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Ex-Nordex CFO Burkhard geht zu Wacker Neuson

Christoph Burkhard wird neuer CFO bei Wacker Neuson.
Wacker Neuson

Von Hamburg nach München – für Christoph Burkhard geht es einmal quer durch das Land. Der ehemalige Finanzchef des Windturbinenherstellers Nordex wird bei dem Hersteller von Baugeräten und Kompaktmaschinen Wacker Neuson als CFO anheuern. Er tritt seine Stelle zum 1. Juni an und wird die Ressorts Finanzen, Controlling & Risikomanagement, Revision, IT und Absatzfinanzierung verantworten.

Burkhard hatte Ende Februar das Hamburger Unternehmen verlassen. Zur Begründung hieß es damals, der 57-Jährige wolle „aus persönlichen Gründen“ Nordex verlassen und sich „künftig neuen beruflichen Herausforderungen stellen“. Allerdings war nicht bekannt, wohin genau es den Diplom-Kaufmann zieht.

In München wird Christoph Burkhard nun voraussichtlich alle Hände voll zu tun haben. Es gilt, dem Baumaschinenhersteller wieder auf die Beine zu helfen – denn das Unternehmen ist nicht nur wegen Corona unter Druck, sondern muss auch noch eine Führungskrise meistern.

Wacker Neuson seit Monaten mit Führungskrise

Ende November gab das Unternehmen bekannt, dass der damalige CEO und CTO Martin Lehner seinen Vertrag nicht verlängert und zum Ende des Jahres ausscheidet. Überraschend schmiss aber auch der damalige CFOWilfried Trepels hin – er verließ das Unternehmen binnen weniger Tage wegen „unterschiedlichen Auffassungen zur Unternehmensführung“, wie es damals hieß.

Kurt Helletzgruber, der Vorsitzende des Prüfungsausschusses im Aufsichtsrat von Wacker Neuson, hatte daraufhin erst im November den Posten des Finanzvorstandes und im Januar dann auch die Stelle des CEO interimistisch übernommen.

Die Abgänge der Führungsspitze setzten dem Baumaschinenhersteller in einer ohnehin schon durch die Coronakrise angeheizten Situation noch mehr zu. Neben Problemen in der Lieferkette und Unterbrechungen auf Baustellen litt das Unternehmen auch noch unter deutlich gestiegenen Beschaffungspreisen etwa für Stahl. Durch die weltweiten Schutzmaßnahmen zur Eindämmung der Viruspandemie verringerte sich der Umsatz im abgeschlossenen Geschäftsjahr 2020 um 15 Prozent auf 1,6 Milliarden Euro und das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) um 51 Prozent auf 75,5 Millionen Euro – das Nettoergebnis stürzte gar um 84 Prozent auf 14,1 Millionen Euro ab.

Für das aktuelle Geschäftsjahr zeigte sich der Konzern aber wieder zuversichtlicher, unter anderem liege der Auftragsbestand bereits deutlich über Vorjahr. Den Umsatz erwartet Wacker Neuson bei bis zu 1,8 Milliarden Euro. Das Augenmerk liegt nun auf der weiteren Steigerung der Profitabilität. „Die Wacker Neuson Group ist in den letzten Jahren stark gewachsen. Unsere Organisation ist in dieser Zeit ohne größere strukturelle Anpassungen mitgewachsen, was aus Effizienz- und Profitabilitätsgesichtspunkten nicht optimal war“, erkärte Helletzgruber bei der Vorlage der Zahlen.

Zum ersten Quartal zeigt sich bereits eine positive Entwicklung: Der Umsatz liegt nach vorläufigen und ungeprüften Zahlen mit 434 Millionen Euro über dem Vorjahreswert von knapp 411 Millionen Euro. Die Ebit-Marge ist von 7,2 auf 10 Prozent gestiegen.

FINANCE-Köpfe

Christoph Burkhard, Wacker Neuson SE

Christoph Burkhard startet seine Karriere als Analyst für die Europäische Kommission in Luxemburg, bevor er anschließend zur BHF Bank nach Frankfurt wechselt. Daran schließen sich Auslandsaufenthalte mit der BHF Bank in Tschechien (Prag) und für die Europäische Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (EBRD) in Russland (Samara und Togliatti) an. 1998 wechselt Burkhard zu Siemens Financial Services nach München, wo er sechs Jahre im Finanzbereich für die operativen Einheiten von Siemens Projekt- und Exportfinanzierungen strukturiert und verhandelt.

2004 übernimmt der Manager eine kaufmännische Führungsposition im Großprojektgeschäft des damaligen Siemens-Bereichs Mobile Networks. Anschließend wechselt Burkhard in die Konzernstrategie in der Siemens-Zentrale bevor er 2008 mit der Familie nach Hamburg zieht, um bei Siemens Wind Power als CFO der Region EMEA im Onshore Wind Geschäft zu starten. Ab 2011 übernimmt er dann als CFO die globale Verantwortung für das Offshore Wind Geschäft von Siemens. Im September 2016 tritt Burkhard die Stelle des Finanzvorstands bei dem Hamburger Windturbinenbauer Nordex an. Im Februar 2021 verlässt er den Windturbinenbauer auf eigenen Wunsch.

Ab Juni 2021 fängt Christoph Burkhard bei Wacker Neuson als CFO an.

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Diesen Trend fortzusetzen wird nun Aufgabe des neuen Managements sein – neben Christoph Burkhard als neuem CFO wurde auch bereits Ende März ein neuer Vorstandsvorsitzender für den Baugerätehersteller gefunden. Der promovierter Ingenieur Karl Tragl soll zeitgleich mit Christoph Burkhard ab 1. Juni am Münchener Hauptstandort von Wacker Neuson seine Tätigkeit aufnehmen.

CFO Burkhard erfahren im Working Capital Management

„Mit Herrn Burkhard haben wir einen im internationalen Umfeld sehr erfahrenen CFO gewonnen, der über ausgezeichnetes Know-how im Bereich Finanzierung und bei der Umsetzung globaler Transformationsprozesse verfügt", lässt sich Hans Neunteufel, Aufsichtsratsvorsitzender von Wacker Neuson, zitieren. „Daneben hat Herr Burkhard bereits seine Fähigkeit zu erfolgreichem und nachhaltigem Working Capital Management in einem global stark wachsenden Maschinenbauunternehmen unter Beweis gestellt – ein sehr wichtiges Thema auch für unseren Konzern“, so Neunteufel weiter.

Burkhard war seit September 2016 CFO bei Nordex. Anfang 2018 gelang ihm beispielsweise die Platzierung eines Green Bond in Höhe von 275 Millionen Euro in einem herausfordernden Umfeld. Er sicherte Nordex damit die Finanzierung, welche die Rückzahlung eines Schuldscheins ermöglichte. Im Sommer 2020 sicherte dem Unternehmen einen Konsortialkredit über 350 Millionen Euro aus einem Bürgschaftsprogramm der Bundesregierung. Im Dezember sammelte er über eine Kapitalerhöhung 200 Millionen Euro ein.

Vor seiner Zeit bei Nordex arbeitete er 18 Jahre lang in unterschiedlichen Positionen für Siemens, zuletzt als CFO für das Offshore Wind Geschäft von Siemens. Er studierte Volkswirtschaft und Betriebswirtschaft an den Universitäten Heidelberg und Tübingen und hält einen Master of Science der London School of Economics.

jan.schuermann[at]finance-magazin.de

Info

Was Christoph Burkhards vorherige berufliche Stationen waren, erfahren Sie auf seinem FINANCE-Köpfe-Profil.

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