Der Übernahmekampf um Stada ist beendet – die PE-Investoren Bain und Cinven gehen als Sieger hervor.

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13.04.17
Deals

M&A-Deals: Stada, Siemens, Jack Wolfskin

Bain und Cinven übernehmen Stada, Siemens und Bombardier wollen offenbar ihr Zuggeschäft zusammenlegen und Jack Wolfskin geht wohl an eine Gruppe von Hedgefonds. Diese und andere M&A-Deals finden Sie in unserem FINANCE-Wochenrückblick.

Bain und Cinven gewinnen Bieterwettstreit um Stada

Der Bieterwettstreit um den Pharmakonzern Stada hat ein Ende. Die Private-Equity-Investoren Bain und Cinven erhalten den Zuschlag, nachdem bereits zuvor der PE-Investor Advent ein Übernahmeangebot gemacht hatte. Bain und Cinven bieten 66 Euro inklusive der Dividende für das angelaufene Jahr in Höhe von 0,72 Euro je Aktie. Damit erhöhen sie ihr bisheriges Angebot um 450 Millionen Euro. Zusätzlich sollen die PE-Investoren Schutzbestimmungen abgegeben haben. In einem nächsten Schritt müssen die Aktionäre dem Angebot zustimmen.

Bain und Cinven haben acht Banken mit der Finanzierung der Transaktion beauftragt und einen Kredit in Höhe von 2,6 Milliarden Euro aufgenommen, wie der Branchendienst „Leveraged Commentary & Data“ berichtet. Damit beläuft sich der Verschuldungsgrad auf das 6,5-Fache des Gewinns vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (Ebitda) des vergangenen Jahres. Die Anwaltssozietät Freshfields hat Bain und Cinven bei der Transaktion beraten.

Deutsche Investorenkonferenz 2017

Private Equity fließt immer mehr Geld zu. Die Folge: Die Konkurrenz um Zukaufsziele wird schärfer. Das treibt Kaufpreise und Leverage-Grade in die Höhe und macht es den Private-Equity-Häusern damit immer schwerer, den Wert ihrer Beteiligungen über die Haltedauer hinweg zu steigern. Wie die Branche damit umgeht, diskutieren namhafte Fondsmanager auf der Deutschen Investorenkonferenz am 13. November in Frankfurt. Hier geht es zu Programm und Anmeldung »

Ankündigung zur 14. Deutschen Investorenkonferenz

Siemens und Bombardier planen offenbar Joint Venture

Der Industriekonzern Siemens und der kanadische Flugzeug- und Zughersteller Bombardier denken offenbar darüber nach, ihre Zugsparten in einem Joint Venture zusammenzulegen, wie die Nachrichtenagentur Bloomberg aus Insiderkreisen erfahren hat. Das Joint Venture solle den Bau von Zügen und Signaltechnik umfassen. Allerdings müssten die Kartellbehörden dem Deal noch zustimmen und auch die Gewerkschaften keinen Widerstand erheben. Ansonsten rechnen die Unternehmen bis Mitte dieses Jahres mit einer Einigung.

Bei einer Zusammenlegung könnte das Gemeinschaftsunternehmen mit bis zu 10 Milliarden Euro bewertet werden, so die Insider. Die Hoffnung ist, dass sich das Unternehmen besser gegen die Konkurrenz aus China behaupten könnte. Die Mobility-Sparte von Siemens, die in das Joint Venture eingehen würde, verbuchte im Geschäftsjahr 2016 einen Umsatz von 7,8 Milliarden Euro.

Jack Wolfskin geht wohl an Hedgefonds

Der Outdoor-Ausrüster Jack Wolfskin soll an eine Gruppe von Hedgefonds gehen, wie die Nachrichtenagentur Reuters aus Insiderkreisen erfahren hat. Demnach muss der bisherige Eigentümer Blackstone seine Mehrheit an die Fremdkapitalgeber HIG Capital, CQS und Sankaty abtreten. Dafür wollen die Gläubiger auf einen Teil ihrer Forderungen verzichten und frischen Kapital bereitstellen.

Allerdings könne sich die finale Einigung noch mehrere Wochen hinziehen, wie Reuters berichtet. Bereits im Februar hatte Blackstone den Gläubigern ein Angebot gemacht, jedoch zeichnete sich schnell ab, dass sie das Angebot als zu schlecht erachteten.

Hastor durchkreuzt Abwehr von Grammer

Im Übernahmekampf um den Automobilzulieferer Grammer hat die bosnische Investorenfamilie Hastor eine Abwehrstrategie Grammers durchkreuzt. Das Landgericht Nürnberg-Fürth hat – nach einem Antrag der Zulieferergruppe Prevent – die Wandlung einer Wandelanleihe per einstweiliger Verfügung untersagt. Als Begründung gab das Gericht an, dass das Bundeskartellamt die Beteiligung erst freigeben müsse. Hinter Prevent steckt ebenfalls die Investorenfamilie Hastor. Laut einem Grammer-Sprecher wolle der Automobilzulieferer gegen die Entscheidung Einspruch einlegen.

Grammer hatte geplant, dass sich der chinesische Investor Ningbo-Jifeng über die Wandelanleihe mit 9,2 Prozent am Unternehmen beteiligt. Nun kann Ningbo-Jifeng allerdings keine neuen Aktien erwerben, bis der Widerspruch verhandelt ist. Bei der kommenden Hauptversammlung am 24. Mai braucht Grammer den chinesischen Investor jedoch als Verbündeten, denn die beiden Vehikel der Familie Hastor kommen derzeit auf 20,2 Prozent der Stimmen. Zusammen mit Ningbo Jifeng könnte Grammer immerhin eine Sperrminorität erreichen.

M&A-Personalien

Die Anwaltskanzlei Linklaters ernennt mit Andreas Dehio und Dirk Horcher zwei neue Partner. Dehio ist seit sieben Jahren bei Linklaters und auf die Bereiche Bank- und Finanzaufsichtsrecht sowie M&A im Finanzsektor spezialisiert. Horcher arbeitet seit Ende 2006 im Frankfurter Team der Kanzlei und wechselt nun in das Münchener Büro. Seine Schwerpunkte liegen im Bereich Corporate Advisory und Public M&A. Mit Jana Hager bestellt Linklaters außerdem einen neuen Counsel. Hager berät Mandanten unter anderem zu regulatorischen Fragen bei internationalen Transaktionen und komplexen Privatisierungen.

Weitere M&A-Deals

Kabi, ein Tochterunternehmen des Gesundheitskonzerns Fresenius, steht offenbar in Gesprächen über einen möglichen Erwerb des US-amerikanischen Spezialgenerikaproduzenten Akorn. Wie Fresenius berichtet, könne aber keine Gewähr dafür gegeben werden, ob und zu welchen Konditionen die Transaktion zustande kommt. Sowohl der Fresenius-Vorstand und -Aufsichtsrat als auch das Management von Akorn müssen dem Deal noch zustimmen. Akorn verzeichnete im vergangenem Jahr einen Umsatz von 1,1 Milliarden Dollar und einen bereinigten Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) von 509 Millionen Dollar.

B. Braun Melsungen hat ein Aktienpaket im Börsenwert von rund 430 Millionen Euro am Rhön-Klinikum gekauft. Damit hat der Klinik-Zulieferer seinen Anteil bei Rhön von 22,4 Prozent auf knapp über 25 Prozent aufgestockt und verfügt über eine Sperrminorität. Zweitgrößter Aktionär ist der Hamburger Krankenhaus-Konzern Asklepios.

Das US-Unternehmen Enterprise Rent-A-Car, das in der Autovermietung tätig ist, hat die deutsche Autovermietung Caro erworben. Caro wurde 1998 gegründet und ist und mit über 800 Mitarbeitern an 46 Standorten deutschlandweit vertreten. Heuking Kühn Lüer Wojtek (Federführung: Katharina Prasuhn) hat die Verkäuferseite beraten. 

Die US-amerikanische Medtech-Firma Bio Telemetry hat ein Übernahmeangebot für das Schweizer Telemedizin-Unternehmen Lifewatch abgegeben, dem beide Unternehmen zugestimmt haben. Im Detail bietet Bio Telemetry den Aktionären entweder 10 Schweizer Franken in bar sowie 0,1457 Aktien von BioTelemetry oder 8 Schweizer Franken in bar und 0,2185 Aktien. Der Gesamtwert der Übernahme beläuft sich auf 260 Millionen Schweizer Franken. Somit dürfte das Klinik- und Hotelunternehmen Aevis Victoria aus dem Rennen sein. Aevis Victoria hatte Ende Februar ein Übernahmeangebot abgegeben.

Frosta, ein Produzent von Tiefkühlkost, verhandelt mit dem Lebensmittelkonzern Nestlé über den Kauf des Vertriebsgeschäfts und der Markenrechte der Tiefkühlkostmarken „La Valle Degli Orti“, „Mare Fresco“ und „Surgela“. Weitere Details sind nicht bekannt.

Das Münchener IT-Unternehmen Allgeier übernimmt die Kundenbeziehungen und weitere Vermögensgegenstände der insolventen Ciber-Gruppe, einem SAP-Servicedienstleister. Darauf einigte sich das Münchener Unternehmen mit dem Insolvenzverwalter Hans-Gerd Jauch. Bereits im Februar hatten Allgeier und Ciber einen Kaufvertrag geschlossen, jedoch konnte die Transaktion aufgrund des Insolvenzantrags nicht abgeschlossen werden.

Der deutsche Verpackungsspezialist Klöckner Pentaplast übernimmt den britischen Folienhersteller Linpac, wie die Presseagentur Dpa berichtet. Zusammen kommen die Unternehmen auf einen Gesamtumsatz von mehr als 2 Milliarden US-Dollar und beschäftigen rund 6.300 Mitarbeiter.

Ein unbekannter Investor hat Aktienpakete der Lufthansa und Air France für insgesamt 250 Millionen Euro über die Investmentbank UBS verkauft, wie die Nachrichtenagentur Reuters aus Insiderkreisen erfahren hat. Unter dem Namen „Infinite Miles“ hatte der Investor zwischen Oktober und Dezember Aktien der Fluggesellschaften erworben.

julia.schmitt[at]finance-magazin.de

Die wichtigsten Transaktionen der vergangenen Wochen finden Sie im Überblick auf unserer Themenseite M&A-Deals.