Siemens lässt sich den spanischen Burgfrieden bei Gamesa 1,1 Milliarden Euro kosten.

Siemens AG

07.02.20
Deals

M&A-Deals: Siemens, Evonik, Mutares

Siemens kauft bei Gamesa den widerspenstigen Partner Iberdrola heraus, Evonik gelingt endlich die Peroxychem-Übernahme, und Mutares kauft weiter munter zu. Die spannendsten M&A-Deals der Woche finden Sie in unserem FINANCE-Rückblick.

Siemens kauft Iberdrola aus Gamesa heraus

Siemens drängt Iberdrola aus der gemeinsamen Tochter Gamesa raus: Die Münchener übernehmen für 1,1 Milliarden Euro die restlichen Anteile des spanischen Energieversorgers. Für die 8,1 Prozent zahlt Siemens 20 Euro je Aktie – das entspricht einer Prämie von 32 Prozent auf den durchschnittlichen Aktienkurs der letzten 30 Handelstage. Nach der Aufstockung verfügt Siemens nun über rund 67 Prozent der Stimmrechte, der Rest befindet sich im Streubesitz – trotzdem sei Siemens zufolge kein verpflichtendes Übernahmeangebot an die übrigen Aktionäre angedacht.

Grund für den teuren Zukauf: Siemens und Iberdrola lagen schon länger im Rechtsstreit, weil Iberdrola unzufrieden mit den Machtverhältnissen bei der gemeinsamen Windkrafttochter war. Die Rechtstreitigkeiten würden laut Siemens nun beigelegt. Komplett gekappt wird die Verbindung Iberdrola zu Gamesa aber nicht: Die drei Parteien haben ein Kooperationsabkommen unterzeichnet, von dem sich Siemens jährliche Synergieeffekte in Höhe von bis zu 100 Millionen Euro erhofft.

Evonik bekommt grünes Licht für US-Deal

Gute Nachrichten für Evonik: Nach langem Tauziehen mit den Kartellbehörden darf der Spezialchemiekonzern den US-Chemiehersteller Peroxychem übernehmen. Verkäufer ist der Finanzinvestor One Equity Partners, dem durch den M&A-Deal 640 Millionen US-Dollar (knapp 580 Millionen Euro) zufließen. Die US-Wettbewerbsbehörde Federal Trade Commission (FTC) hatte im Sommer vergangenen Jahres eine Klage gegen die Übernahme eingereicht. Diese wurde nun vom zuständigen Gericht in Washington D.C. abgewiesen. Peroxychem werde nun unverzüglich in das Evonik-Segment Resource Efficiency integriert, so der MDax-Konzern.

Mutares mit zwei Zukäufen in Italien

Mutares schlägt diese Woche gleich zweimal zu: Der Münchener Finanzinvestor erwirbt das italienische Geschäft der Tekfor-Gruppe, einem Hersteller von Automobilkomponenten. Wie der Turnaround-Investor mitteilte, soll das Unternehmen künftig unter dem Namen „Primotecs“ firmieren. Über den Kaufpreis wurden keine Angaben gemacht. Den Münchenern zufolge erwartet Primotecs für das Geschäftsjahr 2020 einen Umsatz von rund 120 Millionen Euro.

Zudem übernimmt Mutares den italienischen Druckkomponenten-Produzenten Loterios. Der Zukauf dient als strategisches Add-on für Balcke-Dürr, einem auf die Herstellung von Wärmetauschern spezialisierten Portfoliounternehmen von Mutares. Auch hier ist der Kaufpreis nicht bekannt. Nach Angaben der Münchener erzielte Loterios 2019 mit rund 70 Mitarbeitern einen Umsatz von 17 Millionen Euro.

Die börsennotierte Beteiligungsgesellschaft nimmt damit auch in 2020 den Fuß nicht vom Gas. Im vergangenen Jahr hatte Mutares bereits zehn Unternehmen oder Unternehmensteile übernommen – niemals zuvor waren es mehr. Um die M&A-Agenda zu finanzieren, begab Mutares Anfang des Jahres eine 50 Millionen Euro schwere Anleihe.

Tui mit Milliarden-Deal im Kreuzfahrtgeschäft

Der Touristikkonzern Tui stellt sich im Kreuzfahrtgeschäft neu auf und bringt seine 100-prozentige Kreuzfahrttochter Hapag-Lloyd Cruises in Tui Cruises ein. Tui Cruises ist ein Gemeinschaftsunternehmen, das zu gleichen Teilen Tui und dem Kreuzfahrtgiganten Royal Caribbean Cruises gehört.

Der Transaktionswert belaufe sich auf 1,2 Milliarden Euro, ohne Nettofinanzschulden. Tui erwartet bei der Transaktion nur einen Netto-Barmittelabfluss von rund 700 Millionen Euro. Dieser Betrag enthalte eine erfolgsabhängige Earn-out-Klausel von 63 Millionen Euro.

Hapag-Lloyd Cruises setzte zuletzt 305 Millionen Euro um und verdiente vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) 43 Millionen Euro. Für das Geschäftsjahr 2020 erwartet das Unternehmen ein Ebitda von 90 Millionen Euro. Die Synergien dieser Transaktion seien darin noch nicht eingerechnet.

Weitere Meldungen

Die Deutsche Bank hat einen neuen Großaktionär. Die US-amerikanische Investmentfirma Capital Group hat sich mit 3,1 Prozent an der Deutschen Bank beteiligt. Das Aktienpaket ist 64 Millionen Euro wert, wie aus einer Stimmrechtsmitteilung hervorgeht. Die Aktie legte daraufhin um über 10 Prozent zu und nähert sich so langsam wieder der 10-Euro-Marke.


Der österreichische Investor Rene Benko mit seiner Signa-Gruppe übernimmt zusammen mit der thailändischen Central Group die Warenhauskette Globus von dem Schweizer Einzelhandelsriesen Migros. Der Kaufpreis für die Kette und verschiedenen Immobilien soll Medienberichten zufolge mehr als 1 Milliarde Schweizer Franken (rund 900 Millionen Euro) betragen. Die Käufer wurden beider Transaktion von FAS (Federführung: Nils Klamar und Marcel Schall) begleitet.

Private-Equity-Deal in der Fitnessbranche: Der britische Freizeitkonzern David Lloyd Leisure übernimmt Meridian Spa & Fitness und bewertet das deutsche Unternehmen dabei nach FINANCE-Informationen mit einem hohen zweistelligen Millionenbetrag. Verkäufer von Meridian ist der Münchener Private-Equity-Investor Afinum. Hinter David Lloyd Leisure steht der britische Finanzinvestor TDR Capital. Die Briten wurden bei dem Deal von Linklaters (Federführung: Christopher Kellett und Will Aitken-Davies) beraten.

Die Compu Group Medical übernimmt von dem US-amerikanischen Gesundheitstechnologiekonzern Cerner einen Teil von dessen IT-Healthcare-Portfolios. Wie das börsennotierte Software-Unternehmen aus Koblenz mitteilte, liegt der Kaufpreis für das Portfolio bei 225 Millionen Euro. Die betroffenen Unternehmensteile sollen 2019 laut Compu Group Medial 74 Millionen Euro umgesetzt und vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) 13 Millionen Euro verdient haben. Cerner wurde bei dem Deal von der Kanzlei Latham & Watkins (Federführung: Natalie Daghles) beraten.

Der Technologiekonzern Heraeus übernimmt den Dresdner Medizintechnikhersteller Contract Medical International (CMI) und nutzt dafür seine eigene Beteiligungsgesellschaft. Über den Kaufpreis ist nichts bekannt. CMI wurde beim Verkauf von P+P Pöllath+Partners (Federführung: Christian Tonies) beraten. Heraeus wurde von der Kanzlei Rittershaus (Federführung: Moritz Weber) unterstützt.

Die Kölner Mediengruppe Du Mont hat die Hamburger Morgenpost Medien (Mopo) an den Wirtschaftsingenieur und Digitalmanager Arist von Harpe verkauft. Dieser will das Blatt nach Angaben der Mopo neu aufstellen. Du Mont hatte die Mopo im Jahr 2009 übernommen. Der Kaufpreis wurde nicht genannt.

Die Allianz trennt gibt die Mehrheit an ihrem Lebensversicherungsgeschäft in Japan ab: Wie der Dax-Konzern mitteilte, werden 60 Prozent der Anteile an der Allianz Life Insurance Japan an den Finanzdienstleister Aeon Financial Service verkauft. Dem Bericht zufolge wollen die beiden neuen Partner in dem gemeinsamen Unternehmen Lebens- und Krankenversicherungsprodukte für den japanischen Markt entwickeln, die über den Vertrieb von Aeon verkauft werden sollen.

PwC Deutschland übernimmt IXDS: Die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft stärke mit der Übernahme der Innovationsagentur nach eigener Aussage das Angebot ihrer Experience-Center-Teams in Frankfurt am Main und Düsseldorf. In diesen Zentren will PwC die digitalen Lösungen von morgen entwickeln. Finanzielle Transaktionsdetails sind nicht bekannt. IXDS beschäftigt 50 Mitarbeiter an den Standorten Berlin und München.

Die Münchener Beteiligungsgesellschaft Aurelius übernimmt die Unternehmensbereiche „Renewable Power Systems“ (RPS) und „Schutzrelais“ von dem US-Unternehmen Woodward. Der Kaufpreis für die in Kempen ansässigen Unternehmensbereiche ist nicht bekannt. Die Transaktion unterliegt noch den kartellrechtliche Genehmigungen und soll in den nächsten Monaten abgeschlossen werden. RPS stellt Frequenzumrichter sowie andere Komponenten für Windenergienanlagen her. Nach Angaben von Aurelius erzielten die Bereiche mit rund 410 Mitarbeitern im Geschäftsjahr 2019 einen Umsatz von rund 80 Millionen US-Dollar (rund 72 Millionen Euro). Aurelius wurde bei dem Deal von der Wirtschaftskanzlei Noerr (Federführung: Laurenz Tholen und Christian Pleister) beraten.

Die Kölner IT-Beratung Sinopsis wird an iS2 Intelligent Solution Services (iS2) verkauft, einem auf die Versicherungswirtschaft fokussierten Münchener Softwareanbieter. Finanzielle Transaktionsdetails sind nicht bekannt. Beide Unternehmen sollen als eigenständige Firmen bestehen bleiben. Künftig wird Sinopsis neben den beiden Gründern Dietmar Krischausky und Christoph Lankers auch von Andreas Wandelt geleitet, der Mitglied der Geschäftsleitung bei iS2 ist. Die M&A-Beratung Mayland hat die Sinopsis-Gesellschafter bei dem Deal begleitet.

Die in den Bereichen Automotive, Maschinenbau und technische Kunststofffertigung tätige Unternehmensgruppe Handtmann übernimmt die Inotec-Gruppe. Über den Kaufpreis für die auf Automatisierungslösungen für die Lebensmittelproduktion spezialisierte Unternehmensgruppe wurde Stillschweigen vereinbart. Inotec hat seinen Hauptsitz in Reutlingen und verfügt über Tochtergesellschaften in Tschechien sowie in Frankreich. Die Käuferseite wurde von der Wirtschaftskanzlei Rödl & Partner beraten.

Der europäische Textilhersteller MGC kauft seinen deutschen Konkurrenten Melchior Textil von der HOS-Gruppe. Zum Kaufpreis wurden keine Angaben gemacht. MGC ist ein Joint Venture der britischen Carrington Textiles und dem portugiesischen Textilhersteller TMG Acabamentos Texteis. PwC Legal (Federführung: Angelika Bartholomäi) hat MGC bei dem Deal unterstützt. HOS wurde von der Unternehmensberatung Wintergerst beraten.

philipp.habdank[at]finance-magazin.de

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