Nach dem Eingang mehrerer Interessensbekundungen: Qiagen überprüft nun mögliche „strategische Alternativen“.

Qiagen

22.11.19
Deals

M&A-Deals: Qiagen, Thomas Cook, Roche

Qiagen wird zum regelrechten M&A-Target, Thomas Cook kehrt zu seinen Wurzeln zurück, und Roche kauft in den USA zu: Die spannendsten M&A-Deals der Woche finden Sie in unserem FINANCE-Rückblick.

Bieterkampf um Qiagen?

Das Werben um Qiagen ist eröffnet: Gleich mehrere M&A-Interessenten buhlen um eine Übernahme des deutsch-niederländischen Biotech-Unternehmens. Dem Hildener Konzern liegen eigenen Angaben zufolge „mehrere nicht verbindliche und unter Bedingungen stehende Interessensbekundungen“ vor. Dabei hätten die Interessenten die Absicht, sämtliche ausgegebene Qiagen-Aktien zu erwerben. Qiagen zufolge ist es aktuell jedoch noch nicht absehbar, ob die Gespräche mit den Interessenten auch tatsächlich zu einem angemessenen Angebot führen.

Dennoch müsste ein Käufer für die Übernahme des Biotech-Unternehmens tief in die Tasche greifen: Inklusive der Nettofinanzschulden von 963 Millionen Dollar (871 Millionen Euro) kommt Qiagen allein auf Basis des Aktienkurses vom Montag, als die Übernahmeavancen bekannt wurden, auf einen Unternehmenswert von fast 9,5 Milliarden Euro.

Medienberichten zufolge werden neben dem US-Technologiekonzern Thermo Fisher auch der Pharmakonzern Roche, der US-Gensequenzierungs-Spezialist Illumina oder Diagnostika-Anbieter wie Danaher, Abbott oder Siemens Healthineers als Kaufinteressenten gehandelt. Dass Qiagen nun zur M&A-Zielscheibe geworden ist, liegt unter anderem an verfehlten Wachstumszielen sowie dem daraus resultierenden Einbruch des Aktienkurses und dem Abgang des Konzernchefs Peer Schatz.

Galeria Karstadt Kaufhof kauft Teile an Thomas Cook

Die Zerschlagung der deutschen Thomas Cook geht in die nächste Runde: Die Warenhauskette Galeria Karstadt Kaufhof sichert sich 106 Reisebüros der deutschen Touristikgesellschaft, hinter der die insolvente, britische Konzernmutter Thomas Cook steht. Zudem erwerben die Kölner, die sich seit Juni dieses Jahres vollständig im Besitz der österreichischen Signa-Gruppe befinden, die Reise-E-Commerce-Plattform „Golden Gate“. Damit kehrt Thomas Cook zurück zu seinen Wurzeln: Noch bevor der Reisekonzern unabhängig wurde, gehörte er zur Karstadt-Mutter Arcandor.

Ein Kaufpreis wurde nicht genannt, der Deal steht noch unter Vorbehalt der Zustimmung des Gläubigerausschusses und der Kartellbehörden. Galeria zufolge werden so insgesamt mehr als 500 Arbeitsplätze gesichert. Die Verkäuferseite wurde bei dem Deal von der Kanzlei Noerr (Federführung: Florian Becker) beraten. Signa wurde bei dem Kauf von der Anwaltssozietät McDermott (Federführung: Matthias Kampshoff und Marc Oberhardt) begleitet.

Zudem gehen weitere Teile der deutschen Thomas Cook an Anex Tour über: Der türkische Reiseveranstalter erwirbt den Türkeispezialisten Öger Tours und den Last-Minute-Anbieter Bucher Reisen, wie die vorläufigen Insolvenzverwalter mitteilten. Demnach würden alle 84 Mitarbeiter an den beiden Unternehmensstandorten in Hamburg und Meerbusch übernommen. Der Kaufpreis ist nicht bekannt.

Auch die Hotelmarke Sentido sowie die Reisebüro-Franchisemarke Holiday Land haben mit DER Touristik einen Käufer gefunden. Allerdings müssen andere Thomas-Cook-Bereiche geschlossen werden: Neckermann Reisen, Air Marin und Thomas Cook Signature stellen ihren Geschäftsbetrieb in den kommenden Wochen ein.

Roche kauft US-Biotechfirma Promedior

Roche kauft in den USA zu: Wie die Nachrichtenagentur „Dpa“ schreibt, übernimmt der Schweizer Pharmariese die Biotechfirma Promedior für bis zu 1,4 Milliarden US-Dollar (umgerechnet 1,26 Milliarden Euro). Zunächst bezahlen die Schweizer 390 Millionen US-Dollar in bar – später könnten dem US-Konzern weitere Zahlungen in Höhe von bis zu 1 Milliarde Dollar zufließen. Die Höhe dieses Betrages ist abhängig vom Erreichen bestimmter Ziele bei der Zulassung eines von Promedior entwickelten Wirkstoffes gegen die Lungenkrankheit IPF.

Aroundtown mit konkreter Offerte für TLG

Aroundtown und TLG treiben ihre geplante Milliardenfusion voran: Die beiden Immobilienkonzerne hatten sich bereits Ende Oktober auf die Eckpunkte des Deals geeinigt – nun legt Aroundtown ein konkretes Angebot für seinen Wettbewerber vor. Die Luxemburger bieten den TLG-Aktionären je Aktie 3,6 Aroundtown-Papiere aus einer Kapitalerhöhung an. Das entspricht einem Angebotspreis von 27,66 Euro je TLG-Aktie und einer Bewertung des Eigenkapitals der Berliner mit rund 3,1 Milliarden Euro.

Für das Angebot sei „voraussichtlich“ keine Mindestannahmeschwelle vorgesehen. Zudem verpflichte sich die größte TLG-Aktionärin, die vom israelischen Investor Amir Dayan kontrollierte Ouram Holding, ihre Beteiligung von rund 28 Prozent „unter bestimmten Bedingungen“ anzudienen. Die endgültigen und rechtlich verbindlichen Bedingungen des Angebots wollen beide Unternehmen noch bekanntgeben. Der Abschluss des Deals soll dann im ersten Quartal 2020 erfolgen. Aroundtown wurde finanziell von JP Morgan, der Deutschen Bank, Kempen und Victoria Partners beraten. Rechtlich wurden die Luxemburger von Taylor Wessing und GSK Stockman unterstützt. TLG mandatierte Goldman Sachs, Kempen und UBS als Finanzberater sowie Sullivan & Cromwell als Rechtsberater.

Weitere Meldungen

Auch Tegut will einige Real-Märkte übernehmen: Wie die Nachrichtenagentur „Reuters“ berichtet, will die Einzelhandelskette sieben Filialen von der Mutter Metro kaufen. Die Pläne seien bereits beim Bundeskartellamt angemeldet. Anfang dieses Monats hatte der Wettbewerber Edeka bereits angekündigt, 87 Real-Märkte kaufen zu wollen. Aktuell führt Metro mit dem Immobilieninvestor Redos Verhandlungen über den Verkauf von Real. Redos will jedoch nur einen Teil der Filialen behalten und weiterführen. Diese Gespräche soll der Immobilieninvestor X+bricks zudem erneut stören: Reuters zufolge hat X+bricks sein Angebot vom Juli nochmals aufgebessert. Nähere Details sind nicht bekannt.

Heidelberger Druckmaschinen veräußert die Lackproduktion „Hi-Tech Coatings“ an die US-amerikanische ICP Group. Für die Sparte bezahlt ICP einen Kaufpreis von 38,5 Millionen Euro. Heideldruck erwartet dadurch einen Einmalertrag von 20 Millionen Euro, den die Heidelberger für „strategische Zukunftsinvestitionen“ nutzen möchten. Der Deal soll vorbehaltlich üblicher Vollzugsbedingungen noch in diesem Jahr abgeschlossen werden. Den Geschäftsbereich will ICP im Rahmen einer Post Merger Integration in seinen Bereich „Industrial Solutions“ integrieren.

Coty übernimmt die Mehrheit an dem Kosmetikunternehmen von Kylie Jenner. Wie der von der deutschen Milliardärsfamilie Reimann kontrollierte US-Kosmetikriese bekanntgab, bezahlen die Amerikaner 600 Millionen US-Dollar für 51 Prozent der Anteile an der Kosmetikmarke des Reality-TV-Stars. In den vergangenen zwölf Monaten erwirtschaftete Kylie Cosmetics rund 180 Millionen US-Dollar (umgerechnet 163 Millionen Euro). Demnach bewertet Coty das Unternehmen laut „ARD-Börse“ mit 1,2 Milliarden US-Dollar (1 Milliarde Euro). Die Transaktion soll im dritten Quartal 2020 abgeschlossen werden. Coty wurde bei dem Deal von der US-Beratung Tiger Chark unterstützt. Zu Coty gehören unter anderem Make-Up-Marken wie Max Factor und Bourjois Paris – zuletzt stellte Coty die Haarpflegemarke Wella ins Schaufenster.

Der ProSiebenSat.1-Großaktionär Mediaset könnte seinen Anteil an dem Münchener Fernsehkonzern auf rund 20 Prozent erhöhen. Wie Mediaset-CFO Marco Giordani der Nachrichtenagentur „Reuters“ sagte, handelt es sich trotzdem um ein „defensives” Investment, und Mediaset verfolgt kein Übernahmeangebot. Zudem soll sich ProSiebenSat.1 dem Finanzchef zufolge an der neuen Mediaset-Dachgesellschaft Media For Europe (MFE) beteiligen. ProSieben-Chef Max Conze hat diesbezüglich jedoch keine formelle Anfrage von Mediaset erhalten, so der Bericht weiter. Erst vergangene Woche hatten die Italiener ihren Anteil an ProSiebenSat.1 von 9,6 auf 15,1 Prozent erhöht.

BASF erwirbt Sculpteo: Die Ludwigshafener kaufen über ihre Tochter BASF New Business den französischen 3D-Druck-Dienstleister mit Standorten in Paris und San Francisco. Finanzielle Transaktionsdetails sind nicht bekannt. Von der Übernahme soll das Tochterunternehmen BASF 3D Solutions profitieren, beispielsweise durch die schnellere Einführung neuer Materialien im Bereich des industriellen 3D-Drucks.

Kone will im Bieterrennen um die Aufzugssparte von ThyssenKrupp überzeugen: Wie die Nachrichtenagentur „Reuters“ unter Berufung auf Insider berichtet, wollen die Finnen ThyssenKrupp offenbar mit einer Vorabzahlung in Höhe von 3 Milliarden Euro locken, um den Zugschlag für eine Übernahme zu erhalten. Kone ist als Stratege – im Gegensatz zu bietenden Finanzinvestoren – im Nachteil, da die Finnen bei einer Übernahme der Essener Ertragsperle vermutlich eine langwierige Prüfung der Kartellbehörden erwartet. Sollte Kone den Zuschlag und die nötigen Kartellfreigaben erhalten, wird die Vorabzahlung mit dem finalen Kaufpreis verrechnet. Scheitert der Deal, dürfte ThyssenKrupp die Zahlung als Ausfallprämie („Break-up-fee“) behalten.

Die Deutsche Börse buhlt angeblich um die Börse Madrid (BME): Wie die Nachrichtenagentur „Reuters“ unter Berufung auf die spanische Wirtschaftszeitung „La Expansion“ berichtet, sind die Überlegungen der Frankfurter noch in einem frühen Stadium. Der spanischen Zeitung „Cinco Dias“ zufolge könnte auch die Hongkonger Börse in den milliardenschweren Bieterkampf einsteigen. Die Schweizer Börse SIX bietet über 2,8 Milliarden Euro für die BME, und auch die Mehrländerbörse Euronext ist noch im Bieterrennen.

Merck erwägt offenbar den Verkauf seines Pigmentgeschäfts. Dies berichtet die Zeitung „Die Welt“ unter Berufung auf unterrichtete Kreise. Der Pharmakonzern habe sich mit Finanzberatern und potenziellen Bietern getroffen, um das Interesse an dem Geschäft auszuloten. Die Sparte der Darmstädter habe einen Wert von bis zu 1,5 Milliarden Euro. Die Überlegungen befänden sich allerdings noch in einem frühen Stadium und es sei ungewiss, ob es zu einer Transaktion kommt.

Kemper und Reinert bekommen grünes Licht für ihre geplante Fusion: Mit der Zustimmung des Bundeskartellamts werden sich die beiden Familienunternehmen unter dem Namen „The Family Butchers“ zum zweitgrößten Fleischwarenhersteller Deutschlands zusammenschließen. Nach Angaben der Wettbewerbsbehörde käme das Gemeinschaftsunternehmen lediglich auf Marktanteile zwischen 10 und 20 Prozent.

Der Logistikkonzern Kühne + Nagel übernimmt die Land- und Logistikaktivitäten seines niederländischen Konkurrenten Rotra. Die Seefracht- und Luftfrachtaktivitäten sowie die Containerterminalaktivitäten verbleiben bei den bisherigen Eigentümern. Finanzielle Transaktionsdetails sind nicht bekannt. Der Zukauf dient dem Ausbau des europäischen Landnetzes der Schweizer. Das Familienunternehmen beschäftigt Kühne + Nagel zufolge rund 800 Mitarbeiter und erzielte einen Jahresnettoumsatz von über 100 Millionen Euro.

Der Schweizer Aromen- und Duftstoff-Hersteller Firmenich übernimmt die CO2-Extraktionssparte des Spezialchemiekonzerns Evonik. Mit dem Zukauf will Firmenich der wachsenden Kundennachfrage nach authentischen, natürlichen Geschmacks- und Dufterlebnissen besser nachkommen. Weitere Transaktionsdetails werden nicht genannt. Firmenich erwirtschaftete zuletzt einen Umsatz von 3,9 Milliarden Schweizer Franken (umgerechnet 3,6 Milliarden Euro). Die Schweizer wurden bei dem Deal von der Kanzlei Noerr (Federführung: Gerald Reger und Georg Langheld) unterstützt.

HQ Equita kauft ein Add-on für sein Portfoliounternehmen Fawema: Die Beteiligungsgesellschaft erwirbt die Mehrheit an dem Verpackungsmaschinenhersteller Wolf. Wie die Bad Homburger mitteilten, bleiben die Familie Wolf und weitere Investoren an dem Unternehmen mit Sitz in Lich-Birklar beteiligt. Über den Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart. Mit dem Zukauf will HQ Equita die Plattforminvestition „The Packaging Group“ stärken, zu der neben Fawema auch das Portfoliounternehmen HDG gehört. Bei der Transaktion wurde Wolf von cf:M, Taxes und EGW Law beraten. Für HQ Equita waren Alantra, Ebner Stolz, Munich Strategy Group, Watson Farley & Williams, Hendersen Taxand, Eiger Law, ERM und MSLAW tätig.

Circomp wechselt in die USA: Der Hersteller von Hochleistungsfaserverbundwerkstoffen geht an Albany International, ein an der New Yorker Börse gelistetes Industriegüterunternehmen. Circomp mit Sitz in Kaiserslautern fertigt unter anderen Flugzeugkomponenten und fügt sich daher gut in das Portofolio von Albany ein, die unter anderem Bauteile für die Luftfahrt entwickeln und herstellen. Finanzielle Transaktionsdetails sind nicht bekannt. Der Geschäftsführer von Circomp, Ralph Funck, wurde bei dem Deal von der M&A-Beratung IMAP (Federführung: Torsten Denker und Martin Michalek) unterstützt.

olivia.harder[at]finance-magazin.de

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