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Grenke erhält langersehntes Testat von KPMG

Grenke kann aufatmen und erhält endlich das Testat von KPMG.
Grenke

Aufatmen bei Grenke: Wie der Leasinganbieter am Montagabend mitteilte, hat KPMG ein uneingeschränktes Testat für den Konzernabschluss 2020 vergeben. Der Konzern stand seit einer Shortsellerattacke im Herbst 2020 unter Druck und hatte seitdem parallel zur regulären Abschlussprüfung durch KPMG mehrere Sonderprüfungen laufen. Da die Prüfungen durch KPMG länger andauerten, musste Grenke die Veröffentlichung des Geschäftsberichts auf den 21. Mai verschieben – zeigte sich aber schon damals optimistisch, das uneingeschränkte Testat zu erhalten. „Wir haben geliefert. Mit dem uneingeschränkten Testat gewinnen wir Vertrauen zurück“, kommentierte Grenke-Vorstandschefin Antje Leminsky nun die Meldung.

Die Erleichterung ist groß – das Testat ist ein wichtiges Signal an den Kapitalmarkt. Denn neben einem seit Monaten andauernden Aktienabsturz und heftiger Kritik wurde der Konzern zuletzt auch noch aus dem SDax geschmissen. Grenke hat die Basiskriterien verletzt, hieß es seitens der Deutschen Börse. Demnach muss ein Indexmitglied den Abschluss innerhalb von vier Monaten nach Geschäftsjahresende vorlegen, bei Grenke war der Zeitraum bereits verstrichen.

Grenke will weniger Dividende zahlen

Grenke hatte die vorläufigen Zahlen bereits am 30. April veröffentlicht. Mit der Meldung zum Testat gibt der Konzern auch bekannt, dass der Nettogewinn korrigiert werden musste. Hier ging der Leasinganbieter zunächst von einem Gewinn von rund 80 Millionen Euro aus, teilte aber bereits mit, dass es hier zu Veränderungen kommen kann. Der ausgewiesene Gewinn werde sich nun um 8,5 Millionen Euro auf 88,4 Millionen Euro erhöhen, Grund dafür ist eine Korrektur der Risikovorsorge aus dem Jahr 2019. Im Vorjahr verbuchte Grenke noch einen Nettogewinn von 136 Millionen Euro.

Unverändert bleibt hingegen die Eigenkapitalquote von 16,3 Prozent sowie alle weiteren Zahlen. Damit konnte CFO Sebastian Hirsch die Eigenkapitalquote im Vergleich zum Vorjahr stabil halten, obwohl der Konzern 2020 67,4 Millionen Euro Goodwill und immaterielle Vermögenswerte abschreiben musste. In dem Zuge flossen wegen der Erstkonsolidierung defizitärer Franchisegesellschaften 20,5 Millionen aus dem Eigenkapital ab – diese Erstkonsolidierung war eine der Maßnahmen, die Grenke nach der Kritik am Geschäftsmodell umsetzte.

Grenke veröffentlichte mit der Meldung auch seinen Vorschlag zur Dividendenzahlung. Für 2020 will der Konzern 26 Cent pro Aktie zahlen. Das ist deutlich weniger als im Vorjahr, als die Dividende 80 Cent pro Aktie betrug. Analysten hatten für 2020 mit 71 Cent gerechnet.

Grenke-Aktie haussiert nach KPMG-Testat

Das schreckt die Aktionäre aber nicht ab – im Gegenteil: Die Grenke-Aktie schießt nach dem KPMG-Testat deutlich nach oben. Nachdem durch den Shortsellerangriff von Fraser Perring die Aktie innerhalb kürzester Zeit von knapp 60 Euro auf teilweise unter 25 Euro rutschte, schnellte sie nach der Testat-Meldung zeitweise um über 15 Prozent nach oben, und liegt am Dienstagvormittag bei rund 38 Euro. Das ist zwar der höchste Stand seit Monaten, aber immer noch deutlich weniger als das Papier vor der Shortsellerattacke hatte.

1-Jahreschart: Der Fall der Grenke-Aktie

Grenke Aktie

Grenke Aktie Chart
Kursanbieter: L&S RT

Was Grenke erfreut, ist für Shortseller eine weniger gute Nachricht. So mancher hatte auf eine Absage von KPMG gewettet und auf einen damit einhergehenden massiven Kursabsturz, der ihm Gewinne eingebracht hätte. Laut dem Bundesanzeiger waren zuletzt sechs Shortseller bei Grenke aktiv. Unter den zuletzt veröffentlichen Short-Positionen befinden sich unter anderem Gladstone Capital mit 1,54 Prozent im Mai und Blackrock, dessen Position sich zum März hin auf knapp 2 Prozent belief.

KPMG stand am Kapitalmarkt unter Beobachtung

Grenkes Prüfer KPMG dürfte die Prüfung einige schlaflose Nächte bereitet haben. Nachdem Wirecards Prüfer EY im Zuge des Bilanzskandals massiv unter Druck geraten ist, haben Märkte ein besonderes Augenmerk auf die Urteile der Abschlussprüfer gelegt – so auch bei Grenke und KPMG. Auf KPMG lastete daher ein hoher Druck.

Auch andere Wirtschaftsprüfer sollten sich Grenke anschauen, so wurde Warth & Klein Grant Thornton von dem Unternehmen selbst mit einer Sonderprüfung engagiert. Seitens der Bafin sollte Mazars die Bilanzen prüfen, dessen erste Zwischenergebnisse für Stirnrunzeln sorgten. So fand der Prüfer Auffälligkeiten bei den internen Kontrollmaßnahmen und „wesentliche Mängel“ bei der sachlichen und personellen Ausstattung der Anti-Geldwäschefunktionen.

sarah.backhaus[at]finance-magazin.de

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Sarah Backhaus ist Redakteurin bei FINANCE und DerTreasurer. Sie hat Journalismus an der Hochschule für Medien, Kommunikation und Wirtschaft in Köln studiert. Sarah Backhaus arbeitete während ihres Studiums unter anderem für Onlinemagazine von Gruner + Jahr und schrieb als freie Journalisten für die Handelszeitung, faz.net und Impulse.

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