M&A-Deals: KTG Agrar will sich jetzt auf sein Kerngeschäft fokussieren.

KTG Agrar

29.07.16
Deals

M&A-Deals: KTG Agrar, Osram, DBAG

Die insolvente KTG Agrar hat ihre Anteile an Bio-Zentrale Naturprodukte verkauft, Osram hat einen Käufer für sein Lampengeschäft gefunden und die DBAG legt einen Milliardenfonds auf. Diese und andere M&A-Deals finden Sie in unserem FINANCE-Wochenrückblick.

KTG Agrar verkauft Anteile an der Bio-Zentrale Naturprodukte

Der insolvente Agrarhändler KTG Agrar hat seine Beteiligung an dem Unternehmen Bio-Zentrale Naturprodukte veräußert. KTG Agrar erzielt mit dem Verkauf einen einstelligen Millionenbetrag. Der vorläufige Sachwalter und der vorläufige Gläubigerausschuss hatten dem Verkauf zugestimmt.

KTG Agrar will sich auf das Kerngeschäft konzentrieren. Dazu gehören der Anbau von Marktfrüchten und die Belieferung des Energiesektors. Anfang Juli meldetet KTG Agrar Insolvenz an. Der Konzern hatte die Gläubiger der fast 250 Millionen Euro schweren Anleihe zuletzt immer wieder vertröstet.

Osram verkauft Lampengeschäft für 400 Millionen Euro

Der Leuchtenhersteller Osram hat in China einen Käufer für sein Lampengeschäft Ledvance gefunden. Ein Konsortium aus dem chinesischen Lichtkonzern MLS sowie der Finanzinvestoren Yiwu und IDG zahlt über 400 Millionen Euro für den Geschäftsbereich.

Der Kaufpreis liegt überraschenderweise rund 100 Millionen Euro unter dem Buchwert. Allerdings übersteigt der Kaufpreis laut CEO Olaf Berlien die Erwartungen. Hinzu kommen Lizenzzahlungen, die die Wertminderung über die kommende Jahre ausgleichen könnten. Als Berater waren die Kanzleien Latham & Watkins unter Federführung von Rainer Traugott sowie Linklaters unter Leitung von Florian Harder für Osram tätig. Die Käuferseite wurde durch die Wirtschaftskanzlei Clifford Chance beraten, das Team leitete Stefanie Tetz.

DBAG legt Milliardenfonds auf

Die Deutsche Beteiligungs AG hat mit einem neuen Private-Equity-Fonds das Rekordvolumen von 1 Milliarde Euro eingeworben. Dabei stammen 800 Millionen Euro des DBAG Fund VII von externen Investoren, während die DBAG 200 Millionen Euro selbst investiert. Es ist der erste rein auf den deutschen M&A-Markt ausgerichtete PE-Fonds in dieser Größenordnung.

Der Finanzinvestor kann sich jetzt auf größere Übernahmeziele konzentrieren. Bis zu 200 Millionen Euro Eigenkapital kann die DBAG auf diese Weise in einzelne M&A-Targets investieren.

Global Fashion Group veräußert indische Tochter

Die Online-Modeplattform Global Fashion Group veräußert ihr indisches Tochterunternehmen Jabong, wie das Handelsblatt berichtete. Das Modeunternehmen gehe für rund 64 Millionen Euro an das Handelsunternehmen Flipkart. An GFG sind Rocket Internet und deren Großaktionär Kinnevik beteiligt.

Jabong erwirtschaftete in den zwölf Monaten bis März 2016 Verluste in Höhe von 56 Millionen Euro. Die verbleibenden Unternehmen der Global Fashion Group sind das russische Unternehmen Lamoda, Dafiti in Südamerika, Namshi im Mittleren Osten, das australische Unternehmen The Iconic und Zalora in Südostasien.

TA Associates will Amann Girrbach veräußern

Der PE-Investor TA Associates will sich von dem österreichischen Zahntechnikspezialisten Amann Girrbach trennen. Dafür will der US-Investor die Investmentbank Goldman Sachs als Verkaufsberater beauftragen, wie FINANCE aus Marktkreisen erfuhr. Allerdings gebe es zwei mögliche Verkaufsstrategien: entweder einen zeitnahen Verkauf oder aber eine strategische Transaktion im kommenden Jahr.

TA Associates hatte Amann Girrbach 2010 übernommen und den Umsatz von damals 46 Millionen Euro auf nunmehr rund 100 Millionen Euro in 2015 gesteigert, wie mit der Sache vertraute Personen gegenüber FINANCE sagten.

HeidelbergCement veräußert belgisches Geschäft von Italcementi

Der Baustoffkonzern HeidelbergCement plant laut dpa den Verkauf der belgischen Aktivitäten von Italcementi. Das Geschäft soll an den italienischen Wettbewerber Cementir Holding gehen. Der Wert des Geschäfts liegt bei 312 Millionen Euro.

HeidelbergCement will den M&A-Deal noch in der zweiten Jahreshälfte abschließen. Der Verkauf ist Teil der kartellrechtlichen Auflagen im Rahmen der Übernahme von Italcementi durch HeidelbergCement.

Daimler schafft größtes europäisches Taxi-Netzwerk

Der Autobauer Daimler treibt das Geschäft mit Mobilitätslösungen voran und führt sein Tochterunternehmen Mytaxi mit der britischen Taxi-App Hailo zusammen. Durch die Fusion entsteht das größte Taxi-Netzwerk Europas, wie die Unternehmen mitteilten.

Das Unternehmen soll als Mytaxi geführt werden und wird seinen Sitz in Hamburg haben. Die Kartellbehörden müssen dem Deal noch zustimmen. Daimler will auch in Zukunft in Mobilitätsangebote investieren.

BPCE übernimmt Münchener Fintech Fidor

Die französischen Volksbanken kaufen die Internetbank Fidor, die als Vorreiter der Digitalisierung des Bankgeschäfts gilt. Die Bankengruppe BPCE will mit dem M&A-Deal ihre digitale Transformation vorantreiben, während Fidor sich die erforderlichen Mittel für weiteres Wachstum erhofft. Was BPCE für das Münchener Fintech zahlt, ist nicht offiziell bekannt. Am Markt wird jedoch ein Preis über 100 Millionen Euro kolportiert.

M&A-Personalien

Die Vereinigung Deutscher M&A-Berater (VMA) wächst nicht so wie geplant. Der Verband stagniert nach 18 Monaten bei fünf Mitgliedern. Von den fünf Gründungsmitgliedern sind nur noch Markus Partners und Perspektiv an Bord, während die ursprünglich beteiligten Beratungshäuser C. H. Reynolds Corporate Finance, Hübner Schlösser & Cie sowie Angermann M&A International wieder aus dem Verband ausgetreten sind. Ihre Nachfolger sind die kleineren Boutiquen Delphi Advisors, Mayerhöfer & Co und Proventis Partners.

Weitere M&A-Deals

Der Finanzinvestor EQT will einem Bericht des Spiegels zufolge Teile der ehemaligen Bilfinger-Sparte Bau- und Gebäudedienstleistungen verkaufen. Dazu gehören laut Spiegel die Bereiche, die mit dem Bau großer Geschäfts- und Bürohäuser zu tun haben. Die Deutsche Bank sei mit der Suche potenzieller Käufer beauftragt.

Der Zementkonzern LafargeHolcim verkauft sein Geschäft in Sri Lanka. Die Beteiligung an Holcim Lanka, dem führenden Zementhersteller des Landes, hat einen Unternehmenswert von 400 Millionen US-Dollar. Käufer ist Siam City Cement. Der Verkauf soll im dritten Quartal abgeschlossen werden.

Der PE-Investor Steadfast Capital beteiligt sich über seinen Steadfast Capital Fund III an dem Unternehmen Guntermann & Drunck, das auf Systementwicklung spezialisiert ist. Die Finanzierung für die Transaktion stellt die NordLB bereit. Der Kaufpreis ist nicht bekannt.

Das Softwareunternehmen Nemetschek übernimmt für rund 42 Millionen Euro das US-Unternehmen Design Data, das Bausoftware für Stahlkonstruktionen anbietet. Design Data hat in dem Bereich nach Unternehmensangaben einen Marktanteil von 45 Prozent in den USA und erwartet für das vergangene Geschäftsjahr einen Umsatz von rund 9 Millionen Euro. Zusätzlich zum Kaufpreis zahlt Nemetschek abhängig von der Umsatzsteigerung und Profitabilität 2018 eine Earn-Out-Komponente von voraussichtlich etwa 2,2 Millionen Euro.

Der auf Hörgeräteakustik spezialisierte italienische Konzern Amplifon hat über sein deutsches Tochterunternehmen Amplifon Deutschland die Mehrheit an Focus Hören erworben. Verkäufer sind die Unternehmensgründer Thomas Stinnesbeck und Peter Ruwe sowie ein Beteiligungsunternehmen der österreichischen Neuroth-Gruppe, die zusammen rund 98 Prozent gehalten haben. Der Umsatz von Focus Hören belief sich 2015 auf rund 11 Millionen Euro. Als Berater hat die Verkäuferseite das mittelständische Beratungsunternehmen DHPG unter Federführung von Andreas Rohde mandatiert. Der M&A-Deal muss noch von den Kartellbehörden freigegeben werden.

Der Chemiekonzern BASF will sich nicht von seinem Agrarchemiegeschäft trennen, wie die Nachrichtenagentur Dow Jones berichtete. Das Unternehmen wies Gerüchte über einen möglichen Verkauf der Pflanzenschutzsparte zurück. Zuletzt hieß es, dass Monsanto, den Bayer übernehmen will, erneut bei BASF angeklopft habe, um die Pflanzenschutzsparte von BASF zu kaufen.

Das Pharmaunternehmen Acino International sein Geschäft mit transdermalen Pflastern an die Luye Pharma Group veräußert. Dabei wurde das Schweizer Unternehmen durch die Wirtschaftskanzlei Clifford Chance beraten. Der M&A-Deal soll zum Jahresende abgeschlossen werden.

Das Naturkosmetikunternehmen Dr. Förster hat von der Wagner Holding, VR Equitypartner und deren Industriebeirat Thomas Hübner Wachstumskapital erhalten. Zudem hat das Konsortium sämtliche Anteile aus der Frühfinanzierung übernommen und hält somit die Mehrheit. Björn Witte und Frank Riedel haben als Vorstände ihre Beteiligung ebenfalls ausgebaut. Die Wagner Holding hatte IMAP unter Leitung von Peter Koch als Berater mandatiert.

Das Münchener Medienunternehmen S&L Medien erwägt die Übernahme von Berliner Synchron. Eine Entscheidung wurde jedoch noch nicht getroffen. Das Synchronunternehmen gehört derzeit noch dem insolventen Unternehmen Cinemedia Audiovision.

Eine Investorengruppe um den Schweizer Manager Jean Jacober hat das insolvente Modeunternehmen Zero übernommen. Die Käuferseite wurde durch McDermott Will & Emery unter Federführung von Matthias Kampshoff und Uwe Goetker beraten. Die Insolvenzverwalter von Zero, Malte Köster von der Kanzlei Willmer Köster und Tim Beyer von Schultze & Braun, wurden durch die Kanzleien Görg unter Leitung von Christian Wolf und Schultze & Braun beraten.

Die Bitburger Holding hat sämtliche Anteile des Schraubwerkzeugspezialisten Wera übernommen. Verkauft wurden die Anteile von der Gründerfamilie. Als Berater war IMAP für Wera tätig.

Der SRH-Konzern, der Krankenhäuser und Hochschulen betreibt, übernimmt die private Hochschule European Business School, wie die F.A.Z. berichtete. SRH will als neuer Eigentümer einige Veränderungen vornehmen. Die Hochschule wird von der Wirtschaftskanzlei Hogan Lovells unter Leitung von Volker Geyrhalter beraten.

julia.schmitt[at]finance-magazin.de

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