Auch die Mittelstandsanleihe von Rickmers bricht ein. Die Panik am Mini-Bond-Markt weitet sich aus.

Rickmers

01.02.16
Finanzierungen

Jetzt auch Kurseinbruch bei Rickmers: Mini-Bond-Panik weitet sich aus

Auch das noch: Nach den verheerenden Abstürzen der Bonds von German Pellets und Scholz bricht jetzt auch die 275 Millionen Euro schwere Mittelstandsanleihe der Reederei Rickmers ein. Eine Erklärung hat das Unternehmen nicht, doch die Investoren sind alarmiert.

Die aufkommende Panik am Markt für Mittelstandsanleihen greift um sich: Jetzt hat es auch den 275 Millionen Euro schweren Bond der Reederei Rickmers erwischt. Am Freitag brach der Bond ohne große Vorwarnung von rund 80 Prozent auf 56 Prozent ein. Eine Erklärung für den Kurssturz hatte das Unternehmen auf FINANCE-Nachfrage nicht. Laut eines Pressesprechers gebe es derzeit keine Meldung seitens des Unternehmens, die einen solchen Kurssturz rechtfertigen würde. Auch andere kursrelevante Entwicklungen im Umfeld des Unternehmens gebe es nicht. Am Freitagabend legte das Unternehmen noch weiter nach und erklärte explizit, dass es an der Umsatz- und Gewinnprognose ohne Abstriche festhält.

Mit verantwortlich für den Kursrutsch könnten Presseberichte der vergangenen Wochen sein, die darauf hindeuten, dass sich die Krise in der Containerschifffahrt noch einmal verschärft hat. Marktbeobachter und Financiers rechnen damit, dass nun einigen Anbietern endgültig die Luft ausgehen könnte. Diese Stimmen belasteten auch den Aktienkurs von Hapag-Lloyd. Indes: Die drei Bonds von Hapag Lloyd notieren allesamt bei oder über 100 Prozent. Der heftige Einbruch bei Rickmers könnte daher auch noch andere Ursachen haben.

Die Rickmers-Anleihe bricht nicht zum ersten Mal ein

Die Rickmers-Anleihe ist zudem nicht zum ersten Mal eingebrochen: Mitte Dezember ging es für den Bond bereits von 90 auf knapp über 70 Prozent runter. Dieser Rutsch ließ sich damals auf einen kritischen Pressebericht zurückführen, der Zweifel an den Wertansätzen der Rickmers-Schiffe weckte. Das Unternehmen begegnete dem Bericht mit einer ausführlichen Stellungnahme sowie einer Reihe neuer Fakten und konnte die Lage mit Hilfe dieser transparenten Kapitalmarktkommunikation wieder beruhigen.

Doch die Hiobsbotschaften von Scholz und German Pellets haben die Skepsis gegenüber so gut wie allen Mini-Bond-Emittenten wachsen lassen, schließlich hatten beide Unternehmen ihre schweren Probleme gegenüber Medien und Investoren viele Monate lang heruntergespielt – Zeit, die mancher Großinvestor zum rechtzeitigen Ausstieg nutzen konnte. Scholz muss seine Anleihe jetzt restrukturieren, der Holzverarbeiter German Pellets die Laufzeit verlängern. Den Bondholdern beider Unternehmen drohen im Fall eines Scheiterns gravierende Verluste.

German Pellets verschwieg Schieflage von Kago

An diesen Beispielen wird ein großes Problem des Minibond-Marktes deutlich: Er ist im Vergleich zum stark regulierten Aktienmarkt nicht transparent genug. Das liegt unter anderem an den weichen Ad-hoc-Meldepflichten, also der Pflicht, kursrelevanten Unternehmensnachrichten unverzüglich zu veröffentlichen. Dieser Umstand schürt derzeit massive Skepsis gegenüber so gut wie allen Mini-Bond-Emittenten.

German Pellets beispielsweise veröffentlichte nicht, dass der Ofenbauer Kago Insolvenz anmelden musste – und das, obwohl German Pellets zum 31. August eigenen Angaben zufolge 23,6 Millionen Euro Darlehen an Kago ausstehen hatte und beide Unternehmen mit Peter Leibold den gleichen Alleingesellschafter haben. Investoren, die die nötigen Ressourcen hatten, um die Schieflage von Kago und die Implikationen für German Pellets zu erkennen, konnten ihre Anleihen noch rechtzeitig verkaufen. Die übrigen Anleger hielt German Pellets mit Beschwichtigungen hin. Den drohenden Ausfall des Kago-Kredits, dessen Höhe immerhin mehr als 30 Prozent des Eigenkapitals von German Pellets zum 30. Juni 2015 ausmachte, vermeldete German Pellets nicht. Einem Rickmers-Sprecher zufolge liegt ein vergleichbares Szenario bei der Reederei nicht vor.

Doch die momentane Situation bei Rickmers ist unübersichtlich – nicht nur wegen der schwierigen Branchenverfassung: Ein seit längerem geplanter Börsengang, der die im Halbjahresfinanzbericht 2015 ausgewiesene Eigenkapitalquote von 23,2 Prozent stärken soll, hat noch nicht stattgefunden. Zudem verhandelt CFO Mark-Ken Erdmann über die Verlängerung von im Jahr 2018 fälligen Bankkrediten im Volumen von 475 Millionen Euro. Allerdings läuft auch die Anleihe erst im Jahr 2018 aus, so dass von größeren kurzfristigen Fälligkeiten bei Rickmers derzeit nichts bekannt ist. Den Investoren genügt dies in der momentanen Marktlage aber offenbar nicht, um an ihrem Investment festzuhalten.

philipp.habdank[at]finance-magazin.de

Scholz, German Pellets, Rickmers und Co.: Die Panik am Mini-Bond-Markt greift um sich. Mit der FINANCE-Themenseite zu Mittelstandsanleihen bleiben sie auf dem Laufenden.