Der Heiztechniker Viessmann ist bei dem südafrikanischen Installationstechniker Thermowise eingestiegen. Die Produkte von Thermowise sind unter anderem in diesem südafrikanischen Hotel im Einsatz.

Viessmann

20.03.20
Deals

M&A-Deals: Viessmann, Biontech, AMS

Viessmann kauft erstmals in Südafrika zu, Biontech verbündet sich im Kampf gegen das Coronavirus mit Chinesen, und die Finanzierung der Osram-Übernahme könnte wackeln: Die spannendsten M&A-Deals der Woche finden Sie in unserem FINANCE-Rückblick.

Viessmann mit Markteintritt in Afrika

Viessmann betritt neues Terrain: Wie der Allendorfer Heiztechniker bekanntgab, beteiligt er sich mit 40 Prozent an Thermowise, einem Installations- und Service-Anbieter aus Südafrika. Die bisherigen Gesellschafter, Thermowise-CEO Arnold Retief und CFO Sitha Rajkoomar, behalten im Zuge des M&A-Deals weiterhin die Mehrheit an dem Unternehmen mit Hauptsitz in Ballito. Sie werden das Geschäft von Thermowise operativ weiterführen. Über den Kaufpreis haben die Parteien Stillschweigen vereinbart.

Thermowise ist auf Großprojekte im Bereich Krankenhäuser, Einkaufszentren, Hotels und Wohnkomplexe spezialisiert. Die Südafrikaner beschäftigen Viessmann zufolge rund 400 Mitarbeiter und erzielen im laufenden Geschäftsjahr einen Umsatz von rund 10,5 Millionen Euro. Bereits im vergangenen Jahr hatte M&A-Chef Timo Tauber im Interview mit FINANCE angekündigt, internationalere Deals für Viessmann an Land zu ziehen.

Biontech und Fosun Pharma entwickeln Corona-Impfstoff

Biontech und Shanghai Fosun Pharmaceutical (Fosun Pharma) gehen im Kampf gegen das Coronavirus eine strategische Kooperation ein: Wie beide Unternehmen bekannt gaben, arbeiten sie gemeinsam an der Entwicklung eines Covid-19-Impfstoffes in China. Die Zusammenarbeit hat auch eine M&A-Komponente: Im Rahmen der gemeinsamen Forschung und Entwicklung erhält das Mainzer Biotech-Unternehmen bis zu 120 Millionen Euro aus China. Weitere Investitionen und Meilensteinzahlungen sind vorgesehen. Im Gegenzug beteiligt sich Fosun Pharma mit 44 Millionen Euro an Biontech und erhält dafür rund 1,58 Millionen Biontech-Stammaktien. Der Deal muss noch von den chinesischen Aufsichtsbehörden genehmigt werden. 

Starten wollten Biontech und Fosun Pharma mit der klinischen Studie für den Impfstoff bereits Ende April. Sollte der Impfstoff zugelassen werden, darf Fosun Pharma ihn in ganz China vermarkten – außerhalb Chinas hat dann Biontech die alleinigen Rechte zur Entwicklung und Kommerzialisierung. Die Gewinne wollen sich die beiden Unternehmen teilen. Weiterhin teilten die Mainzer mit, dass sie auch mit dem US-Wettbewerber Pfizer zusammenarbeiten, um den Impfstoff zu entwickeln und zu vertreiben – diese Kooperation gilt allerdings nur für die Vermarktung außerhalb Chinas.

AMS stockt Osram-Beteiligung auf

Neues von der AMS-Osram-Front: AMS hat seine direkte Osram-Beteiligung aufgestockt und hält nun 23,4 Prozent an dem Münchener Lichtkonzern. Das teilte der österreichische Sensorspezialist mit. Dabei handele es sich um eine „angestrebte maximale direkte Beteiligung aus regulatorischen Gründen“. Zusammen mit den Anteilen, welche die Osram-Aktionäre bereits angedient haben, kontrollieren die Österreicher jetzt 63 Prozent der Osram-Anteile.

Allerdings droht die von AMS geplante, 1,65 Milliarden Euro schwere Kapitalerhöhung zu scheitern, mit der die Übernahme des Münchener MDax-Konzerns teilfinanziert werden soll. Wegen der Coronakrise fiel der AMS-Aktienkurs an der Schweizer Börse in dieser Woche zeitweise unter die 9,20 Franken, für die der Sensorkonzern die neuen Aktien ausgeben will. Dementsprechend gering dürfte die Motivation der Osram-Aktionäre sein, die rund 189 Millionen Aktien zu zeichnen.

Fresenius-Tochter Curalie kauft DGG

Die auf chronische Erkrankungen spezialisierte Fresenius-Tochter Curalie übernimmt die Digitale Gesundheitsgruppe (DGG). Das gab der Medizintechnikkonzern aus Bad Homburg am Mittwoch bekannt. Durch den M&A-Deal entsteht „der erste Anbieter, der Patienten in allen Sektoren des Gesundheitswesens von der ambulanten Versorgung bis zur Nachsorge digital begleitet“, so Fresenius. Die DGG ist der Anbieter der telemedizinischen Plattform „Telipro“, Curalie enwickelt Produktlösungen im Bereich Rehabilitation und Nachsorge. Zu finanziellen Transaktionsdetails wurden keine Angaben gemacht.

Analyse: Der M&A-Markt in Europa

Die Corona-Pandemie lähmt den weltweiten M&A-Markt: Die Unternehmen sehen ihre Prioritäten aktuell bei der Sicherung ihres Geschäftsbetriebs, und weniger bei transformatorischen M&A-Deals. Das ist eines der Kernergebnisse der in dieser Woche veröffentlichten 12. European M&A Study, für die die Wirtschaftskanzlei CMS zahlreiche M&A-Verträge analysiert. „In Anbetracht der ungewissen makroökonomischen Lage wird viel Wert auf Transaktionssicherheit gelegt“, beobachtet Stefan Brunnschweiler, Leiter der CMS Corporate/M&A Gruppe.

„Die diesjährige Studie zeigt aber auch die Fortsetzung bestehender Markttrends in Europa“, ergänzt der Co-Leiter des Bereichs Corporate/M&A Deutschland, Maximilian Grub. Das zeigt sich auch bei den Dealtreibern: Nach wie vor weit vorne mit 46 Prozent ist der Plan, mit einem M&A-Deal in neue Märkte einzutreten, ergab die Analyse. 41 Prozent der Käufer wollen mit der Transaktion Know-how oder hochqualifizierte Teams in die eigene Firma holen. Jeder fünfte Deal war eine Übernahme eines Wettbewerbers.

Weitere Meldungen

Der deutsche Unternehmer Heinz Hermann Thiele hat sich bei Lufthansa eingekauft. Wie das „Handelsblatt“ berichtete, gehören dem Investor, der auch bei Vossloh und Knorr-Bremse seine Finger im Spiel hat, nun etwas mehr als 5 Prozent der Lufthansa-Anteile. Thiele äußerte sich gegenüber dem Handelsblatt nicht zu seinem Aktienkauf. Die Lufthansa begrüßte den Einstieg des Investors: „Wir freuen uns über das Investment und sehen es als Beweis des Vertrauens in unsere Strategie und Zukunftsaussichten“, sagte der Luftfahrtkonzern der Zeitung. Das Motiv des Investments ist nicht bekannt.

Metro
bestätigt die M&A-Gerüchte über Gespräche mit Sysco: Wie Metro-Chef Olaf Koch in dieser Woche mitteilte, gab es Gespräche mit dem US-Konzern bezüglich einer Übernahme der Metro, schreibt die Nachrichtenagentur „Reuters“. Zuerst hatte das „Manager Magazin“ darüber berichtet. Es liegt aktuell aber „kein Angebot auf dem Tisch“, so Koch gegenüber dem Magazin.

Die Commerzbank hat im Rahmen des geplanten Squeeze-outs ihrer Tochter Comdirect einen Barabfindungspreis festgelegt: Wie das Frankfurter Geldhaus bekannt gab, sollen die Comdirect-Minderheitsaktionäre 12,75 Euro je Aktie erhalten. Der Preis basiere auf einem Wertgutachten der Next-Ten-Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Warth & Klein und der Börsenkursentwicklung der Comdirect. Damit zahlt die Commerzbank den übrigen Comdirect-Aktionären 2,40 Euro weniger pro Papier als dem Hedgefonds Petrus Advisers. Der aktivistische Investor hatte insgesamt rund 171 Millionen Euro für den Verkauf seiner knapp 8-prozentigen Beteiligung erhalten – das entspricht einem Wert von 15,15 Euro je Aktie.

Heitkamp & Thumann trennt sich von seinem Englandgeschäft: Wie der Düsseldorfer Hersteller von Metall- und Kunststoffkomponenten mitteilte, wird die unter der Marke „Doby Verrolec“ laufende Einheit an den Londoner Finanzinvestor Chiltern Capital verkauft. Dieser Geschäftsbereich ist auf Luftleitsysteme spezialisiert. Mit dem Verkauf verfolgen die Düsseldorfer ihre Strategie, sich auf das Kerngeschäft zu konzentrieren. Finanzielle Transaktionsdetails sind nicht bekannt. Heitkamp & Thumann wurde von der M&A-Beratung IMAP unterstützt.

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Windeln.de prüft den Verkauf des Geschäfts in Südeuropa, das die Münchener unter der Marke „Bebitus“ zusammengefasst haben. Das gab der Versandhändler für Baby- und Kinderartikel am Mittwoch bekannt. Der Grund für diese Überlegung: Das Unternehmen will auf Basis des bereinigten Ebit den Break-even im ersten Quartal 2021 erreichen. Im August vergangenen Jahres hatte Windeln.de noch angekündigt, den Break-even 2020 erreichen zu wollen. Im Geschäftsjahr 2019 erzielten die Münchener einen Umsatz von 82,3 Millionen Euro, im gleichen Zeitraum fuhr das Unternehmen aber einen bereinigten Verlust vor Zinsen und Steuern (Ebit) von 13,8 Millionen Euro ein. Die Bebitus-Onlineshops bieten Baby- und Kinderprodukte in Spanien, Portugal und Frankreich an.

olivia.harder[at]finance-magazin.de

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