Markus Braun musste einen großen Teil seiner Wirecard-Aktien verkaufen: Die Aktien erlösten noch rund 155 Millionen Euro.

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24.06.20
Finanzierungen

Margin Calls: Ex-Wirecard-Chef muss Aktien verkaufen

Ex-Chef Markus Braun musste in den zurückliegenden Tagen einen Großteil seiner Wirecard-Aktien verkaufen – offenbar nicht aus freien Stücken.

Die Meldungen zu den jüngsten Directors Dealings des Ex-Wirecard-CEOs Markus Braun haben Seltenheitswert: Am gestrigen Abend wurde bekannt, dass der im Zuge des Bilanzskandals abgetretene frühere Wirecard-Chef am Donnerstag und Freitag einen großen Teil seiner Aktien an dem Zahlungsdienstleister verkauft hat.

Wie aus Marktmeldungen hervorgeht, handelt es sich um Verkäufe aufgrund von Margin Calls. Mit diesem Instrument können Wertpapiermakler Investoren dazu zwingen, ihre Verluste zu begrenzen, etwa damit sie noch in der Lage sind, einen Wertpapierkredit zurückzuzahlen. Einem Bericht der Agentur Bloomberg zufolge soll Braun einen Teil seiner Wirecard-Beteiligung von zuletzt 7 Prozent über Kredite finanziert und die Papiere als Sicherheiten hinterlegt haben.

Insgesamt erlöste Braun durch die Verkäufe rund 155 Millionen Euro. Die Aktien des Konzerns, dessen Aktien im Herbst 2018 noch für mehr als 190 Euro gehandelt worden waren, wurden zwischen 21,88 und 43,96 Euro verkauft. Der Durchschnittspreis, den Braun erlöste, liegt bei knapp unter 30 Euro je Stück. Bevor am Donnerstag bekanntgeworden war, dass der Wirtschaftsprüfer EY Wirecard das Bilanztestat verweigert, lag die Aktie noch bei 100 Euro. Der aktuelle Kurs liegt unter 17 Euro. 

Ex-CEO Braun verkauft Großteil seiner Aktien

Insgesamt hat Braun sich überschlägig von rund 5,5 Millionen Aktien getrennt. Zuletzt gehörten ihm als größtem Einzelaktionär rund 7 Prozent des Unternehmens, gemessen an den knapp 123,6 Millionen Wirecard-Anteil entsprach dies 8,7 Millionen Aktien. Durch die Verkäufe sinkt Brauns Anteil unter die 3-Prozent-Schwelle.

Braun soll nach Informationen der „Financial Times“ Ende 2017 gut 4 Millionen Aktien als Sicherheit für einen 150 Millionen Euro schweren Kredit bei der Deutschen Bank hinterlegt haben. Nach damaligem Kurs war das Paket rund 350 Millionen Euro wert. Mit den nun getätigten Margin-Call-Verkäufen wäre diese Kreditsumme gedeckt.

Wirecard-Börsenwert bricht um 10 Milliarden Euro ein

Nachdem in der vergangenen Woche ans Licht gekommen war, dass Buchungen über 1,9 Milliarden Euro vermutlich gar nicht existieren, hat die Wirecard-Aktie massiv verloren. Seit Mittwochabend – dem Abend vor Bekanntwerden der Vorwürfe – verloren die Papiere gut 10 Milliarden Euro an Wert. Schätzungen zufolge könnte Braun durch die Kursverluste mehr als 500 Millionen Euro verloren haben. 

Braun steht inzwischen als Mittäter unter Verdacht und ist derzeit gegen eine Kaution von 5 Millionen Euro sowie wöchentliche Meldeauflagen auf freiem Fuß. Sein ehemaliger COO Jan Marsalek soll sich einem Medienbericht zufolge inzwischen auf die Philippinen abgesetzt haben, in das Epizentrum des Bilanzbetrugs. Ob er per Haftbefehl gesucht wird, wollte die Staatsanwaltschaft München „weder bestätigen noch dementieren“. 

Neu-CEO Freis soll Wirecard-Affäre aufklären

Der aus Österreich stammende Braun muss sich künftig wöchentlich bei der Polizei melden. Ihm werden derzeit „unrichtige Angaben“ in den Bilanzen und Marktmanipulation vorgeworfen, weitere Straftaten könnten je nach Ausgang der Ermittlungen hinzukommen. Laut Staatsanwaltschaft soll der Manager in einem ersten Gespräch seine Kooperation zugesagt haben.

Vom alten Vorstand ist derzeit nach wie vor noch CFO Alexander von Knoop im Amt. Er betreute bis vor Kurzem auch das Themenfeld Compliance. Die Aufklärung der Affäre soll der ursprünglich als Compliance-Officer angeheuerte kommissarische Wirecard-Chef James Freis übernehmen. Er leitete von 2007 bis 2012 im US-Finanzministerium in Washington eine Einheit zur Bekämpfung von Finanzkriminalität.

sabine.reifenberger[at]finance-magazin.de

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