Finanzchef Andreas Strecker verlässt den Motorenhersteller Deutz.

Deutz

06.08.20
CFO

CFO Andreas Strecker verlässt Deutz

Der Motorenhersteller Deutz und Finanzchef Andreas Strecker gehen künftig getrennte Wege – den CFO zieht es als General Manager zu einem anderen Unternehmen. Doch die Kölner haben schon einen Nachfolger gefunden.

Abschied bei Deutz: Wie der Kölner Motorenhersteller heute bekanntgab, verlässt CFO Andreas Strecker das Unternehmen auf eigenen Wunsch. Sein letzter Arbeitstag wird voraussichtlich Ende Februar 2021 sein. „Der Aufsichtsrat dankt Andreas Strecker für seine wertvolle und engagierte Arbeit in den vergangenen fast drei Jahren seiner Tätigkeit für Deutz. Für seine neuen Aufgaben wünschen wir ihm viel Erfolg”, lässt sich Aufsichtsratschef Bernd Rohr zitieren.

Strecker zieht es als General Manager zu einem anderem Unternehmen. Wo genau der 58-Jährige anheuern wird, wollte Deutz allerdings nicht kommentieren.

Andreas Strecker kennt sich mit Automotive aus

Strecker verantwortet seit März 2018 die Finanzen von Deutz, der derzeit heftig unter der Coronavirus-Pandemie leidet. Der CFO folgte damals auf Margarete Haase, die ihren Vertrag aus Altersgründen nicht verlängert hatte.

Der Finanzchef verbrachte einen Großteil Karriere in der Automotive-Branche, zuletzt hatte sich sein Schwerpunkt allerdings etwas verlagert: Bevor er zu Deutz wechselte, war er ein Jahr als privater Strategieberater tätig. Zuvor arbeitete der promovierte Betriebswirt bei dem polnischen Straßenbahn- und Omnibushersteller Solaris.

Vor seiner Zeit bei Solaris war Strecker CFO des Türen- und Garagentorherstellers Novoferm. Davor war der Finanzchef acht Jahre lang Nordamerikachef von Daimler Buses. Seine Karriere startete Strecker bei Mercedes-Benz und der Benz-Tochtergesellschaft Evobus.

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Dr. Andreas Strecker, Deutz AG

Nach Abschluss seiner Promotion in Kooperation mit der Universität Stuttgart und der Festo KG steigt Andreas Strecker im Jahr 1991 über die Nachwuchsgruppe beim Autohersteller Mercedes-Benz ein. Im Rahmen der Akquisition der Bussparte von Karl Kässbohrer („Setra“) durch Mercedes-Benz und der darauffolgenden Gründung von EvoBus im Jahr 1995 verantwortet Strecker verschiedene Integrationsaufgaben sowie das Controlling der EvoBus-Tochtergesellschaften.

Im Jahr 1998 übernimmt Strecker die Leitung der strategischen Planung und des Controllings bei  der Bussparte des Daimler-Konzerns. 2002 macht der Diplom-Kaufmann einen Karrieresprung und wird für die darauffolgenden acht Jahre Nordamerikachef von Daimler Buses. Nach insgesamt neunzehn Jahren bei Daimler wechselt Strecker 2010 als CFO zum Türen- und Garagentorhersteller Novoferm.

Im Frühjahr 2015 entscheidet sich Strecker, nach Polen zu gehen, um die Führung des dort ansässigen Straßenbahn- und Omnibusherstellers Solaris zu übernehmen, die er bis Januar 2017 behält. Anschließend konzentriert er sich ein Jahr lang auf seine Rolle als privater Strategieberater, in der er vor allem Private-Equity-Investoren und deren Portfoliounternehmen berät.

Anfang 2018 wird er in den Vorstand des Kölner Motorenherstellers Deutz berufen, wo er seit März 2018 als Finanzvorstand fungiert. Im August 2020 wird bekannt, dass Strecker Deutz verlassen wird, um General Manager bei einem anderen Unternehmen zu werden. Nähere Details zu seinem Wechsel sind noch nicht bekannt.

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Sebastian Schulte wird neuer Deutz-CFO

Deutz präsentiert auch gleich einen Nachfolger für den scheidenden CFO: Ab dem 1. März 2021 übernimmt Sebastian Schulte das Finanzressort und wird sich zudem auch um die Bereiche Personal, Einkauf und Information Services kümmern. Der 41-Jährige wird dafür spätestens zum 1. Februar 2021 in den Vorstand des SDax-Unternehmens einziehen.

Schulte kommt von ThyssenKrupp Marine Systems, wo er seit 2018 Geschäftsführer und CFO war. Bei dem Industriekonzern begann er auch seine berufliche Karriere: Nach dem Studium wechselte er zu den Essenern und war dort in verschiedenen Positionen in der Konzernzentrale tätig. Seinem Profil bei dem Karrierenetzwerk „Linkedin“ zufolge arbeitete er unter anderem in den Bereichen M&A und Controlling. Zu seinen Karriere-Highlights zählt Deutz die Restrukturierung und der Verkauf des ThyssenKrupp-Stahlwerks in Rio de Janeiro.

Deutz macht Coronakrise zu schaffen

Bei Deutz wird Schultes Augenmerk vor allem darauf liegen, das Effizienzprogramm und die „E-Deutz-Strategie“ weiter voranzutreiben. Zudem wollen die Kölner ihre China-Aktivitäten ausbauen. Die Automotive-Branche – darunter vor allem auch traditionelle Diesel- und Gasmotorenhersteller wie Deutz – steht aktuell stark unter Druck und muss ihre Geschäftsmodelle auf die E-Mobilität umstellen.

Zunächst muss der neue Finanzchef aber erst einmal die Folgen der Coronakrise in den Griff bekommen, denn auch Deutz wurde von der Pandemie schwer getroffen. Anfang Mai vermeldeten die Kölner eine rückläufige Geschäftsentwicklung sowie einen Einbruch der Gewinnmarge. Die Aufträge waren im ersten Quartal um über 30 Prozent zurückgegangen, der Umsatz war um 25 Prozent auf knapp 340 Millionen Euro eingebrochen.

Zudem fuhr der Motorenhersteller im ersten Quartal einen Verlust vor Zinsen, Steuern und Sondereffekten („Ebit vor Sondereffekten“) von 11,8 Millionen Euro ein. Im vergleichbaren Vorjahreszeitraum erzielte Deutz noch ein Plus beim Ebit vor Sondereffekten von 25,1 Millionen Euro. Die Zahlen für das zweite Quartal legt Deutz erst in der kommenden Woche vor.

Um die Liquidität zu schonen, hat Deutz die Dividendenzahlung in diesem Jahr ausgesetzt. Zudem haben die Kölner einen KfW-Kredit in Höhe von rund 150 Millionen Euro beantragt, wie Vorstandschef Hiller im Juni dem „Handelsblatt“ sagte. Die Linie sei aber nur als Reserve gedacht, sollte sich die gesamtwirtschaftliche Lage weiter eintrüben, so der CEO weiter.

olivia.harder[at]finance-magazin.de

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