Alexander von Knoop ist für die Finanzen bei Wirecard zuständig – und hätte eigentlich die Zahlen bei dem Skandal-Unternehmen im Blick haben sollen.

Wirecard

24.06.20
CFO

Wirecard: Was ist mit CFO Alexander von Knoop?

Seit 2005 arbeitet Alexander von Knoop bei Wirecard, seit 2018 ist er CFO. Er hätte die Zahlen und Guthaben des Dax-Konzerns im Blick haben sollen. Was wird aus ihm?

Seit EY Wirecard das Testat für die Jahresbilanz 2019 verweigert hat, überschlagen sich die Ereignisse bei dem Zahlungsdienstleister. 1,9 Milliarden Euro sind verschwunden, COO Jan Marsalek wurde gefeuert, Ex-Chef Markus Braun sogar der Haftrichterin vorgeführt. Er ist nur wegen einer Kautionszahlung von 5 Millionen Euro noch auf freiem Fuß. Trotz des gewaltigen Bilanzskandals sind zwei Vorstände aber immer noch im Amt: Produktchefin Susanne Steidl – und ausgerechnet der Herr der (wahrscheinlich unrichtigen) Zahlen, CFO Alexander von Knoop.

CFO Alexander von Knoop ist seit 2005 bei Wirecard

Noch richten sich alle Blicke im Bilanzskandal auf Braun, der Wirecard seit 2002 mit harter Hand geführt hat. Doch bei Bilanzskandalen gerät normalerweise immer auch schnell der CFO in Bedrängnis. Aber was ist mit dem Mann, in dessen Ressort die Bilanzierung und das Cash Management eigentlich fielen?

Von Knoop ist ein Insider par excellence, schon 2005 wechselte er zur Wirecard Bank. Ironie der Geschichte: ausgerechnet als Interner Revisor. Zuvor war von Knoop viele Jahre bei PwC tätig, unter anderem als Prüfungsleiter im Banking-Sektor. Bei der Wirecard Bank arbeitete er sich über die Jahre nach oben, 2014 wurde er Vorstand. Vier Jahre später, im Januar 2018, machte ihn der Konzern zum CFO

Von Knoop: „Wirecard gehört unbedingt in den Dax“

Von Knoop folgte damals auf Burkhard Ley, der zwölf Jahre lang die Finanzen bei dem Zahlungsdienstleister verantwortet hatte. Ley hinterließ ihm bereits erbitterte Fehden mit Shortsellern und einen angekratzten Ruf, nachdem schon 2016 der ominöse „Zatarra-Report“ öffentlich Fehlbuchungen und Luftgeschäfte bei Wirecard angeprangert hatte

Zwischenzeitlich schien es so, als könnte es von Knoop gelingen, die Lage zu beruhigen. Im Herbst 2018 machte ihn Wirecards Höhenflug sogar zum Dax-CFO. Damals bekräftigte von Knoop in einem FINANCE-Interview, dass Wirecard trotz der weiter grassierenden harten Vorwürfe „unbedingt in den Dax“ gehöre.

Angesprochen auf die Shortseller-Attacken betonte er: „Wir haben aus Angriffen gelernt und bei der Erklärung unseres Geschäftsmodells bereits große Fortschritte gemacht.“ Der Geschäftsbericht sei anschaulicher geworden, Wirecard habe weitere Kennzahlen aufgenommen, zum Beispiel das Transaktionsvolumen und die Mitarbeiterzahl in einzelnen Regionen, um die Transparenz zu steigern.

FINANCE-Köpfe

Alexander von Knoop, Wirecard AG

Alexander von Knoop startet seine Karriere 2001 als Investment Management Associate bei PricewaterhouseCoopers in Frankfurt.

2005 wechselt er als Interner Revisor zu der Wirecard Bank in Grasbrunn, wo er später im Jahre 2014 zum Vorstandsmitglied wird. Im Jahr 2016 wird er neben seiner Tätigkeit bei Wirecard auch Non-Executive Director bei GI Technology in Chennai, Indien.

Seit dem 1. Januar 2018 ist Alexander von Knoop CFO des Zahlungsdienstleisters Wirecard.

zum Profil

„Der beste Schutz vor Attacken ist ein Urvertrauen der Investoren in das Unternehmen“, erklärte er damals. Und dann sagte er etwas, was ihn jetzt wieder einholen könnte, sollte er reklamieren, dass die etwaigen Fehlbuchungen außerhalb seines Sichtfelds passiert seien: „Durch meinen Hintergrund bei der Wirecard Bank kenne ich neben den Produkten und deren Umsetzung auch die regulatorischen Anforderungen und das Risikomanagement sehr gut.“

Gefährliche Aussagen von CFO Alexander von Knoop

Vor allem aber war von Knoop für die Themenfelder Compliance und Rechtswesen zuständig. Damit steht er im Zentrum des Sturms. Erst vor wenigen Wochen, im Mai, gab der Finanzchef diese Verantwortlichkeiten ab, als mit der Zuspitzung der Krise ein eigenes Vorstandsressort „Integrity, Legal and Compliance“ geschaffen wurde. Stattdessen übernahm er von Braun die Investor Relations.

Sein Einstand in dieses Ressort ist rückblickend ein Desaster. Nachdem EY um mehr Zeit für die Testierung des Jahresabschlusses bat und obwohl längst offensichtlich war, dass es gravierende Prüfhemmnisse gibt (die auch schon die Forensiker von KPMG angeprangert hatten), erklärte der CFO: „Ich gehe davon aus, dass sich keine wesentlichen Abweichungen dieses sehr intensiv geprüften Abschlusses gegenüber den gemeldeten vorläufigen Zahlen ergeben.“ Unter anderem wegen Aussagen wie dieser ermittelte die Bafin schon vor dem Platzen der Bilanzbombe gegen den gesamten Vorstand von Wirecard – wegen Marktmanipulation.

Die Fondsgesellschaft Deka und die Aktionärsschützer von der DSW fordern bereits öffentlich den Rücktritt des Finanzvorstands. Noch wird er womöglich gebraucht, damit der neue Wirecard-Interims-Chef, der US-Compliance-Experte James Freis, sich einen Überblick über die Finanzlage verschaffen kann.

Außerdem laufen auch noch intensive Verhandlungen mit den Banken, die hinter einer rund 1,9 Milliarden Euro schweren Kreditlinie stehen, die sie seit vergangenem Freitag kündigen dürfen – und Freis ist kein Finanzierungsexperte. Lange wird sich von Knoop vermutlich trotzdem nicht mehr im Amt halten können.

julia.schmitt[at]finance-magazin.de

Die Entwicklungen bei dem Zahlungsdienstleister können Sie auf der Themenseite Wirecard nachlesen. Die neuesten Updates rund um den Bilanzskandal finden Sie in unserem Ticker zu Wirecard.

Das Magazin-Interview mit Alexander von Knoop aus dem September 2018 finden Sie hier.