Der Arzneimittelkonzern Stada wird erneut am M&A-Markt aktiv.

Stada

28.02.20
Deals

M&A-Deals: Stada, Lufthansa, Sixt

Stada übernimmt 15 Marken von GSK, Lufthansa prüft offenbar die Übernahme von TAP Portugal, und der Exit von Sixt aus seiner Leasingtochter ist offiziell: Die spannendsten M&A-Deals der Woche finden Sie in unserem FINANCE-Rückblick.

Stada kauft britisches Medikamentenportfolio

Stada stärkt seine Position im Bereich Consumer Health mit einem Zukauf: Wie der Pharmakonzern aus Bad Vilbel mitteilte, übernimmt er 15 Markenprodukte des britischen Konkurrenten GlaxoSmithKline (GSK). Zum Kaufpreis machte Stada keine Angaben, Branchenkreisen zufolge soll er bei um die 300 Millionen Euro liegen. Das Medikamentenportfolio umfasst Marken in den Segmenten Erkältung und Grippe, Schmerz und Hautpflege – darunter das Erkältungsmedikament Coldrex, das Venenmittel Venoruton und das Vitaminpräparat Cetebe. Mit dem Abschluss der Transaktion rechnen die Bad Vilbeler im zweiten Quartal dieses Jahres.

Bereits im vergangenen Jahr erwarb Stada fünf Hautpflegeprodukte sowie ein Hustenmittel von GSK. Auch in Osteuropa kaufte Stada 2019 mehrmals zu: Der Arzneimittelhersteller hatte für rund 600 Millionen Euro das Consumer-Health-Geschäft des japanischen Konkurrenten Takeda übernommen, außerdem die tschechische Arzneifirma Walmark sowie das Pharmageschäft des ukrainischen Wettbewerbers Biopharma. Anfang Februar dieses Jahres kaufte Stada mehrere Vitaminprodukte auf den Philippinen. Hinter Stada stehen die Private-Equity-Investoren Bain und Cinven.

Steigt Lufthansa bei TAP Portugal ein?

Lufthansa und United Airlines prüfen offenbar den Einstieg bei TAP Portugal: Wie die „Süddeutsche Zeitung“ unter Berufung auf Informationen aus Unternehmenskreisen berichtete, erwägen die beiden Fluggesellschaften ernsthaft, den portugiesischen Wettbewerber zu übernehmen. Die Verhandlungen mit den aktuellen Eigentümern seien demnach noch nicht in der Endphase, daher könne sich das Verfahren noch hinziehen.

Derzeit hält der portugiesische Staat die Hälfte der Anteile an TAP Portugal. Der US-Airline-Unternehmer David Neeleman ist mit 45 Prozent beteiligt. Lufthansa, United und TAP arbeiten im Bündnis Star Alliance zusammen. Für den M&A-Deal spricht, dass die Lufthansa wichtige Strecken dieses Bündnisses behalten kann. Andernfalls könnten die Strecken an die offenbar ebenfalls an TAP interessierten Konkurrenten Delta Air Lines und Air France-KLM übergehen. Gegen eine Übernahme spricht, dass TAP ein Sanierungsfall ist: Im abgelaufenen Geschäftsjahr machten die Portugiesen bei einem Umsatz von 3,3 Milliarden Euro einen Nettoverlust von knapp 100 Millionen Euro.

Sixt: Leasingtochter-Exit in trockenen Tüchern

Der Exit aus Sixt Leasing ist offiziell: Sixt verkauft die 41,9-prozentige Beteiligung an seiner Leasingtochter an die Hyundai Capital Bank Europe, einem Joint-Venture der Santander Consumer Bank und der Hyundai Capital Services. Wie der Autovermieter aus Pullach bei München mitteilte, erhält er 18 Euro pro Aktie. Das entspricht einem Kaufpreis von rund 156 Millionen Euro und einer Prämie von rund 40,8 Prozent gegenüber dem Drei-Monats-Durchschnittskurs der Sixt-Leasing-Aktien.

Nach dem Verkauf will sich Sixt stärker auf sein Kerngeschäft mit der Autovermietung sowie auf seine digitalen Mobilitätsdienste konzentrieren. Der Käufer Hyundai Capital Bank Europe plant zudem, auch die restlichen Anteile an der Leasinggesellschaft zu erwerben. Im Rahmen eines freiwilligen öffentlichen Übernahmeangebots dürfen die restlichen Aktionäre ihre Papiere ebenfalls zum Preis von 18 Euro je Aktie andienen. Der komplette Deal ist dabei an eine Bedingung geknüpft: Die Hyundai Capital Bank Europe will mindestens 55 Prozent aller Aktien einsammeln – einschließlich der von Sixt verkauften Anteile. Somit müsste die Bank zusätzlich noch 10 Prozent der Stimmrechte bekommen. Die Parteien zeigen sich mit Blick auf den Abschluss des Deals aber zuversichtlich: Die Transaktion, die noch der üblichen Freigaben bedarf, soll im zweiten Halbjahr 2020 vollzogen werden.

ThyssenKrupp verkauft Aufzugsparte für 17 Milliarden

Gute Nachrichten für ThyssenKrupp: Der Industriekonzern hat seine Aufzugsparte „Elevator Technology“ für 17,2 Milliarden Euro verkauft. Wie der Konzern mitteilte, hat das Konsortium um die Private-Equity-Investoren Advent und Cinven sowie die RAG-Stiftung den Zuschlag bekommen. ThyssenKrupp will sich mit 1,25 Milliarden Euro am Aufzuggeschäft rückbeteiligen. Den Abschluss der Transaktion erwarten die Unternehmen bis zum Ende des laufenden Geschäftsjahres, der Deal steht noch unter dem Vorbehalt fusionskontrollrechtlicher Genehmigungen.

Advent, Cinven und die RAG-Stiftung haben sich dazu verpflichtet, weitreichende Standort- und Beschäftigungsgarantien zu gewährleisten. Zudem wird die Aufzugsparte als globaler Konzern weitergeführt, der Unternehmenssitz bleibt in Deutschland, heißt es in der Unternehmensmitteilung.

Die frischen finanziellen Mittel will ThyssenKrupp „in notwendigem Umfang zur Entschuldung und zur Senkung der Strukturkosten nutzen. Konkret sollen die Pensionsverpflichtungen des Unternehmens zum Teil ausfinanziert werden“. Weiterhin sollen die Erträge aus dem M&A-Deal zur „Weiterentwicklung der verbleibenden Geschäfte und des Portfolios eingesetzt werden“, teilen die Essener mit. Im Mai will der Konzern über die konkrete Mittelverwendung entscheiden. Die Käuferseite wurde bei dem Deal unter anderem von Kirkland & Ellis (Federführung: Benjamin Leyendecker und Philip Goj) und Allen & Overy beraten.

Weitere Meldungen

Uniper trennt sich von seinen Anteilen am Braunkohlekraftwerk Schkopau in Sachsen-Anhalt: Wie der Düsseldorfer Energieerzeuger mitteilte, wird die rund 58-prozentige Beteiligung am Kraftwerk an den Joint-Venture-Partner Saale Energie verkauft. Saale Energie ist eine Tochter des tschechischen Energieversorgers EPH, hinter dem der Investor Daniel Kretinsky steht. Finanzielle Transaktionsdetails sind nicht bekannt. Saale Energie hält derzeit bereits die restlichen rund 42 Prozent an Schkopau. Die Übernahme der Uniper-Anteile sowie der rund 150 Mitarbeiter soll im Oktober 2021 wirksam werden. Die Anlage darf gemäß dem Kohleausstiegsgesetz noch bis 2034 laufen, so die Düsseldorfer. Mit dem Verkauf der Schkopau-Beteiligung steigt Uniper vollständig aus der Braunkohleverstromung in Europa aus. Das Bundeskartellamt muss der Transaktion noch zustimmen. EPH wurde bei dem Deal von der Kanzlei Hengeler Mueller beraten.

Evonik verringert seine Anteile an Borussia Dortmund: Wie aus einer Stimmrechtsmitteilung hervorgeht, senkt der Spezialchemiekonzern seine BVB-Beteiligung von fast 15 auf knapp 10 Prozent. Der Aktienverkauf bringt rund 35 Millionen Euro ein, zitiert die „Börsen-Zeitung“ einen Evonik-Sprecher. Das seien in etwa 15 Millionen Euro mehr als die Papiere beim Kauf 2014 gekostet hätten. Der Grund für den Rückzug von Evonik: Vergangene Woche wurde bekannt, dass die Essener als bisheriger Hauptsponsor des BVB ab der kommenden Saison nur noch die Trikots bei Pokalspielen sponsern sollen. Zweiter Sponsor ab der Saison 2020/21 soll das Telekommunikationsunternehmen 1&1 werden.

Nach drei Jahren ohne M&A-Deal hat Serrala nun wieder zugeschlagen: Das Hamburger Fintech übernimmt den niederländischen Software-as-a-Service-Anbieters Accept Easy mehrheitlich. Verkäufer sind die Accept-Easy-Gründer sowie das Managementteam. Der Unternehmenssitz bleibe in Amstelveen nahe Amsterdam, das Management werde nicht ausgetauscht. Derzeit beschäftigt Accept Easy 25 Mitarbeiter. Bei dem Deal wurde Serrala von EY (Financial Due Dilligence, Tax Due Dilligence), Lexence (Legal) und Intuitus (Tech Due Dilligence) beraten. Hinter Serrala steht der Private-Equity-Investor Waterland, der 2016 bei Serrala (ehemals Hanse Orga) eingestiegen war.

Covestro steigt bei dem französischen Tech-Start-up Crime Science Technology ein – und macht damit die Ankündigung aus dem vergangenen Monat wahr, bald zukaufen zu wollen. Mit dem Deal will der Chemiekonzern sein Geschäft mit Spezialfolien für Ausweisdokumente stärken. Die Transaktion ist eines der ersten Projekte im Rahmen der neuen Strategie zur Beteiligung an Start-ups. Die Höhe und den Preis der Investition gibt Covestro nicht bekannt. Für die Initialfinanzierung wollen die Leverkusener aber bis zu 5 Millionen Euro pro Vorhaben in die Hand nehmen.

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Provinzial Rheinland und Provinzial Nordwest konnten sich auf die Bedingungen ihrer geplanten Fusion einigen. Wie die Sparkassen-Versicherer mitteilten, haben sie sich über die jeweilige Bewertung, das Konzept des Zusammenschlusses sowie wichtige rechtliche Dokumente verständigt. Die Fusion soll rückwirkend zum 1. Januar dieses Jahres erfolgen. Durch den Zusammenschluss entsteht einer der zehn größten Versicherer Deutschlands mit einem Beitragsvolumen von über 6 Milliarden Euro. Die Pläne für die Fusion wurden bereits im Sommer 2018 bekannt.

Ringier Axel Springer Media schlägt zweimal auf dem polnischen Markt zu: Das Joint-Venture der beiden Medienunternehmen Ringier und Axel Springer kauft das polnische Rubrikenportal Gratka.pl vom bisherigen Eigentümer HKM. Der Kaufpreis ist nicht bekannt. Zudem beabsichtigt Ringier Axel Springer, ein Übernahmeangebot für MZN Property abzugeben. Der polnische Anbieter von Online-Diensten rund um Immobilien betreibt die Immobilienwebsite Morizon.pl sowie das Finanzportal Lendi.pl. Bereits über 64 Prozent der MZN-Property-Anteile sind dem Gemeinschaftsunternehmen bereits zugesagt worden, teilte das Unternehmen mit.

Six steigt bei Omniex ein: Wie die Schweizer Börse bekannt gab, übernimmt sie eine Beteiligung an der Handelsplattform für digitale Vermögenswerte. Die Partnerschaft soll den Six-Kunden einen standardisierten und sicheren Zugang zum Handel mit Kryptowährungen ermöglichen. Über die Höhe der Beteiligung haben die Unternehmen Stillschweigen vereinbart, zum Kaufpreis wurden keine Angaben gemacht.

olivia.harder[at]finance-magazin.de

Die wichtigsten Transaktionen der vergangenen Wochen finden Sie im Überblick auf unserer Themenseite M&A-Deals. Hinweise zur Bewertung im Rahmen von Transaktionen liefern unsere neuen FINANCE-Multiples, die Sie auch in der aktuellen FINANCE-Ausgabe finden.