseller Fraser Perring mit seinem Research-Haus Viceroy der Leasingfirma Bilanzfälschung, Betrug und Geldwäsche vorgeworfen. Aufgrund der Vorwürfe war die Grenke-Aktie stark eingebrochen.

Im Mai 2021 stellten die Wirtschaftsprüfer von KPMG Grenke ein uneingeschränktes Testat über den Jahresabschluss 2020 aus, damit stellten sich die kritischsten Vorwürfe von Perring als falsch heraus. Dennoch hatte die Shortseller-Attacke schwere Mängel von Corporate Governance und Compliance bei Grenke aufgedeckt. Die damalige CEO Antje Leminsky, Vorgängerin des scheidenden Vorstandschefs Michael Bücker, hatte eine Neuaufstellung im Konzern versprochen.

Sebastian Hirsch hatte sich bei der Abwehr der Shortseller-Attacke als krisenfester CFO erwiesen. Mit seinem Schritt, das Grenke-Geschäftsmodell und die Bilanzierungspraxis des Konzerns für den Kapitalmarkt verständlicher zu machen, trat Hirsch damals souverän auf und signalisierte den Geldgebern Transparenz.

Paul Siethoff ist Redakteur bei Finance und schreibt vorrangig über Transformations-Themen. Er hat Kommunikationswissenschaften und Journalismus in Erfurt und in Mainz studiert. Vor seiner Zeit bei FINANCE schrieb Paul Siethoff frei für die Frankfurter Rundschau für die Ressorts Wirtschaft und Politik.