Metro will Real nun doch nicht an Redos verkaufen, sondern stattdessen an die Investoren X+bricks und SCP.

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06.12.19
Deals

M&A-Deals: Metro, Arriva, Lanxess

Metro und die Deutsche Bahn entscheiden sich um, und Lanxess kauft in Brasilien zu: Die spannendsten M&A-Deals der Woche finden Sie in unserem FINANCE-Rückblick.

Metro ändert Kurs bei Real-Verkauf

Eigentlich wollte Metro die defizitäre Supermarktkette Real an den Immobilieninvestor Redos verkaufen. Der Plan ist nun von Tisch: Wie die Düsseldorfer mitteilten, wurden die exklusiven Verkaufsverhandlungen mit Redos abgebrochen, und Metro verhandelt stattdessen mit dem Investorenkonsortium um X+bricks und SCP über den Verkauf von Real. Eine entsprechende Absichtserklärung wurde auch schon unterzeichnet. Im Rahmen des geplanten Deals rechnet Metro zum jetzigen Zeitpunkt mit einem Nettomittelzufluss in Höhe von 500 Millionen Euro.

Bereits im Juli dieses Jahres hatten die beiden Investoren die Gespräche zwischen Metro und Redos gestört, jedoch erfolglos. Damals lockten die Investoren mit einem besseren Angebot im Vergleich zu der Redos-Offerte. Auch diesmal übertrumpften X+bricks und SCP das Redos-Gebot aus der Sicht von Metro – diesmal aber mit Erfolg.

Kern des neuen Angebots von X+bricks und SCP: Sie wollen das operative Geschäft, den Online-Marktplatz sowie die 80 Filialen, die sich im Metro-Besitz befinden, übernehmen. Auch die exklusive Kooperation mit Kaufland will X+bricks auflösen. Außerdem will das Konsortium den Weiterverkauf einzelner Filialen eigenständig und nach der Transaktion übernehmen. Wäre der Deal mit Redos zustande gekommen, hätte Metro noch 24,9 Prozent an Real behalten. Zudem hatte Redos die Verteilung der einzelnen Real-Märkte an interessierte Einzelhändler bereits im Vorfeld eingeleitet.

Bahn-Tochter Arriva soll doch an die Börse

Der Verkauf von Arriva ist offenbar vom Tisch: Stattdessen kündigte Bahn-Chef Richard Lutz an, die Nahverkehrstochter im nächsten Jahr an die Börse zu bringen, wie die Nachrichtenagentur „Reuters“ berichtete. Demnach sagten Konzernvertreter, Arriva könnte ab Mai an der Börse in Amsterdam mit einem Minderheitsanteil von etwa 25 Prozent gelistet werden. Die restlichen Anteile würde die Bahn im Laufe der folgenden Jahre verkaufen.

Aktuell sind die IPO-Pläne für Arriva allerdings noch nicht vom Bahn-Aufsichtsrat gebilligt. In den vergangenen Monaten versuchte die hoch verschuldete Deutsche Bahn vergebens, einen Käufer für Arriva zu finden. Die Krise bei der Deutschen Bahn führte zuletzt auch zum Abgang des CFOs Alexander Doll.

Lanxess kauft brasilianischen Biozid-Hersteller

Lanxess kauft in Brasilien zu: Wie der Kölner Spezialchemiekonzern bekanntgab, übernimmt er den Biozid-Hersteller Itibanyl Produtos Especiais (IPEL) mit Sitz in Jarinu bei São Paulo. Über den Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart. Mit dem Abschluss der Transaktion, die noch der Zustimmung der zuständigen Kartellbehörden bedarf, rechnet Lanxess für das erste Quartal 2020.

Der Deal umfasst neben der Übernahme von rund 100 Mitarbeitern auch die Produktionsanlage sowie die Laboreinrichtung. Zudem erhalten die Kölner Zugang zu strategischen Vorprodukten. Mit der Transaktion erweitert Lanxess eigenen Angaben zufolge das globale Produktionsnetzwerk ihres Geschäftsbereichs Material Protection Products, der zuvor nur mit Produktionsanlagen in Europa, den USA und Asien vertreten war.

Ardian verkauft CCC an kanadischen Strategen

Diese Woche bestätigten sich die Gerüchte um die geplante Akquisition: Der französische Private-Equity-Investor Ardian verkauft den Berliner Outsourcing-Dienstleister CCC für 1,3 Milliarden Kanadischen Dollar (umgerechnet 915 Millionen Euro) an den BPO-Anbieter Telus International.

Spannend an diesem Investment: Ardian hatte CCC bereits im Jahr 2009 übernommen und im Jahr 2013 an den Finanzinvestor Silverfleet veräußert. Vor zwei Jahren folgte dann der Wiedereinstieg, damals wurde CCC mit rund 200 Millionen Euro bewertet. Damit dürfte sich der Unternehmenswert seitdem mehr als vervierfacht haben. Auch die Mitarbeiterzahl des Unternehmens ist während der zweiten Investmentdauer von Ardian von 3.500 auf 8.500 gewachsen.

Telus erwartet von CCC für dieses Jahr einen Umsatz von rund 450 Millionen Kanadischen Dollar (306 Millionen Euro). Im Rahmen des Deals wird der Pro-forma-Umsatz von Telus nach eigenen Angaben auf über 1,75 Milliarden Kanadische Dollar, der Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) auf 400 Millionen Kanadische Dollar (272 Millionen Euro) ansteigen. Ardian wurde beim Verkauf von der Kanzlei Latham & Watkins (Federführung: Burc Hesse) beraten. Telus wurde bei dem Deal von der Anwaltssozietät Shearman & Sterling beraten.

Wie heute bekannt wurde, steigt Ardian zudem beim norddeutschen Energiekonzern EWE ein. Der französische Private-Equity-Investor sichert sich 26 Prozent an EWE. Über den Kaufpreis haben die Parteien Stillschweigen vereinbart. Der Nachrichtenagentur „Reuters“ zufolge schätzen Branchenexperten den Wert des Pakets auf 1,2 bis 1,4 Milliarden Euro.

Petrus Advisers fordert mehr Geld für Comdirect

Droht die Comdirect-Übernahme durch die Commerzbank zu scheitern? Der Comdirect-Aktionär Petrus Advisers lehnt die bisherige Offerte der Commerzbank weiterhin vehement ab, mit der Begründung, der angebotene Preis von 11,44 Euro pro Aktie sei zu niedrig. Dieser entspricht einem Kaufpreis von 292 Millionen Euro. Um seinem Standpunkt Nachdruck zu verleihen, hat der aktivistische Investor seinen Anteil an der Direktbank von 5,7 auf 7,5 erhöht. Die Comdirect-Aktie notiert aktuell bei etwa 12,24 Euro.

Seine Abweisung der Offerte begründet der Investor dabei wie folgt: Die in den letzten zwei Jahren getätigten Investitionen der Comdirect sollen in den folgenden Jahren zu einem „Quantensprung in der Profitabilität“ führen. Zudem profitiere die Commerzbank mit der Transaktion von Synergieeffekten in Höhe von 150 Millionen Euro. Petrus empfiehlt daher allen Minderheitsaktionären, das Angebot nicht anzunehmen.

Die Commerzbank ist schon mit 82,3 Prozent an der Comdirect beteiligt – im Zuge des laufenden Übernahmeangebots konnte sie ihren Anteil bisher allerdings nur um 0,24 Prozent vergrößern. Das Angebot unterliegt einer Mindestannahmeschwelle von 90 Prozent, Aktionäre haben nur noch heute Zeit, ihre Anteilsscheine anzudienen. Der geplante M&A-Deal ist Teil des Konzernumbaus, den die Commerzbank Ende September vorgestellt hat.

Zusammenschluss von Menold Bezler und BHP

Menold Bezler und Prof. Dr. Binder, Dr. Dr. Hillebrecht & Partner (BHP) fusionieren: Wie die Stuttgarter Rechtsanwaltskanzlei mitteilte, schließt sie sich mit der Stuttgarter Wirtschaftsprüfungs- und Steuerberatungsgesellschaft zum 1. Januar 2020 zusammen. Künftig wird die Gesellschaft unter dem Namen „Menold Bezler Rechtsanwälte Steuerberater Wirtschaftsprüfer Partnerschaft“ firmieren.

Die neue Gesellschaft wird dann rund 300 Mitarbeiter beschäftigen, davon mehr als 120 Berufsträger. Im Management der neuen Einheit werden dabei „Berufsträger aus allen Disziplinen vertreten sein“, teilt Menold Bezler mit. Ab Juli 2020 sollen die bisherigen Kanzleiräume von Menold Bezler zum gemeinsamen Standort für sämtliche Mitarbeiter werden. Die beiden Gesellschaften sind bereits seit Februar dieses Jahres Kooperationspartner.

Weitere Meldungen

Gerry Weber hat einen neuen Aktionär: Im Rahmen einer Barkapitalerhöhung steigt die US-Investmentbank J.P. Morgan über ihr Vehikel J.P. Morgan Securities bei dem kriselnden Modehaus ein. Wie das Modeunternehmen mit Sitz in Halle bekanntgab, hat J.P. Morgan mehr als 195.000 neue Aktien vollständig gezeichnet. Damit beläuft sich die Gesamtzahl der Aktien auf aktuell 1.220.238 Stück. Die Kapitalerhöhung muss noch im Handelsregister des Amtsgerichts Gütersloh eingetragen werden, die Eintragung erwartet Gerry Weber „zeitnah.“

Sartorius übernimmt den israelischen Zellkulturmedien-Entwickler und -Hersteller Biological Industries für 45 Millionen Euro in bar. Der Pharma- und Laborzulieferer sichert sich „etwas mehr als 50 Prozent“ der Anteile aus dem Besitz der derzeitigen Eigentümer, dem Kibbuz Beit Haemek und der Beteiligungsgesellschaft Fortissimo. Zusätzlich hat Sartorius die Option, innerhalb der nächsten drei Jahre den Anteil um weitere 20 Prozent auszubauen. Der Deal soll noch im Dezember vollzogen werden.

Stada übernimmt das Pharmageschäft des ukrainischen Wettbewerbers Biopharma. Ihr Plasmageschäft führen die Biopharma-Gesellschafter allerdings wie bisher weiter, teilt der Arzneimittelhersteller aus Bad Vilbel mit. Das ukrainische Geschäft leitet der neue ukrainische Geschäftsführer Borys Labensky. Finanzielle Transaktionsdetails nennt Stada nicht. Die ukrainischen Behörden müssen die Übernahme noch genehmigen. Der Deal soll voraussichtlich im Dezember dieses Jahres abgeschlossen werden. Hinter Stada stehen die beiden Private-Equity-Investoren Bain und Cinven.

Könnte es doch noch zu einem Zusammenschluss von Siemens und Alstom kommen? Siemens-Chef Joe Kaeser schließt einen neuen Anlauf für eine Fusion der Zugsparte der Münchener mit dem französischen Wettbewerber nicht aus: „Eine solche Fusion würde weiter Sinn machen, aber wir können nicht mit dem gleichen Plan noch einmal nach Brüssel gehen, solange sich der gesetzliche Rahmen nicht ändert“, so Kaeser gegenüber der „Rheinischen Post“. Die EU-Kommission hatte die Fusionspläne der beiden Unternehmen aufgrund von Wettbewerbsbedenken im Februar dieses Jahres gestoppt.

Der Tickethändler CTS Eventim übernimmt 71 Prozent der Anteile an dem österreichischen Konzertveranstalter Barracuda Music. Zu finanziellen Transaktionsdetails macht Eventim keine Angaben. Im Rahmen des Deals, der bereits von den zuständigen Kartellbehörden genehmigt wurde, wird Barracuda Teil des Promoter-Netzwerks Eventim Live.

Das Lackieranlagengeschäft von Eisenmann soll einen neuen Besitzer bekommen: Wie die „F.A.Z.“ aus Finanzkreisen erfuhr, will der chinesische Maschinenbauer Sinomach über seine deutsche Tochter AE Industry das Geschäft des insolventen Anlagenbauers aus Böblingen übernehmen. Derzeit würden letzte vertragliche Details der Übernahme – wie eine einjährige Beschäftigungssicherung für die über 3000 Mitarbeiter von Eisenmann – verhandelt. Die Schwaben hatten im Juli dieses Jahres Insolvenz angemeldet – seit September steht das Familienunternehmen zum Verkauf. Die Randaktivitäten von Eisenmann sollen getrennt verkauft werden.

Die Münchener Beteiligungsgesellschaft Arcus erwirbt die Mehrheit an Lässig, einem Anbieter von Baby- und Kinderprodukten. Die geschäftsführenden Gesellschafter Claudia Lässig, Stefan Lässig und Karin Heinrich bleiben im Rahmen der Transaktion mit einem Minderheitsanteil rückbeteiligt. Der Kaufpreis oder die genaue Höhe der Beteiligung sind nicht bekannt. Arcus will bei dem südhessischen Unternehmen künftig gezielter in den Markenaufbau sowie den Ausbau des Onlinegeschäfts investieren.

Der Finanzinvestor Capvis trennt sich von seiner Mehrheitsbeteiligung an dem Medizintechnikhersteller Ondal aus Hünfeld bei Fulda. Käufer ist das Private-Equity-Haus IK Investment Partners. Wie viel Geld den Zürichern durch den Verkauf zufließt, ist nicht bekannt. Capvis hatte 2012 die Mehrheit an Ondal übernommen. Die Schweizer wurden bei dem Deal von der Investmentbank William Blair und der Anwaltssozietät Hengeler Mueller beraten.

Die Münchener Industrieholding Adcuram übernimmt die Mehrheit an der Steinel-Gruppe, einem Anbieter von Sensortechnik, Heißluftgeräten sowie Industriekomponenten. Verkäufer der Anteile ist der Geschäftsführer Ingo Steinel, der seine Position sowie eine „signifikante Beteiligung“ am Unternehmen behält, wie Adcuram mitteilte. Über weitere Transaktionsdetails haben die Parteien Stillschweigen vereinbart.

Die Münchener Digitalplattform Shift wird von dem US-Unternehmen Xometry übernommen, das einen Marktplatz für Produktionsdienstleistungen anbietet. Einem Bericht des „Handelsblatts“ zufolge wird Shift im Zuge der Transaktion in Xometry Europe umbenannt, der Firmensitz bleibt aber weiterhin in München. Zum Kaufpreis wurden keine Angaben gemacht. Zu den Kunden der Münchener gehören Bosch, BMW oder auch die Weltraumbehörde Nasa. Die Amerikaner wurden bei dem Deal von der Rechtsanwaltskanzlei Orrick (Federführung: Thomas Schmid) beraten.

Der Industriezulieferer Clyde Bergemann Power Group (CBPG) verkauft seine Zellstoffsparte an den US-Finanzinvestor Wynnchurch. Mit dem Deal folgen die Weseler ihrer Strategie, sich künftig auf das Kerngeschäft in der Kraftwerkindustrie zu konzentrieren. Weitere Details der Transaktion sind nicht bekannt.

olivia.harder[at]finance-magazin.de

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