Der insolvente Netzwerkausrüster Euromicron verkauft seine Tochtergesellschaften an die Bremer Gustav Zech Stiftung.

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30.12.19
Deals

Zech kauft Töchter der insolventen Euromicron

Euromicron hat einen Käufer für seine Tochtergesellschaften gefunden: Die Gustav Zech Stiftung sichert sich die Betriebe und schlägt damit erneut bei einem Restrukturierungsfall zu. Für eine Vollbefriedigung der Gläubiger wird der Erlös allerdings nicht reichen.

Für die Töchter der insolventen Euromicron hat das Bangen ein Ende: Der Netzwerkausrüster will ein Paket mit seinen 16 Tochtergesellschaften an die Gustav Zech Stiftung verkaufen, teilte das Unternehmen kurz vor Jahresende mit.

Der geplante Verkauf umfasst mittelständische Betriebe aus den Bereichen „digitalisierte Gebäude“, Industrie 4.0 und „kritische Infrastrukturen“ an 40 Standorten in Europa, China und Pakistan. Der Gläubigerausschuss von Euromicron hat dem Verkauf bereits zugestimmt, die Kartellbehörden müssen noch zustimmen.

Die Finanzierung des operativen Betriebs der Euromicron-Gesellschaften wird der Käufer Zech übernehmen. Über den Gesamtkaufpreis für die 16 mittelständischen Einheiten haben die Parteien Stillschweigen vereinbart.

Wie hoch die Befriedigungsquote für die Gläubiger der insolventen Euromicron ausfallen wird, ist bislang noch offen. Der Zufluss aus den Unternehmensverkäufen reiche aller Voraussicht nach jedoch nicht aus, um alle Insolvenzforderungen vollständig zu bedienen, teilte Euromicron bereits mit.

Zech kaufte schon Rickmers und KTG Agrar

Für Zech ist es nicht die erste M&A-Transaktion im Umfeld von Restrukturierung und Insolvenz. Hinter der Gustav Zech Stiftung steht das Familienunternehmen des deutschen Unternehmers Kurt Zech. Die aus der Baubranche hervorgegangene Gruppe mit Sitz in Bremen ist auch in Immobilienprojektentwicklung, Hotellerie und Umwelttechnologie aktiv und agiert zudem als Industriebeteiligungsgesellschaft. Sich selbst bezeichnen die Bremer als „strategische Managementholding“ mit mehr als 10.000 Mitarbeitern und einem Umsatz von zuletzt 2,4 Milliarden Euro.

Bereits 2016 übernahm Zech einen Großteil des insolventen Landwirtschaftsbetriebs KTG Agrar und der Tochter KTG Energie. Anfang 2018 kaufte Kurt Zech über seine Reederei Zeaborn zudem das Unternehmen E.R. Schifffahrt und bündelte es mit den Schiffsmanagement-Aktivitäten der insolvent gegangenen Reederei Rickmers.

Insolvente Euromicron greift durch

In die Distressed M&A-Deals von Zech reiht sich nun auch Euromicron ein. Der börsennotierte Netzwerkausrüster mit Sitz in Neu Isenburg war Mitte Dezember in die Insolvenz gerutscht und verärgerte damit vor allem seinen Großaktionär Funkwerk. Die Tochtergesellschaften waren nicht von der Insolvenz betroffen. Bereits im Zuge der Insolvenzmitteilung gab Euromicron bekannt, dass Gespräche mit einem strategischen Investor zum Verkauf eingeleitet worden seien.

Der Netzwerkausrüster entließ zudem kürzlich seine Finanzchefin Bettina Meyer und holte mit Bernd Depping und Roman-Knut Seger zwei Restrukturierungsexperten von BDO in den Vorstand.

Euromicron musste zuletzt erhebliche Umsatzrückgänge und Verluste hinnehmen. Der Schuldenberg war bis Ende September dieses Jahres auf 104 Millionen Euro gewachsen, demgegenüber standen laut Unternehmensangaben 10 Millionen Euro an flüssigen Mitteln. Ende Januar 2020 muss Euromicron 25 Millionen Euro tilgen. An der Börse ist Euromicron zum Pennystock geworden, das Papier notiert im Cent-Bereich.

olivia.harder[at]finance-magazin.de