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Belohnung für Grenke-CFO Sebastian Hirsch

Aufstieg für Sebastian Hirsch: Der CFO von Grenke ist ab November auch stellvertretender Vorstandsvorsitzender. Foto: Grenke
Aufstieg für Sebastian Hirsch: Der CFO von Grenke ist ab November auch stellvertretender Vorstandsvorsitzender. Foto: Grenke

Ein junger CFO ist auf dem Weg nach oben: Grenke befördert Finanzchef Sebastian Hirsch Anfang November zusätzlich zum stellvertretenden Vorstandsvorsitzenden. Das teilte der Leasingspezialist am heutigen Freitag mit. Der Aufsichtsrat hat der Ernennung bereits zugestimmt. Damit agiert Hirsch künftig an der Seite von CEO und Ex-BayernLB-Firmenkundenchef Michael Bücker, der sein Amt seit August dieses Jahres innehat. Er folgte damals auf Vorstandschefin Antje Leminsky, die im Juni aus persönlichen Gründen zurückgetreten war.

CFO Hirsch half, die Shortseller-Attacke abzuwehren

Die Beförderung von Hirsch lässt sich als Belohnung für seinen Einsatz rund um die Shortseller-Attacke von Fraser Perring interpretieren. Im September vergangenen Jahres attackierte der Hedgefonds Viceroy, hinter dem Perring steht, Grenke mit Vorwürfen zu unlauteren Geschäftspraktiken und Bilanzmanipulation. Die Aufarbeitung des Angriffs dauerte mehrere Monate, zwischenzeitlich wurden gar Vergleiche mit Wirecard angestellt – unter anderem, weil auch dort Fraser Perring Ungereimtheiten moniert hatte, die sich später als richtig herausgestellt haben.

Im Mai dieses Jahres erhielt Grenke von KPMG ein uneingeschränktes Testat. Schon vorher war es Grenke gelungen, wesentliche Teile von Perrings Vorwürfen zu widerlegen. Allerdings musste das Unternehmen schwere Mängel bei der Corporate Governance einräumen und auch persönliche Konsequenzen ziehen.

Im Zentrum der Attacke stand neben Gründer Wolfgang Grenke auch CFO Sebastian Hirsch selbst – nicht nur, weil er als Finanzchef jederzeit einen Überblick über die Geschäftstätigkeiten und die Bilanzierung des Unternehmens haben muss. Perring behauptete anfangs, Grenke habe gar keinen CFO. Doch dann übernahm Hirsch eine hervorgehobene Rolle bei der Abwehr der Perring-Attacke, vor allem indem er Grenkes Geschäftsmodell und Bilanzierungspraxis für den Kapitalmarkt verständlicher machte.

CFO-Profil

Anlässlich seiner Beförderung lobt Aufsichtsratschef Ernst-Moritz Lipp Hirschs Einsatz nachdrücklich: „Herr Hirsch steht zugleich für Kontinuität und Aufbruch. Er kennt das Unternehmen wie kein zweiter, er hat Grenke in zentraler Funktion durch die Krise geführt, und er verkörpert den Generationswechsel bei Grenke.“ CEO Bücker sagt: „Schon in der kurzen Zeit unserer Zusammenarbeit hat sich gezeigt, dass Sebastian Hirsch und ich uns in unseren Fähigkeiten und unseren Erfahrungen ausgezeichnet ergänzen.“

Sebastian Hirsch startete im Controlling von Grenke

Mit Sebastian Hirsch befördert Grenke ein echtes Eigengewächs: Der CFO stieg direkt nach dem Studium zum Diplom-Betriebswirt im Jahr 2004 in die Konzernrefinanzierung der Baden-Badener ein. Parallel zum Master-Studium leitete der 40-Jährige das Konzern-Controlling und verantwortete den Konzernabschluss 2008. Ein Jahr später wechselte er zur Grenke Bank und war dort zunächst Generalbevollmächtigter, ab 2011 agierte er als Vorstand für den Bereich Markt.

Im Jahr 2013 zog es Hirsch zurück in den Mutterkonzern, wo er als Generalbevollmächtigter arbeitete. Vier Jahre später stieg Hirsch in den Vorstand auf und verantwortet seitdem die Bereiche Controlling, M&A, Treasury, Recht, Steuern und Investor Relations – Tätigkeiten, die in das CFO-Ressort fallen, obwohl Hirsch zu diesem Zeitpunkt noch nicht offiziell Finanzchef war. Zum ordentlichen Finanzvorstand berufen wurde Hirsch erst im Oktober vergangenen Jahres, um zu verdeutlichen, dass Grenke mitnichten ohne Finanzchef operiert. In diesem Jahr promovierte Hirsch zusätzlich auch noch an der Steinbeis-Hochschule.

Der Vorstand von Grenke besteht nun neben CEO Bücker und CFO Hirsch aus Risikochefin Isabel Rösler und Gilles Christ, verantwortlich für die Bereiche Marketing, Vertrieb und Franchise.

Auch Adler ist im Visier von Fraser Perring

Nach Wirecard und Grenke hat der Hedgefonds Viceroy mit der Adler Group jüngst das nächste deutsche Unternehmen attackiert. Dem Immobilienkonzern wirft der Shortseller vor, Immobilienwerte zu hoch bilanziert zu haben und dass Abschreibungen in Milliardenhöhe notwendig seien. Adler reagierte in einer Stellungnahme nur oberflächlich auf die Kritik des Shortsellers. In dieser Woche hat das Unternehmen aber mit Bernd Schade einen zusätzlichen Vorstand verpflichtet. Schade soll sich um das Projektentwicklungsgeschäft kümmern – auch dieses steht in der Kritik von Perring.

olivia.harder[at]finance-magazin.de

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Olivia Harder ist Redakteurin bei FINANCE und verfolgt schwerpunktmäßig die aktuellen Entwicklungen im Private-Equity- und M&A-Geschäft. Sie hat Philosophie, Politikwissenschaften, Soziologie und Geographie an der Justus-Liebig-Universität in Gießen studiert, wo sie auch einen Lehrauftrag innehatte. Vor FINANCE arbeitete Olivia Harder in den Redaktionen mehrerer Wochen- und Tageszeitungen, unter anderem beim Gießener Anzeiger.

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