Teure Deals, riesige Fonds, Pleiten und Restrukturierungen: Das Private-Equity-Jahr 2018 war in vielerlei Hinsicht spektakulär. Der FINANCE-Jahresrückblick.

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15.01.19
Deals

So war Private Equity 2018

Teure Deals, riesige Fonds und bittere Restrukturierungen: Das Private-Equity-Jahr 2018 war in vielerlei Hinsicht spektakulär. Obwohl der aktuelle Super-Zyklus wohl bald enden wird, schreckt das neue Spieler nicht davon ab, Deutschlandbüros zu eröffnen – die FINANCE-Jahresbilanz.

Die Private-Equity-Branche strotzt nur so vor Selbstvertrauen. Auch im vergangenen Jahr bezahlte sie für Unternehmen wieder rekordverdächtige Kaufpreise und legte milliardenschwere neue Fonds auf. Um einen besseren Zugriff auf den schwer umworbenen deutschen Mittelstand zu erhalten, hat 2018 sogar ein Schwergewicht wie KKR die Entscheidung getroffen, doch lieber ein echtes Deutschlandbüro zu eröffnen. Neue Player, interessante Deals und heiße Branchen – FINANCE blickt zurück.

Die prägnantesten Deals

Eine hoch kompetitive Transaktion war der Verkauf des Heizkostenablesers Techem. Am Ende eines harten Bieterwettstreits gab der Alteigentümer Macquarie einem Konsortium um die Partners Group den Zuschlag. Der Deal wurde im Mai mit 4,6 Milliarden Euro bewertet und zählt damit zu den größten Private-Equity-Übernahmen aller Zeiten in Deutschland – für den Schweizer Asset Manager ein Meilenstein bei seiner Umwandlung vom Fund of Fund zum Direktinvestor.

Verhältnismäßig teuer war auch die Übernahme von Suse. EQT bezahlte im Juli für den Linux-Betreiber das 25fache des Gewinns vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda). Der Unternehmenswert belief sich auf 2,5 Milliarden Dollar, was zum damaligen Zeitpunkt 2,15 Milliarden Euro entsprach.

Private-Equity-Investoren mischen auch bei der Konsolidierung im deutschen Landesbankensektor mit. Ihr erster Streich ist schon in trockenen Tüchern: Ein Konsortium um Cerberus und JC Flowers übernahmen nach zähen Verhandlungen die Mehrheit der HSH Nordbank und bezahlte dafür rund 1 Milliarden Euro. Auch bei der Investorensuche der NordLB soll Cerberus die Nase vorn haben. Schon in wenigen Monaten könnte auch bei einer zweiten großen Landesbank Private Equity die Fäden ziehen – inklusive aller strategischen Perspektiven, die sich aus dieser neuen Konstellation langfristig ergeben.

Die Lieblingsbranche 2018 der Private-Equity-Manager

Äußerst beliebt bei den Private-Equity-Investoren waren im vergangenen Jahr Kliniken und Pflegeheime. Advent übernahm von Chequers Capital die Deutsche Fachpflegegruppe. Sehr aktiv in diesem Geschäft war auch Nordic Capital. Die Skandinavier haben für 1,3 Milliarden Dollar den Altenheimbetreiber Alloheim vom US-Finanzinvestor Carlyle übernommen.

Weitere Investments von Nordic Capital in 2018 waren der Zahnmedizindienstleister Zahnstation, das Dentallabor DPH Dental, das Zahnarztzentrum Adent und der Augenklinikbetreiber Oberscharrer. Die Skandinavier sind im Begriff, zu einer wichtigen Adresse im deutschen Healthcare-Markt zu werden. Für dieses Ziel gehen sie ein hohes Risiko ein: Speziell der Bieterwettbewerb um Oberscharrer war extrem intensiv. Zum Glück für Nordic Capital nicht nur auf der Käufer-, sondern auch auf der Bankenseite: Bei Oberscharrer weichten die Kreditstandards dermaßen stark auf, dass zum ersten Mal überhaupt bei einer Transaktion im deutschen Midmarket die Gerüchte über sogenannte Covenant-Lite-Strukturen kursierten.

Die wichtigsten neuen Private-Equity-Geldtöpfe

Die hohen Kaufpreise und harten Bieterschlachten sind die zwangsläufige Folge der Geldflut, die ihren Weg in den deutschen Private-Equity-Markt gefunden hat. Und der Trend hält an: Auch im vergangen Jahr haben die PE-Häuser wieder reihenweise Milliardenfonds eingeworben – allen voran EQT. Der Finanzinvestor sammelte für neue Buy-outs 10,75 Milliarden Euro ein – der größte Fonds der EQT-Geschichte.

Auch PAI Partners (5,1 Milliarden Euro), Triton (5 Milliarden Euro) und Nordic Capital (4,3 Milliarden Euro) sicherten sich hohe Milliardenbeträge. Die frischen Fonds von Equistone (2,8 Milliarden Euro), HIG Capital (2,57 Milliarden Euro) oder Capvis (1,2 Milliarden Euro) wirken dagegen fast schon klein – aber diese drei Häuser zählen zu den aktivsten im deutschen Mittelstand. Nun ist davon auszugehen, dass sie auch in den nächsten Jahren die Schlagzahl vorgeben werden. Triton hat sogar darüber hinaus noch einen Smaller Midcap Fonds für rund 450 Millionen Euro aufgelegt, um auch in kleinere Unternehmen investieren zu können – der Boom nährt den Boom.

Neue Büros von KKR, Oakley und FSN Capital

Zehn Jahre nach der Finanzkrise ist damit von einem Kapitalengpass bei Private Equity nicht der Hauch einer Spur mehr zu sehen. Die Kehrseite der Medaille: Für die Private-Equity-Häuser wird es immer schwerer, das ihnen anvertraute Kapital auch zu vernünftigen Preisen in den Zielunternehmen unterzubringen. Große PE-Häuser nehmen deshalb immer stärker auch kleinere Mittelständler ins Visier, um ihr Anlageuniversum zu verbreitern.

Diese Deals können sie allerdings nicht zentral über London, New York oder Paris steuern. KKR hat deshalb unter der Leitung von Christian Ollig ein Büro in Frankfurt eröffnet. Der britische Private-Equity-Investor Oakley tat dies im September in München unter der Verantwortung von Ralf Schremper.

Zu diesen Branchenschwergewichten gesellen sich auch viele kleinere Häuser. Fabian Braemisch baut gerade für Gilde Healthcare ein Team in Frankfurt auf. Justin Kent und Robin Mürer tun dies für FSN Capital. Im Dezember konnten die beiden FSN-Partner ihren ersten Deutschland-Deal für die Skandinavier festzurren: Für kolportierte 115 Millionen Euro übernahm FSN Capital Rameder, einen Onlinehändler für Autozubehör. Zudem halten sich Gerüchte, wonach der Finanzinvestor Doughty Hanson – in der Branchenkrise 2009 schwer unter die Räder kommen – mit dem Gedanken spielt, nach Deutschland zurückzukehren.

Prominente Private-Equity-Flops 2018

Bei aller Euphorie hielt 2018 für den ein oder anderen PE-Investor aber auch böse Überraschungen parat. Der Münchener Finanzinvestor Emeram etwa verlor das bekannte Modeunternehmen Bench. Im Mai musste die britische Muttergesellschaft Insolvenz anmelden. Zuvor hatte sie von Emeram mehrfach finanzielle Hilfe erhalten, am Ende vergeblich.

Die Modebranche mit ihrem saisonalen Geschäft und ihren stark schwankenden Cashflows hat im Jahr des Jahrhundertsommers auch die Portfolios anderer Private-Equity-Häuser kontaminiert. EQT zum Beispiel verlor im Februar nach elf Jahren bei dem Modehaus CBR die Geduld und verkaufte es an den britischen Restrukturierer Alteri. Wendepunkt war der gescheiterte Börsengang 2015 – damals war die Modebranche noch in viel besserer Verfassung als heute. Mit Neu-Investments in dem Krisensektor hält sich Private Equity derzeit stark zurück – trotz der drastisch gesunkenen Unternehmensbewertungen von Mode-Labels.

In einem Private-Equity-Rückblick darf in der Rubrik „Flops“ der fränkische Yachtbauer Bavaria nicht fehlen. Das Unternehmen ist der wohl bekannteste Krisenfall und war zum Sinnbild der Private-Equity-Blase in der Finanzkrise geworden. Unter großen Verlusten übergab der damalige Eigentümer Bain die Schlüssel an die beiden Hedgefonds Anchorage und Oaktree um das hochverschuldete Unternehmen zu restrukturieren. Dies ist nicht gelungen. Im April schickten sie Bavaria Yachtbau zehn Jahre nach der Finanzkrise in die Insolvenz.

Die Private-Equity-Krisenkandidaten 2019

Der US-Finanzinvestor Clayton, Dublier & Rice (CD&R) hatte 2018 Probleme mit seinem Portfoliounternehmen Kalle. Die Amerikaner hatten den Wurstpellenhersteller erst im April 2016 von dem Private-Equity-Haus Silverfleet übernommen. Weil das Geschäft anschließend jedoch schwächelte und CD&R Kalle extrem riskant verschuldet hatte, rutschte der Mittelständler in die Krise. Die Kreditgeber machten sich Sorgen um ihr Kapital. Um die Kredite zu verlängern, musste CD&R frisches Kapital nachschießen – eine Atempause für Kalle und CD&R, der nun der richtige Turnaround muss folgen.

Auch Triton hat zu kämpfen, und zwar mit Kelvion. Der Finanzinvestor hat bei seinem Portfoliounternehmen innerhalb von vier Jahren nun schon zum vierten Mal den Finanzchef ausgetauscht – ein Zeichen großer Nervosität. Triton hatte den Wärmetauschspezialisten 2014 für 1,3 Milliarden Euro aus dem Gea-Konzern herausgelöst, in mehrere Geschäftseinheiten unterteilt und unter eine gemeinsame Holding gezogen. Diese ist Moody’s zufolge inzwischen stark überschuldet. Die Anleihe der Holding notiert nur noch bei 23 Prozent ihres Nennwerts. Dies lässt eine hohe Wahrscheinlichkeit für eine bevorstehende Finanzrestrukturierung erkennen.

philipp.habdank[at]finance-magazin.de

Ende Januar veröffentlich FINANCE auch die exklusiven Marktdaten des deutschen Private-Equity-Midmarkets und die dazu gehörige Dealliste 2018. Die News mit den Marktdaten erscheint am Dienstag, den 29. Januar hier auf FINANCE-Online. Ab diesem Tag können Sie auch die Dealliste 2018 hier in unserem FINANCE-Shop herunterladen.