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Porsche könnte schon im September an die Börse

Steht am Ende des Horizonts der Börsengang von Porsche? Foto: Porsche
Steht am Ende des Horizonts der Börsengang von Porsche? Foto: Porsche

Der Startschuss ist gefallen: Porsche soll schon bald an die Börse. Wie der Mutterkonzern Volkswagen am gestrigen Montagabend nach Börsenschluss mitteilte, soll der Luxussportwagenhersteller vorbehaltlich der weiteren Kapitalmarktbedingungen zwischen Ende September und Anfang Oktober den Sprung aufs Parkett machen. Gehandelt werden sollen die neuen Aktien künftig im Prime Standard der Frankfurter Wertpapierbörse.

Volkswagen und Porsche ziehen dabei an einem Strang: Auch der Porsche-Vorstand hat mit Zustimmung des Aufsichtsrats beschlossen, die Transaktion weiter zu verfolgen und „in die nächste Phase der Vorbereitungen einzutreten“, wie das Unternehmen mitteilte.

Volatiles Marktumfeld beeinflusst Porsche-Börsengang

Wie auch Volkswagen macht Porsche aber deutlich, dass das derzeitige volatile Marktumfeld den Börsengangplänen einen Strich durch die Rechnung machen könnte: Die weiteren Schritte stünden unter dem Vorbehalt der Marktentwicklung, weiterer Prüfungen sowie Gremienentscheidungen.

Die Aktionäre sind angesichts der guten Nachrichten dennoch verzückt: Die Volkswagen-Aktie legte am heutigen Dienstag im frühen Handel bereits um fast 3 Prozent zu und notiert aktuell bei Werten um 147 Euro. Den Börsengang sollen übereinstimmenden Berichen zufolge als Joint Global Coordinators die Bank of America, Citigroup, Goldman Sachs und J.P. Morgan begleiten. Ebenfalls an dem IPO beteiligt sein soll unter anderem die Deutsche Bank.

Gerüchte um Porsche-IPO sickerten schon 2021 durch

Mit der aktuellen Ankündigung konkretisieren die Wolfsburger ihre Aussagen aus dem Februar, den IPO von Porsche zu prüfen und den Börsengang von Porsche noch in diesem Jahr zu vollziehen. Gerüchte um einen Börsengang von Porsche sickerten bereits Ende vergangenen Jahres durch.

Auch die geplante IPO-Struktur ist keine Überraschung: Wie bereits angekündigt, erfolgt der Börsengang in mehreren Schritten. Zunächst wird das Grundkapital der Porsche AG in je 50 Prozent Vorzugs- und Stammaktien unterteilt. Bis zu 25 Prozent der Porsche-Vorzugaktien will Volkswagen dann bei Investoren platzieren, was etwa 12,5 Prozent des Grundkapitals entspricht.

CFO-Profil

Die Stammaktien sollen nicht platziert werden. Dafür will die Porsche Automobil Holding SE (die Dach-Holding) 25 Prozent plus eine Aktie des Porsche-Stammaktienkapitals von Volkswagen kaufen – zum Platzierungspreis der Vorzugsaktien zuzüglich einer Prämie von 7,5 Prozent. Durch diesen Schritt sichert sich die Holding eine Sperrminorität bei Porsche.

Nach dem IPO wird Volkswagen Porsche weiterhin in der Bilanz vollkonsolidieren. Darüber hinaus soll die „bestehende industrielle und strategische Kooperation zwischen Volkswagen und Porsche“ nach dem Börsengang „umfassend“ fortgesetzt werden. Neu ist, dass der VW-Großaktionär Katar eine der größten Zuteilungen – 4,99 Prozent – erhalten soll, wie das „Handelsblatt“ und die „Süddeutsche“ berichten.

Porsche könnte mit bis zu 80 Milliarden Euro bewertet werden

Bei dem IPO könnte Porsche mit 60 bis 80 Milliarden Euro bewertet werden – wird der Maximalwert erreicht, wäre dies fast genauso viel, wie Volkswagen aktuell an der Börse wert ist (rund 86 Milliarden Euro). Damit steht Volkswagen ein Bruttoerlös von bis zu 20 Milliarden Euro in Aussicht.

Sollte der Börsengang gelingen, will Volkswagen auf einer außerordentlichen Hauptversammlung im Dezember eine Sonderdividende von 49 Prozent der Bruttoerlöse des Börsengangs vorschlagen. Die restlichen IPO-Erlöse will Volkswagen dann in die eigene Transformation investieren, sprich: in neue Batterietechnik und das kriselnde Software-Projekt Cariad.

Damit der Börsengang gelingen kann, müssen verschiedene Parteien eng miteinander zusammenarbeiten: Neben dem seit wenigen Tagen amtierenden VW-Chef Oliver Blume, der in Personalunion auch CEO von Porsche ist, werden auch sein CFO und COO Arno Antlitz sowie Porsche-CFO Lutz Meschke alle Hände voll zu tun haben. Aber auch die Eigentümerfamilien Piëch und Porsche, die durch den Börsengang wieder mehr Macht bei den Sportwagenhersteller gewinnen, die Arbeitnehmervertreter und das Land Niedersachsen müssen abgeholt werden.

Parallel steht Volkswagen vor gleich mehreren Herausforderungen, Stichworte: E-Mobilität und wirtschaftspolitische Gemengelage. Um welche Sorgenkinder sich das Vorstandsduo Blume/Antlitz dringend kümmern muss und wie die Transformation von Volkswagen letztlich gelingen kann, beleuchtet die aktuelle Titelgeschichte des FINANCE-Magazins.

olivia.harder@finance-magazin.de | + posts

Olivia Harder ist Redakteurin bei FINANCE und verfolgt schwerpunktmäßig die aktuellen Entwicklungen im Private-Equity- und M&A-Geschäft. Sie hat Philosophie, Politikwissenschaften, Soziologie und Geographie an der Justus-Liebig-Universität in Gießen studiert, wo sie auch einen Lehrauftrag innehatte. Vor FINANCE arbeitete Olivia Harder in den Redaktionen mehrerer Wochen- und Tageszeitungen, unter anderem beim Gießener Anzeiger.

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