Inside Corporate Banking

Abonnements

Startseite Finanzierungen Deutschland Takko und NRW liefern sich Schlammschlacht um Bürgschaft

Takko und NRW liefern sich Schlammschlacht um Bürgschaft

Hat Takko die NRW-Landesbürgschaft nicht angenommen?
Takko Fashion

Zwischen dem Modehändler Takko und dem Land NRW ist ein regelrechter Streit ausgebrochen: Beide Parteien geben nun in kryptischen Mitteilungen dem jeweils anderen die Schuld daran, dass die dringend benötigte Landesbürgschaft nicht zustande gekommen ist.

Am Montag gab der Mode-Discounter zunächst bekannt, dass die Verhandlungen um den Landesbürgschaftskredit des Landes NRW, den Takko im Februar beantragt hatte, „de facto gescheitert sind“. Die Schuld dafür gab Takko unter anderem auch dem Big-Four-Haus PwC, dass für NRW prüfen sollte, ob Takko die auferlegten Kreditbedingungen erfüllt. Laut Takko seien diese aber gar nicht zu erfüllen gewesen. „Die Bürgschaft hätte uns als profitables Unternehmen wieder Luft zum Atmen verschafft, um kurzfristig die operativen Kosten zu decken. Um mehr wäre es nicht gegangen“, beklagte sich Karl-Heinz Holland, Beiratsvorsitzender und Interims-CEO.

NRW schlägt bei Takko zurück

Das Land NRW sah das anders und schlug am späten Montagnachmittag zurück. Das Wirtschaftsministerium NRW veröffentlichte ein zunächst unscheinbares Statement, das allgemein darüber informiert, wie viele Bürgschaften im Zuge der Coronakrise bisher bewilligt wurden.

Im zweiten Absatz heißt es dann: „Die Landesregierung bedauert vor diesem Hintergrund, dass Takko das Angebot der staatlichen Bürgen, einen Kredit für die betriebsnotwendige Liquidität zu besichern, nicht angenommen hat. Denn Takko ist ein leistungsfähiges Unternehmen mit engagierten Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen.“ In der Lesart der Landesregierung sei man also durchaus bereit gewesen, eine Bürgschaft zu vergeben.

Stellen sich Eigentümer und Stakeholder bei Takko quer?

Weiter heißt es in der Mitteilung – ohne einen konkreten Unternehmensnamen zu nennen – dass es üblich in der derartigen Fällen sei, dass sich eine Bürgschaft nur auf jene Kreditmittel beschränke, die für den Fortbestand des Unternehmens erforderlich seien. Dabei sei „ein angemessener Beitrag des Unternehmenseigentümers erforderlich, ebenso Beiträge sonstiger Stakeholder“.

Damit könnte NRW auf die komplexen Eigentümerverhältnisse samt Finanzierungsstruktur von Takko anspielen. Im Sommer gab es ein Hin und Her zwischen dem Takko-Management, dem Private-Equity-Investor und Haupteigentümer Apax, sowie den Bondholdern, nachdem der Modehändler wegen des Coronavirus Zinszahlungen ausgesetzt hatte. Die Lage hatte sich aber kurzzeitig wieder beruhigt. Waren die Beteiligten nun nicht zu einem laut NRW „angemessenen Beitrag“ bereit?

„Boni, Beratungskosten und Anleihezinsen, die aus dem Anteilserwerb resultieren, können nicht Gegenstand staatlicher Unterstützung sein“, heißt es weiter seitens NRW. Es könne nicht sein, dass der Steuerzahler und die Mitarbeiter in angespannten Situationen die Hauptlast tragen müssen und der Anteilseigner weitgehend außen vor bleibt.

Landesbürgschaft: Takko wehrt sich

Das lässt Takko nicht auf sich sitzen. Am späten Montagabend schlägt der Mode-Discounter zurück: „Banken als auch Eigentümer waren bereit, finanzielle Mittel zur Verfügung zu stellen.“ Aus diesem Geld hätten Takko zufolge alle Zinszahlungen für die Dauer des Staatskredits gezahlt werden können.

Zusätzlich wehrt sich Takko gegen den impliziten Vorwurf, dass Boni angeblich aus staatlichen Mitteln gezahlt werden sollten. „Das Management hatte sich bereit erklärt, auf jegliche Bonuszahlungen zu verzichten“, schrieb das Unternehmen aus Telgte. „Takko Fashion ist mit 130 Millionen Euro eigener Mittel in die Krise gestartet und benötigt jetzt erst, nach fast drei Monaten Lockdown, staatliche Unterstützung“, heißt es weiter.

Auch auf die vom Land angesprochenen Beraterkosten nimmt Takko Stellung und schiebt dafür den Corona-Maßnahmen die Schuld zu. Ein großer Teil der Beraterkosten sei nur zustande gekommen, weil der Staat im Zuge des Lockdowns Filialschließungen verordnet hat. Takko hatte im Zuge der komplizierten Finanzierungsverhandlungen 2020 auf viele Berater gesetzt, unter anderem Gleiss Lutz, One Square Advisors, Simpson Thacher & Bartlett sowie die Sanierungsrechtler von Wellensiek.

Takko-Landesbürgschaft: War die Summe das Problem?

Auffällig im Streit zwischen den beiden Parteien ist, dass Takko immer wieder von einer „nicht gewährten Landesbürgschaft“ spricht, während das Land NRW behauptet, dass eine Bürgschaft für die „betriebsnotwendige Liquidität“ angeboten worden sei. Das lässt vermuten, dass sich beide Parteien womöglich nicht auf die Höhe der Kreditsumme einigen konnten. Über die Höhe des Kredits machten die Parteien bisher keine Äußerung. Laut den „Westfälischen Nachrichten“ soll es dem Vernehmen nach um eine Summe von 31 Millionen Euro gehen.

Dafür, dass Takko nach eigenen Angaben im Lockdown Woche für Woche 10 Millionen Euro verbrennt, wäre die Summe niedrig. Entweder setzt Takko darauf, dass sich das Geschäft schnell erholt oder es gibt noch weitere Geldspritzen. NRW hat sich bisher an 48 Bürgschaften oberhalb von 2,5 Millionen Euro beteiligt und an acht parallelen Bund-Länder-Großbürgschaften ab 50 Millionen Euro.

Das Thema Bürgschaft scheint für Takko nun aber endgültig vom Tisch: Die Filialöffnungen erwecken wieder Zuversicht, heißt es – gleichzeitig suche man nach einer anderen Lösung, „um den Fortbestand des Unternehmens zu sichern“. Viele Optionen hat das hochverschuldete Unternehmen allerdings nicht.  

sarah.backhaus[at]finance-magazin.de

Info

Mehr zu dem Modehändler in der Krise erfahren Sie auf unserer Themenseite zu Takko.

+ posts

Sarah Backhaus ist Redakteurin bei FINANCE und DerTreasurer. Sie hat Journalismus an der Hochschule für Medien, Kommunikation und Wirtschaft in Köln studiert. Sarah Backhaus arbeitete während ihres Studiums unter anderem für Onlinemagazine von Gruner + Jahr und schrieb als freie Journalisten für die Handelszeitung, faz.net und Impulse.