Der Technologiekonzern Voith hat den größten Schuldschein des ersten Quartals begeben. Das Papier ist an einen Nachhaltigkeitsfaktor gekoppelt.

Voith

16.04.20
Finanzierungen

Preisniveau am Schuldscheinmarkt zieht an

Auch am Schuldscheinmarkt geht die Coronakrise nicht spurlos vorbei. Wer den Markt anzapft, muss tiefer in die Tasche greifen. Debüt-Emittenten und ausländische Unternehmen halten sich gleich ganz zurück.

Am Schuldscheinmarkt gibt es nach wie vor Aktivität: In den ersten drei Monaten des Jahres 2020 wurden laut dem Datenanbieter Refinitiv Schuldscheine über 3,72 Milliarden Euro platziert – nur 4 Prozent weniger als zum Jahresauftakt 2019. Andere Marktanalysen sehen sogar ein etwas höheres Volumen als im vergangenen Jahr. Business as usual trotz Coronavirus-Krise also? Nicht ganz, auch in dem intransparenten Schuldschein-Markt hinterlässt die Pandemie spuren, wie das neue FINANCE-Schuldschein-Update zeigt.

Coronakrise trifft den Schuldscheinmarkt

Insgesamt wurden laut Refinitiv in den ersten drei Monaten 27 Transaktionen abgewickelt (Settlement Date). Die Marktdaten des ersten Quartals, die Refinitiv vierteljährlich exklusiv für FINANCE zusammenstellt, können Sie nach kurzer Registrierung hier kostenlos herunterladen.

Doch im März, als die Coronakrise auch in Deutschland mit voller Wucht ankam, sank auch die Zahl der neu vermarkteten Schuldscheine deutlich. „Viele Transaktionen wurden im März verschoben oder auf Eis gelegt“, kommentiert Heiko Möhringer, Schuldscheinspezialist von BNP Paribas.

Dass die Aktivitäten im März deutlich zurückgegangen sind, spiegelt sich auch in einer Analyse der Nachrichtenagentur Bloomberg wider. Demnach seien in den ersten drei Monaten des Jahres insgesamt 38 Schuldscheine in die Vermarktung gegangen – allerdings nur noch zehn davon im März.

Einer Analyse der Finanzierungsberatung Capmarcon zufolge haben sich in den ersten drei Monaten zudem Debüt-Emittenten und ausländische Unternehmen am Markt deutlich zurückgehalten.

Die geringe Zahl der ausländischen Schuldscheinemittenten zeigt sich auch in den Top 10 der größten Deals des ersten Quartals: Nur ein Schweizer und ein französisches Unternehmen schafften es in die Refinitiv-Liste, die übrigen Transaktionen entfallen auf deutsche Emittenten.

Schuldscheine werden teurer

Für Unternehmen, die bereits in der Vermarktung waren oder den Schuldscheinmarkt dennoch anzapfen wollten, hatte die Coronakrise handfeste Konsequenzen bei den Finanzierungskosten. So ging es auch dem Automobilzulieferer Schaeffler, der sein Debüt am Schuldscheinmarkt gab: „Aufgrund des angespannten Marktumfelds und der immer schwieriger werdenden Bedingungen während der Vermarktungsphase mussten wir ans obere Ende der Vermarktungsspanne gehen“, sagte ein Unternehmenssprecher. Details zum Pricing verriet der Automobilzulieferer jedoch nicht. Das Unternehmen platzierte einen Green Schuldschein über 350 Millionen Euro – ein Großteil des Erlöses wird zur Refinanzierung nachhaltiger Projekte verwendet.

Einem Bericht von Bloomberg zufolge soll auch der Automobilkonzern BMW den Schuldscheinmarkt angezapft und 200 Millionen Euro eingesammelt haben. Das fünfjährige Papier soll jedoch von nur ein oder zwei Investoren gezeichnet worden sein. Der Preis lag dem Bericht zufolge bei bis zu 150 Basispunkten über Midswap.

„Die Investoren werden auf absehbare Zeit selektiver vorgehen und höhere Risikoprämien verlangen“

Heiko Möhringer, Schuldscheinspezialist bei BNP Paribas

Schuldscheinexperte Möhringer rechnet nicht damit, dass die Preise bald wieder deutlich sinken werden, auch nicht bei einer höheren Aktivität am Schuldscheinmarkt. „Die Investoren werden auf absehbare Zeit selektiver vorgehen und höhere Risikoprämien verlangen“, so Möhringer. Aufgrund der hohen Auslastung der Banken, die häufig als Investoren am Schuldscheinmarkt aktiv sind, rechnet er zudem mit längeren Vermarktungsperioden. Bei den Laufzeiten könnten Investoren etwas kürzer laufende Papiere präferieren.

Digital und grün: Schuldscheintrends setzen sich fort

Zwei Trends des vergangenen Jahres haben sich auch in diesem Jahr bislang am Schuldscheinmarkt fortgesetzt. Dazu zählen digitale Transaktionen: Daimler platzierte erstmals einen vollständig digitalen Schuldschein über die Blockchain, wie die FINANCE-Schwesterpublikation DerTreasurer berichtete. Viele andere, wie auch der Autozulieferer Schaeffler, vermarkteten ihre Schuldscheine über Digitalplattformen. In Schaefflers Fall war es VC Trade.

Auch nachhaltige Finanzierungen (Green Finance) sind weiter im Kommen: Neben der bereits erwähnten Transaktion von Schaeffler platzierte auch der Technologiekonzern Voith einen ESG-linked Schuldschein – es ist mit 400 Millionen Euro die bislang größte Transaktion des Jahres. Der Gashandelskonzern VNG ging ebenfalls mit einem grünen Schuldschein an den Markt – parallel auch vermarktet über die Digitalplattform Finpair.

Die aktuellen Entwicklungen am Schuldscheinmarkt waren vor wenigen Tagen auch Thema im FINANCE-Webinar „Coronakrise und der Kapitalmarkt“, dessen Mitschnitt Sie hier finden.

LBBW dominiert League Tables am Schuldscheinmarkt

Während am Markt durch die Krise Verschiebungen zu erkennen sind, zeigen sich die League Tables der begleitenden Banken stabil. Mehr als 50 Prozent des Marktanteils entfallen auf drei Häuser: Die LBBW, die am Schuldscheinmarkt führend ist, sichert sich mit 15 begleiteten Deals einen Marktanteil von über 32 Prozent. Dahinter folgt mit sieben Deals und 15 Prozent die Unicredit. Ihr auf den Fersen ist die Helaba mit fünf Deals und knapp 10 Prozent Marktanteil.

antonia.koegler[at]finance-magazin.de

Die größten Deals, die aktivsten Banken: Alle wichtigen Infos auf einen Blick im FINANCE-Schuldschein-Update, hier kostenlos verfügbar ist. Die Daten werden von Refinitiv, früher Thomson Reuters LPC, exklusiv für FINANCE zusammengestellt.