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Schaeffler macht Millionen-Deal mit Private Equity

Schaeffler schlägt am M&A-Markt zu. Foto: Schaeffler
Schaeffler schlägt am M&A-Markt zu. Foto: Schaeffler

Der Auto- und Industriezulieferer Schaeffler kauft den Antriebsspezialisten Ewellix. Der fränkische Konzern erwirbt Ewellix von dem Private-Equity-Investor Triton für rund 582 Millionen Euro. Bei dem Kaufpreis sind die zu übernehmende Nettoverschuldung in Höhe von rund 120 Millionen Euro sowie Transaktionskosten nicht eingeschlossen. Finanziert werden soll der M&A-Deal aus internen und externen Mitteln, in welchem Verhältnis, geben die Herzogenauracher nicht bekannt. Das Closing ist für Ende des Jahres geplant, teilte Schaeffler mit.

Schaeffler will Industriegeschäft stärken

Schaeffler will mit der Akquisition das Industriegeschäft stärken und erhofft sich, dass die Transaktion bereits 2024 zu einer Verbesserung des Gewinns pro Aktie im mittleren einstelligen Prozentbereich führt. Der Autozulieferer setzt dabei vor allem auf Deal-Synergien im Vertrieb. Schaeffler-CEO Klaus Rosenfeld wirbt für den Deal: „Die Akquisition trägt dazu bei, unser Geschäft als globaler Automobil- und Industriezulieferer weiter zu diversifizieren und noch stärker in attraktive Wachstumsmärkte zu investieren.“

Ewellix ist ein Hersteller von Linearantrieben und erwirtschaftete im vergangenen Jahr rund 216 Millionen Euro. Für dieses Jahr rechnet der Antriebshersteller mit einem Umsatz von 250 Millionen Euro. Das Unternehmen aus Göteburg wurde 2018 von Triton im Rahmen eines Carve-outs von der SKF Gruppe gekauft. Der Kaufpreis für die Einheit „SKF Motion Technologies“, die 2019 in Ewellix umbenannt wurde, lag damals bei 310 Millionen US-Dollar. Triton hatte Ewellix während der Haltedauer als eigenständiges Unternehmen neu positioniert, das Produktportfolio gestrafft, die Produktion und die Beschaffungsfunktionen optimiert sowie in die Digitalisierung und Produktentwicklung investiert.

Für Schaeffler ist es nicht der erste Zukauf im Jahr 2022: Anfang des Jahres hatte Schaeffler bereits den Roboterspezialisten Melior Motion gekauft. Zuletzt hatte die Schaeffler-Familie zudem ihren Anteil an der Vitesco-Gruppe auf knapp 50 Prozent aufgestockt. Im vergangenen Jahr war außerdem die Übernahme des Lagerungs- und Kupplungsherstellers Dodge von ABB geplant. Diese platzte allerdings wegen Preisdifferenzen, wie Finanzvorstand Claus Bauer nach dem gescheiterten Deal im Interview mit FINANCE berichtete.

Schaeffler kassierte Prognose

Für Schaeffler waren die vergangenen Monate nicht leicht: Im März dieses Jahres kassierten die Franken wegen des Ukraine-Kriegs ihre Geschäftsprognose für 2022 und gaben im Mai eine neue Prognose heraus. Das Familienunternehmen rechnet nun mit einem Umsatzwachstum von 6 bis 8 Prozent und einer Ebit-Marge vor Sondereffekten zwischen 5 und 7 Prozent. Zuvor war Schaeffler von einem Umsatz von 7 bis 9 Prozent und einer Ebit-Marge vor Sondereffekten zwischen 6 und 8 Prozent ausgegangen.

CFO-Profil

Claus Bauer

Schaeffler AG

Es ist nicht das erste Mal in kurzer Zeit, dass Schaeffler die Geschäftsaussichten anpassen musste: Bereits im November 2021 musste der Konzern seine Jahresprognose kassieren, damals war CFO Claus Bauer erst zwei Monate im Amt. Als Grund nannte der Herzogenauracher Konzern den Chipmangel, der den Geschäftsbereich „Automotive Technologies“ besonders traf.

Dennoch verweist Schaeffler-CFO Claus Bauer im Rahmen des Deals auf die solide Bilanz und Liquiditätsposition, die nun diesen Wachstumsschritt ermöglicht. Der Kapitalmarkt reagierte auf den Zukauf verhalten. Der Aktienkurs lag am Montag Morgen mit 5,40 Euro etwa 3 Prozent niedriger als am Freitag.

eva.brendel[at]finance-magazin.de

eva.brendel@finance-magazin.de | + posts

Eva Brendel ist Redakteurin bei FINANCE und DerTreasurer. Sie hat Kommunikationswissenschaft, VWL und Politik in Bamberg und Jena studiert. Neben dem Studium arbeitete Eva Brendel als freie Nachrichtenmoderatorin bei einem Lokalsender und moderierte eine eigene Podcast-Reihe.

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