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02.04.19
Finanzierungen

Mehr Zeit für Steinhoff

Steinhoff verschafft sich etwas mehr Luft für die Restrukturierung: Kläger in den Niederlanden gewähren eine weitere Schonfrist, und der Konzern erzielt eine wichtige Einigung mit dem XXXLutz-Eigentümer.

Kurze Atempause für Steinhoff: Der Krisenkonzern erhält von dem niederländischen Anlegerverband VEB/European Investors mehr Zeit. Der Verband hat Steinhoff in einer Sammelklage in den Niederlanden wegen laut VEB fehlerhaften und irreführenden Bilanzierungen, Prospekten und Veröffentlichungen verklagt. Die beiden Parteien hatten sich bereits im vergangenen Herbst auf einen Waffenstillstand bis zum 3. April geeinigt. Diese Vereinbarung ist nun bis zum 15. Mai verlängert worden, wie Steinhoff am heutigen Dienstag bekannt gab.

Der Anlegerverband habe der Verlängerung zugestimmt, da er die Stabilisierung des Konzerns weiterhin unterstütze, heißt es zur Begründung. Steinhoff steckt mitten in einer im Dezember beschlossenen Umschuldung über 7,7 Milliarden Euro, nachdem rund ein Jahr zuvor Bilanzunregelmäßigkeiten bekannt wurden. Ein kürzlich veröffentlichter Untersuchungsbericht von PwC erhärtet den Verdacht der Bilanzmanipulation bei dem Möbelhersteller.

Steinhoff einigt sich mit XXXLutz-Eigentümer

Die Verlängerung des Standstill mit VEB folgt auf einen anderen wichtigen Etappensieg des Konzerns: Vor wenigen Tagen konnte Steinhoff sich mit dem XXXLutz-Eigentümer Andreas Seifert einigen, der den milliardenschweren Umschuldungsplan über seine Gesellschaft LSW torpediert hatte.

Die Auseinandersetzung mit Seifert dauert schon seit 2015 an. Hintergrund der Streitigkeiten sind die Eigentumsverhältnisse bei dem französischen Möbelkonzern Conforama. Forderungen, die Seifert in diesem Zusammenhang gegenüber Steinhoff erhoben hatte, wollte der Konzern nicht anerkennen. Um eine Einigung mit Seifert zu finden, bat Steinhoff seine Gläubiger daher um eine Verlängerungsfrist – und um Zustimmung zu „gewissen Ergänzungen und Anpassungen“ an den Sanierungsverfahren für Steinhoff Europe (Seag) und die Steinhoff Finance Holding (SFHG).

Frist für Steinhoff-Restrukturierung bis 31. Mai verlängert

Die Gläubiger haben der Verlängerung und den Anpassungen zugestimmt – und Steinhoff hat sich in diesem Zuge nun auch mit Seifert geeinigt. Wie genau die Vereinbarung zwischen Steinhoff und Seifert aussieht, ist allerdings nicht bekannt. Damit dürfte der milliardenschweren Umschuldung jetzt aber nichts mehr im Wege stehen. Der Konzern hat nun bis zum 31. Mai Zeit für die Umsetzung der Pläne.

antonia.koegler[at]finance-magazin.de

Die ganze Geschichte zum Skandal finden Sie auf der FINANCE-Themenseite Steinhoff. Weitere Bilanzmanipulationen haben wir für Sie auf der Themenseite Bilanzskandale zusammengefasst.