Steinhoff und der Anlegerverband VEB/European Investors wollen ihre Rechtsstreitigkeiten bis April 2019 ruhen lassen.

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18.10.18
Finanzierungen

Steinhoff vereinbart mit Klägern Waffenstillstand

Der gebeutelte Möbelkonzern Steinhoff und ein Anlegerverband wollen ihre Streitigkeiten zunächst ruhen lassen. Für Steinhoff ist das ein Lichtblick inmitten der schwierigen Sanierung.

Zwischenerfolg für Steinhoff: Wie der skandalgeplagte Möbelhändler mitteilt, hat sich der Konzern mit dem Anlegerverband VEB/European Investors auf ein Stillhalteabkommen geeinigt. Das soll Steinhoff Luft verschaffen, um sich der finanziellen Sanierung zu widmen.

VEB verklagt Steinhoff in einer Sammelklage auf Schadenersatz wegen Falschbilanzierung und laut VEB unrichtiger Prospekte sowie Veröffentlichungen. Der Anlegerverband will diese Klage nun bis zum 3. April 2019 ruhen lassen, heißt es. Nach dem Ablaufen der Vereinbarung können die Parteien dann ihre juristische Auseinandersetzung fortsetzen oder sich außergerichtlich einigen.

VEB spielt bei der Aufarbeitung des Bilanzskandals eine wichtige Rolle und strengt zahlreiche Klagen an: Der Verband will unter anderem die Commerzbank und die Wirtschaftsprüfer von Deloitte wegen ihrer Rolle beim Steinhoff-Börsengang verklagen

Steinhoff schickt Mattress Firm ins Chapter 11

Steinhoff befindet sich inmitten der größten Krise der Konzerngeschichte, nachdem im Dezember 2017 Bilanzunregelmäßigkeiten enthüllt wurden. Seither musste der Möbelhändler die Vorlage seiner Geschäftszahlen mehrfach verschieben, Notverkäufe durchführen und insgesamt 11 Milliarden Euro abschreiben. An der Börse hat der ehemalige MDax-Konzern 14 Milliarden Euro an Wert verloren und notiert mittlerweile im SDax.

Der nun vereinbarte Waffenstillstand reiht sich in eine größer werdende Zahl an Erfolgen, die der Möbelkonzern zuletzt vermelden konnte. So gelang es Anfang Oktober, die kriselnde US-Tochter Mattress Firm in das dringend notwendige Sanierungsverfahren Chapter 11 zu schicken. Vor zwei Jahren hatte Steinhoff das Unternehmen für 3,8 Milliarden US-Dollar völlig überteuert gekauft.

Hemisphere-Kredit kostet Steinhoff 10 Prozent

Im September gelang es Steinhoff zudem, Finanzschulden der Tochtergesellschaft Hemisphere zu refinanzieren. CFO Philip Dieperink schloss dafür einen neuen ungesicherten Kredit über 775 Millionen Euro ab, der über drei Jahre läuft. Der Preis ist allerdings hoch: Steinhoff zahlt für das Darlehen 10 Prozent Zinsen. Diese muss der Konzern jedoch nicht zwingend jährlich tilgen, sondern kann sie auch gebündelt zum Vertragsende begleichen.

Zuvor hatte Steinhoff bereits verkündet, ein Stillhalteabkommen mit seinen Gläubigern abgeschlossen zu haben. Das soll dem Management drei Jahre Zeit geben, den Schuldenberg von 9,4 Milliarden Euro neu zu ordnen und letztlich zurückzuzahlen. Trotz erster Erfolge ist es bis dahin aber noch ein weiter Weg.

jakob.eich[at]finance-magazin.de

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