FINANCE-Gehaltsreport 2020

Das verdienen CFOs, M&A-Experten, Controller, Treasurer und andere Spezialisten im Corporate Finance

Mit freundlicher Unterstützung von

© Vegefox.Com-stock.adobe.com

Die Corona-Pandemie hält Unternehmen und Wirtschaft in ihren Fängen. Bei etlichen Unternehmen sind Sparprogramme, Kurzarbeit und Restrukturierungen an der Tagesordnung, denn jetzt muss das Geld dringend zusammengehalten werden. Und was bedeutet das für die Gehälter und Jobperspektiven in den Unternehmen? Während viele Mitarbeiter aus Produktion, Marketing oder Sales um ihre Jobs bangen müssen, gilt das für das Gros der Kollegen aus den Finanzabteilungen nicht – im Gegenteil: Sie werden jetzt sogar dringender denn je gebraucht, um die Liquidität zu sichern und die finanziellen Risiken zu überblicken.

Personalexperten glauben daher, dass die Gehälter von Finanzern mindestens stabil bleiben, vielleicht sogar weiter steigen könnten. Das ist ein Ergebnis dieses Gehaltsreports, den FINANCE mit Unterstützung von Hays erstellt hat. Der Report ist eine umfangreiche Analyse der Gehälter in deutschen Finanzabteilungen, die Zahlen speisen sich aus den Einschätzungen von Headhuntern sowie Personal- und Vergütungsexperten.

Zu den Spitzenverdienern gehören CFOs, Leiter M&A und Leiter Finanzen. Besonders gefragt sind jetzt in der Krise aber auch Controller, Treasurer, Risikomanager, und IR-Manager. Manche Berufe haben es aber gerade doppelt schwer: Die Digitalisierung und die Pandemie setzen etwa Buchhaltern zu. Im Interview gibt Hays-Experte Johannes Becker unter anderem Tipps für eine erfolgreiche Gehaltsverhandlung. Denn für die meisten Finanzer gilt: Wer jetzt eine kurze Durststrecke aussitzt und sich in der Krise als besonders zuverlässig und leistungsstark zeigt, kann nach der Pandemie mit den besten Karten in die Gehaltsverhandlungen gehen.

Stimmungsbarometer

Bedeutungszuwachs einzelner Spezialisten im Finanzbereich*

CFO

4,3

Controller

3,5

Treasurer

3,5

IR-Manager

1,5

Risikomanager

1,0

Corporate M&A

0,3

Jobperspektiven einzelner Finanzspezialisten*

Corporate M&A

3,0

CFO

2,0

Controller

1,5

Risikomanager

0,3

Buchhalter

-1,0

Treasurer

-2,0

Gehaltsaussichten einzelner Experten*

Treasurer

2,0

CFO

1,0

Steuerberater

1,0

Buchhalter

0,7

Wirtschaftsprüfer

0,0

Risikomanager

0,0

Quelle: FINANCE
*Systematik

FINANCE hat eine Umfrage unter verschieden Personalberatern durchgeführt. Abgefragt wurde, wie die Experten die Entwicklung einzelner Berufe in den kommenden Jahren einschätzen. Sie konnten Zahlen zwischen -5 (nimmt stark ab) und +5 (nimmt sehr stark zu) angeben. In der Grafik finden Sie die Durchschnittswerte für die am stärksten betroffenen Jobprofile. Die Farben grün (x > 2), gelb (zwischen 1 und 2) und rot (x < 1) dienen als Orientierung, wie der Bereich im Vergleich abschneidet. Der Bedeutungszuwachs bezieht sich darauf, wie sehr das Jobprofil von der Digitalisierung profitiert. Die Jobperspektive darauf, wie stark Stellen in den kommenden Jahren auf- oder abgebaut werden.

Interview

Johannes Becker

Der Personalexperte ist seit 2006 für den Personaldienstleister Hays als Managing Director aktiv. Zuvor war Becker Senior Consultant Transaction Advisory Services bei den Unternehmensberatern von Ernst & Young.

„Jetzt ist Durchhaltevermögen gefragt“

Corona hat viele Finanzexperten verunsichert. Was die Pandemie für Jobperspektiven und Gehaltsaussichten von Controllern, CFOs, Treasurern & Co. bedeutet und welche Skills in der Krise besonders gefragt sind, erläutert Hays-Experte Johannes Becker.

Herr Becker, die Corona-Pandemie hat die meisten Unternehmen in Deutschland völlig unvorbereitet getroffen. Viele Mitarbeiter aus Finanz- und Personalabteilung mussten plötzlich ins Home Office, der persönliche Kontakt war fast komplett weg. Wie hat sich das auf das Recruiting ausgewirkt?

Gerade zu Beginn der Coronakrise im zweiten Quartal 2020 ist die Nachfrage nach Finanzexperten tatsächlich zurückgegangen. Die Unternehmen haben sich darauf konzentriert, bestehende Stellen zu sichern. Teilweise lag der Rückgang aber auch daran, dass eine große Unsicherheit darüber herrschte, wie der Recruiting-Prozess ablaufen soll: Das Reisen war sehr erschwert, persönliche Interviews waren kaum mehr möglich. Auch der Onboarding-Prozess konnte nicht wie bisher durchgeführt werden: Mit Home Office und strengen Abstandsregeln ist eine Einarbeitung schwierig. Doch inzwischen hat sich die Nachfrage nach Finanzern wieder teilweise normalisiert.

Corona hat bei vielen Unternehmen zu deutlichen Umsatzeinbrüchen geführt. Haben die Gehälter von Controllern, CFOs, Accountants & Co. schon einen Dämpfer erlitten?

Es kommt auf die Branchen an. In einigen Branchen wie etwa Automotive oder Tourismus haben sich die Jobperspektiven und entsprechend auch die Gehälter zwangsläufig verschlechtert. Punktuell zeichnet sich in manchen Branchen auch ab, dass Unternehmen Neueinsteigern aktuell ein Gehalt nur am unteren Ende der Gehaltsspanne anbieten, um ihnen dann in Zukunft Entwicklungsperspektiven zu bieten und so attraktiv zu bleiben.

Und wie sieht es außerhalb dieser Verliererbranchen aus?

Flächendeckend sehen wir tatsächlich nur kurzfristig einen Dämpfer. Mittel- und langfristig werden sich Job- und Gehaltsaussichten wieder normalisieren. Fakt ist: Auch wenn manche Projekte wegen Corona zunächst gestoppt wurden, so gibt es nach wie vor einen Fachkräftemangel. Unternehmen müssen gute Leute also mit attraktiven Gehältern überzeugen. Hinzu kommt: Während bestimmte Abteilungen in Unternehmen wie etwa Fertigung oder Produktion einem starken Corona-Effekt ausgesetzt sind und in Kurzarbeit mussten, sieht es im Finanzbereich anders aus, denn Jahresabschlüsse oder Budgetplanungen müssen unabhängig von Corona erstellt werden. So manche Finanzer sind jetzt sogar besonders gefragt.

Welche sind das?

Durch die Umsatzrückgänge kommt dem Risikomanagement und dem Cash Management aktuell eine höhere Bedeutung zu. Auch Controller sind jetzt besonders gefragt, denn sie müssen Kosteneinsparpotentiale identifizieren und bewerten. Szenarienanalysen vervielfachen zum Beispiel den Work-load, genauso eine rollierende Planung.


Hays Fachkräfte-Index für die Nachfrage nach Finance-Spezialisten in Deutschland

Den Referenzwert des Index bildet mit 100 Punkten das erste Quartal 2015.
Quelle: Hays




Das klingt so, als könnten sich Finanzer – im Vergleich zu anderen Berufsgruppen – trotz Corona erst einmal zurücklehnen, weil ihre Stellen nicht gefährdet sind.

Nicht zwangsläufig. Manche, schon vor Corona bestehende Trends wurden durch die Krise noch weiter verschärft. Nach wie vor gilt: Je standardisierbarer eine Tätigkeit ist, umso höher ist der Automatisierungs- beziehungsweise Digitalisierungsgrad. Solche Tätigkeiten werden nachhaltig wegfallen – und das könnte gerade in Krisenzeiten, wo nach Einsparmöglichkeiten gesucht wird, noch schneller passieren als bisher erwartet. Und noch einen Punkt dürfen Bewerber nicht vergessen: Da durch Corona in dem ein oder anderen Unternehmen weniger eingestellt wurde, sind gerade recht viele gute Kandidaten am Markt verfügbar. Das heißt, der Wettbewerb zwischen den Kandidaten steigt.

Was können Controller, Buchhalter, Treasurer & Co. also tun, wenn ihr Job durch die Digitalisierung bedroht ist?

Weiterbildung ist auch für Finanzexperten ein zentraler Hebel, wenn es darum geht, das eigene Profil attraktiv zu gestalten. Erfahrung mit Digitalisierungsthemen ist im Finance-Bereich nach wie vor ein großer Pluspunkt. Wichtig ist, fachliche Themen in der Prozesslandschaft abbildbar machen zu können: Wer zum Beispiel Know-how an der Schnittstelle zu den ERP-Systemen vorweisen kann, wird hiervon monetär profitieren.

Mit welchen Skills können Finanzexperten jetzt außerdem noch punkten?

Gerade Soft Skills haben in der Krise eine wichtige Bedeutung. Führungspersonen wie CFOs oder leitende Finanzer sollten Empathie und Einfühlungsvermögen an den Tag legen, immerhin kann eine Krise für Angst oder Unsicherheit in der Belegschaft sorgen. Auch Kommunikationsstärke ist jetzt wichtig: Mitarbeiter und Belegschaft müssen sehr gut abgeholt werden, Transparenz ist unabdingbar. Nicht zuletzt sind jetzt auch Resilienz und Durchhaltevermögen gefragt, auch wenn vielleicht gerade eine Durststrecke beim Gehalt ansteht. Wenn sich jemand in der Krise als herausragend erwiesen hat, schlägt sich das auch künftig im Gehalt nieder.

Haben Sie einen konkreten Tipp, wie Finanzexperten ihre Gehaltsverhandlungen in diesen wirtschaftlich schwierigen Zeiten am besten angehen sollen?

Grundsätzlich sollten sich Finanzexperten intensiv auf Verhandlungen vorbereiten und aufzeigen, in welchen Situationen und Projekten sie nachweislich einen Wertbeitrag für das Unternehmen geleistet haben. Da Gehaltsverhandlungen jedoch immer von mehreren Faktoren, wie beispielsweise der Branche, dem Unternehmenserfolg, der Rolle und nicht zuletzt der persönlichen Arbeitsleistung, abhängig sind, spielt letztlich auch die Überzeugungskraft des Mitarbeiters eine ausschlaggebende Rolle. Denn trotz Corona sind die Unternehmen auf sehr gute Mitarbeiter angewiesen und können sich nicht erlauben, diese „nur“ aufgrund ausbleibender beziehungsweise gering ausfallender Gehaltserhöhungen an Wettbewerber zu verlieren.

„Der Wettbewerb zwischen den Kandidaten steigt wegen Corona.“

Johannes Becker, Managing Director, Hays

DAX-CFOS

Siemens-CFO ist der Spitzenverdiener

CFOs aus Dax-Unternehmen durften sich im vergangenen Jahr über deutlich steigende Gehälter freuen. Insbesondere Ralf P. Thomas von Siemens profitierte von Langfristboni.

Portfoliomanagement ist seit vielen Jahren das Thema Nummer 1 bei Siemens. Im Frühjahr 2017 fusionierte der Dax-Konzern seine Windkraftsparte mit der spanischen Gamesa. Nur ein Jahr später brachte der Konzern seine Medizintechniksparte Siemens Healthineers an die Börse. Den IPO der Energiesparte hat Siemens im September eingetütet, der Verkauf der Getriebesparte ist sogar erst wenige Wochen her. Dies sind nur einige Themen auf der Agenda von CFO Ralf Peter Thomas.

Das stattliche Aufgabenportfolio machte sich auch im Gehalt bemerkbar: Mit einer Gesamtvergütung von 7,3 Millionen Euro war Thomas 2019 der Top-Verdiener unter den Dax-CFOs, obwohl sein Grundgehalt gerade einmal bei 1,1 Millionen Euro lag. Das geht aus einer Analyse der 2019er Geschäftsberichte der Dax-Konzerne hervor.

Grund für die hohe Vergütung sind zwei Tranchen von Langfristboni in Höhe von 3,9 Millionen Euro. Hinzu kommen neben einem einjährigen Bonus über 1,2 Millionen Euro Nebenleistungen und ein Versorgungsaufwand in Höhe von 655.000 Euro sowie 483.000 Euro aus dem „Bonus Awards“-Programm. Summa summarum ergibt sich eine Gesamtvergütung für Thomas in Höhe von 7,3 Millionen Euro.

Dahinter klafft im Gehaltsranking eine große Lücke bis zum Zweitplatzierten: Mit einer Gesamtvergütung von knapp 5,5 Millionen Euro schaffte es SAP-Finanzchef Luka Mucic auf diesen Rang. Auf Platz drei findet sich Deutsche-Bank-CFO James von Moltke mit 5,2 Millionen Euro wieder.


Finanzchefinnen verdienen weniger

Das geringste Gehalt unter den Dax-CFOs erhielt Beiersdorfs Finanzchefin Dessi Temperley mit einer Gesamtvergütung von 912.000 Euro. Damit steht Temperley aber nicht allein da: Alle vier Dax-Finanzchefinnen, die das ganze Jahr 2019 im selben Konzern angestellt waren, verdienten im vergangenen Jahr deutlich weniger als ihre männlichen CFO-Kollegen.

Am meisten erhielt immerhin noch die Finanzchefin der Deutschen Post, Melanie Kreis: Ihre Gesamtvergütung belief sich auf etwas mehr als 2 Millionen Euro. Helene von Roeder, seit Mai 2018 Finanzchefin des Wohnungsriesen Vonovia, schaffte es mit einer Gesamtvergütung von rund 1,5 Millionen Euro auf den vorletzten Platz der Finanzchefinnen. Ein wenig Vorsprung zu ihr hat Rachel Empey von Fresenius. Der Medtech-Konzern zahlte ihr 2019 ein Gehalt von 1,6 Millionen Euro.

Damit verdienten die Dax-Finanzchefinnen im vergangenen Jahr deutlich weniger als im Durchschnitt der Dax-CFOs üblich, der bei knapp 3 Millionen Euro lag. Und auch die durchschnittlichen Festgehälter der Frauen sind nur nahezu halb so hoch wie der Dax-Durchschnitt.

Besonders deutlich wird diese Lücke auch im Vergleich mit den CEO-Gehältern: Die Dax-Finanzchefinnen verdienten im vergangenen Jahr im Schnitt knapp ein Fünftel des Gehalts ihres CEO. Ihre männlichen Kollegen bekamen im Schnitt rund die Hälfte des CEO-Gehalts.

Die Gehaltsspitze der Dax-CFOs
Ralf P. Thomas (Siemens) 7.325.000 Euro
Luka Mucic (SAP) 5.491.400 Euro
James von Moltke (Deutsche Bank) 5.185.579 Euro
Das Tabellenende der Dax-CFOs
Helene von Roeder (Vonovia) 1.557.535 Euro
Thomas Toepfer (Covestro) 1.291.000 Euro
Dessi Temperley (Beiersdorf) 912.000 Euro
Quelle: FINANCE-Recherche

MDAX-CFOS

Teamviewer-CFO Gaiser mit höchstem Gehalt

Kein MDax-Finanzchef verdiente 2019 so viel wie Stefan Gaiser. Der Teamviewer-CFO erhielt stolze 20,8 Millionen Euro. Neben ihm freute sich ein weiterer Tech-CFO über ein hohes Gehalt.

Es war die Erfolgsstory des vergangenen Jahres: Das erst 2005 gegründete Göppinger Softwareunternehmen Teamviewer ging im Herbst 2019 an die Börse. Der 2,2 Milliarden Euro schwere Deal war der größte deutsche Tech-Börsengang seit dem Jahr 2000 – und zugleich ein Feuerwerk für den Finanz-investor Permira, für den sich sein Investment ziemlich rentiert hat.

Doch nicht nur für Permira hat sich der Börsengang des Portfoliounternehmens mehr als gelohnt. Besonders profitierte auch der Vorstand – und damit neben CEO Oliver Steil auch Finanzchef Stefan Gaiser. Dessen Gesamtvergütung belief sich im vergangenen Jahr auf 20,8 Millionen Euro.

Der Grund für das hohe Gehalt: Der 46-Jährige erhielt allein 19,9 Millionen Euro vom Hauptaktionär Permira als „Teilhabe an der Wertsteigerung des Unternehmens“, wie es im Geschäftsbericht heißt. Daneben bekam der seit Ende 2017 amtierende CFO eine einjährige variable Vergütung in Höhe von 425.625 Euro.

Dabei lag sein Festgehalt im Jahr 2019 gerade einmal bei 452.500 Euro – und damit (selbst mit den Nebenleistungen in Höhe von rund 59.000 Euro) etwas unter dem Schnitt der restlichen MDax-CFOs, die im Durchschnitt rund 530.000 Euro fest einstrichen.


Arnd Zinnhardt auf Platz zwei

Mit deutlichem Abstand auf Rang zwei des Rankings schaffte es mit Arnd Zinnhardt ein CFO-Urgestein: Der kürzlich ausgeschiedene Finanzchef der Software AG belegte diesen Platz trotz seines verhältnismäßig niedrigen Fixgehalts von knapp 442.000 Euro. Seine Gesamtvergütung kann sich für einen MDax-CFO dafür aber durchaus sehen lassen: Sie lag im Jahr 2019 bei rund 4,5 Millionen Euro. Mit Stefan Gaiser und Arnd Zinnhardt belegen gleich zwei Finanzchefs aus der krisenresistenteren Softwarebranche die vorderen Plätze im Gehaltsranking.

Auf Arnd Zinnhardt folgt im Ranking Peter Sassenfeld, der Finanzchef des Frankfurter Baukonzerns Hochtief. Er verdiente mit 4,1 Millionen Euro zwar rund 400.000 Euro weniger als der Zweitplatzierte im Ranking. Allerdings lag sein Festgehalt mit 696.000 Euro nicht nur deutlich über dem Festgehalt von Arnd Zinnhardt, sondern auch deutlich über dem durchschnittlichen MDax-CFO-Gehalt von 530.000 Euro.

Auf dem letzten Tabellenplatz findet sich Thomas Stark, der CFO des IT-Dienstleisters Cancom, wieder. Er kam im vergangenen Jahr bei einem Fixgehalt von 250.000 Euro auf eine Gesamtvergütung in Höhe von rund 501.000 Euro. Seine Fixvergütung war damit nicht einmal halb so hoch wie die der MDax-CFOs im Durchschnitt.

Wie viel weniger als seine Kollegen Stark verdiente, zeigt sich aber nicht nur an seiner fixen, sondern auch an seiner Gesamtvergütung: Der durchschnittliche MDax-CFO strich im vergangenen Jahr rund 2,1 Millionen Euro ein. Thomas Stark verdiente also im Schnitt drei Viertel weniger als seine Kollegen.

Die Gehaltsspitze der MDax-CFOs
Stefan Gaiser (Teamviewer) 20.844.399 Euro
Arnd Zinnhardt (Software AG) 4.484.665 Euro
Peter Sassenfeld (Hochtief) 4.133.000 Euro
Das Tabellenende der MDax-CFOs
Enno Spillner (Evotec) 540.000 Euro
Frank Krause (United Internet) 503.000 Euro
Thomas Stark (Cancom) 501.022 Euro
Quelle: FINANCE-Recherche

FINANCE-TV-Talk mit Hays-Experte Johannes Becker

Hays-Experte Becker: „Finanzgehälter sind trotz Corona stabil“

Corona zwingt viele Unternehmen zum Sparen – auch bei den Gehältern von Finanzexperten wie CFOs, Controllern, Treasurern & Co.? „Die Gehaltsentwicklung ist generell recht stabil“, berichtet Johannes Becker, Managing Director bei der Personalberatung Hays. Aber: „In Branchen, denen es momentan nicht so gut geht, überlegt sich der CFO schon zweimal, ob er eine Position nachbesetzt.“ Punkten können Finanzexperten gerade jetzt mit Führungskompetenz und Empathie. Welche Jobs noch immer gute Perspektiven haben und ob man trotz Corona um Gehaltserhöhungen verhandeln sollte – der TV-Talk mit Johannes Becker.

Zu FINANCE TV

CFOS UND BEREICHSLEITER

Starke Leader in Finanzabteilungen gesucht

Corona fordert vor allem Führungskräfte heraus: CFOs und ihre leitenden Mitarbeiter in der Finanzabteilung müssen sich jetzt besonders beweisen. Dafür winken ihnen hohe Gehälter.

Wer sich bis zu einer Führungsposition hochgearbeitet hat, kann sich neben einem hohen Ansehen meist auch über eine stattliche Vergütung freuen – das gilt auch für Finanzchefs. Während CFOs in kleineren und mittelständischen Unternehmen mit einem Salär von 120.000 Euro rechnen können, zahlen größere Unternehmen und Konzerne mit teils über 400.000 Euro deutlich mehr. Besonders lukrativ sind die Gehälter der CFOs von MDax- und Dax-Unternehmen

Doch die Position bringt auch viel Verantwortung mit sich. Selten war das so augenscheinlich wie während der Coronakrise, als sich innerhalb weniger Wochen die Arbeit in der Finanzabteilung komplett verändert hat: „Plötzlich musste der CFO sein Team ohne physischen Kontakt führen, in einer für alle komplett neuen Arbeitsatmosphäre und in wirtschaftlich schwierigen Zeiten mit großer Verunsicherung“, so Thomas von Ciriacy-Wantrup von der Personalberatung Fricke Finance & Legal.

CFOs müssen sich aufs Team verlassen

Wer sich jetzt als Top-Führungskraft beweist, kann auch in der Krise finanziell gut dastehen. Gerade in der Finanzabteilung nimmt die Arbeitsbelastung durch Corona sogar noch zu: Das Treasury muss die Liquidität im Blick behalten, das Controlling die Budgets neu planen, und die IR-Abteilung die Kommunikation mit Anlegern verstärken. Glücklich kann sich ein CFO schätzen, der sich auf seine Bereichsleiter verlassen kann. Für diese lohnt sich die leitende Position auch finanziell.

Verhältnismäßig bescheiden verdient noch der Leiter des Rechnungswesens, der mit einem Salär von 65.000 Euro startet und sich bis zu 120.000 Euro hocharbeiten kann. Besser sieht es da schon beim Leiter Treasury aus, der sogar an der 200.000-Euro-Marke kratzt. In einer ähnlichen Gehaltsliga befinden sich die Leiter Risikomanagement und die Leiter Investor Relations, wobei Letztere sich über Gehälter von bis zu 250.000 Euro freuen können.

Auch der Chef-Controller erreicht mit bis zu 300.000 Euro ein stattliches Salär, in kleinen Unternehmen sind es aber auch schon mal nur 85.000 Euro. Besonders groß ist die Gehaltsspanne allerdings beim Leiter Finanzen: Verdient ein Manager in kleineren Unternehmen nur 76.000 Euro, sind bei einem größeren Arbeitgeber sogar 350.000 Euro drin. Damit ist der Leiter Finanzen – nach dem CFO – gemeinsam mit dem Leiter M&A häufig der Top-Verdiener in der Finanzabteilung.

„Der CFO von heute ist nah am Puls der Digitalisierung, trifft Entscheidungen mit Weitblick, ist empathisch und kommuniziert Maßnahmen klar, um so die Produktivität zu steigern und das Unternehmen zukunftsfähig zu halten.“

Johannes Becker, Managing Director, Hays

So viel verdient die oberste Führungsriege der Finanzabteilung (Angaben in Euro)

Quellen: Fricke Finance & Legal, Robert Walters, Treuenfels, Robert Half

CONTROLLER

Modernes Controlling so gefragt wie nie

Lange war unklar, wie die Digitalisierung das Controlling und die Gehälter verändert – doch nun gehen Controller neue Wege. Die Coronakrise zeigt, wie wichtig modernes Controlling ist.

Schafft die Digitalisierung die Arbeit des Controllers ab? In der Vergangenheit grassierten solche Angstszenarien immer wieder in der Branche. Kein Wunder, denn die Aufgaben eines Controllers – vom Zusammentragen der Kennzahlen über die Analyse bis hin zur Budgetierung der Finanzmittel – sind vielfach automatisierbar.

Doch inzwischen hat sich herumgesprochen, dass die Situation keineswegs ausweglos ist. Wichtig ist, dass Controller die Digitalisierung als Chance betrachten und sich selbst weiterbilden: Wenn einfache Aufgaben von Maschinen erledigt werden, können sich Controller mit Hilfe neuer digitaler Tools komplexeren Analysen zuwenden.

Verdeutlicht hat das gerade die Coronakrise, in der Controller plötzlich wieder zu begehrten Finanzern wurden, die für finanzielle Planungssicherheit sorgen sollten. Dass der Job des Controllers auch in Zeiten der Digitalisierung sogar immer mehr an Bedeutung gewinnt, zeigt eine Umfrage, die FINANCE unter Personalexperten durchgeführt hat: Auf einer Skala von –5 (= verliert stark an Bedeutung) bis +5 (= gewinnt stark an Bedeutung) vergaben die Experten einen Wert von 3,5 (Vorjahr: 2,0).


Top-Verdiener Beteiligungscontroller

Auch die Jobperspektiven sind für Controller aussichtsreich: Die befragten Gehaltsexperten rechnen damit, dass in den kommenden Jahren mehr Stellen geschaffen werden – trotz Krise. Finanziell lohnt sich der Job vor allem nach einigen Jahren Berufserfahrung und bei bestimmten Spezialisierungen.

„Der Controller von heute ist schon lange nicht mehr nur der Zahlenjongleur. Er agiert proaktiv, ist kommunikationsstark und verfügt über eine hohe Affinität zu IT-Systemen.“

Johannes Becker, Managing Director, Hays

Berufseinsteiger mit bis zu zwei Jahren Joberfahrung können auf ein Jahresgehalt zwischen 40.0000 und 67.500 Euro kommen. Erfahrenere Controller verdienen mindestens 47.000 Euro und in der Spitze sogar bis zu 85.000 Euro. Das höchste Gehalt bekommt der Senior Controller: Sein Jahresgehalt kann auf bis zu 120.000 Euro steigen. Wer sich zudem auf eine Controlling-Funktion spezialisiert hat und sich permanent weiterbildet, hat höhere Gehaltsaussichten.

Financial Controller verdienen im Durchschnitt mindestens 62.500 Euro und können auf bis zu 125.000 Euro kommen. Auch das Gehalt der Risikocontroller kann sich sehen lassen: Je nach Unternehmensgröße und Berufserfahrung sind bis zu 105.000 Euro drin.

Der Top-Verdiener unter den Zahlenexperten ist aber der Beteiligungscontroller: Er kassiert in der Regel nicht weniger als 62.750 Euro, sein Gehalt kann sogar bis zu 145.500 Euro betragen. Perspektivisch dürften die Gehälter im Controlling zudem weiter steigen, schätzen von FINANCE befragte Personalberater.

3,5

Bedeutungszuwachs

1,5

Jobperspektive

2,0

Gehaltsaussichten

So viel verdienen die verschiedenen Controller (Angaben in Euro)

Quellen: Compensation Partners, Fricke Finance & Legal, Robert Half, Robert Walters, Treuenfels

BUCHHALTER

Buchhalter stehen stark unter Beschuss

Seit Jahren schon setzt die Digitalisierung den Job des Buchhalters unter Druck – nun kommt auch noch Corona hinzu. Welche Jobprofile können sich jetzt noch behaupten?

In Krisenzeiten müssen manche Finanzer um ihre Jobs bangen – das gilt vor allem für jene Berufe, die schon vor der Krise unter Druck standen. Dazu gehört auch der Job des Buchhalters. Dies spiegelt sich auch im Stimmungsbild der von FINANCE befragten Experten wider.

So hat sich die Jobperspektive für Buchhalter verschlechtert: Auf einer Skala von –5 (= sehr viele Stellen fallen weg) bis +5 (= sehr viele Stellen werden geschaffen) haben die Experten einen Wert von –1,0 vergeben – im Vorjahr lag er noch bei –0,3. Auch die Gehaltsaussichten haben sich eingetrübt: Vergaben die Experten 2019 auf einer Skala von –5 (= Gehalt geht sehr stark zurück) bis +5 (= Gehalt steigt stark an) noch einen soliden Wert von +2,0, ist dieser 2020 auf +0,7 abgerutscht – die Vergütung wird also größtenteils stagnieren.

Dabei spielt auch die Digitalisierung eine zentrale Rolle: Einfache Tätigkeiten werden zunehmend automatisiert und fallen dadurch teilweise sogar komplett weg. Dieser Trend hat sich zuletzt weiter verstärkt, denn für die Unternehmen liegen die Vorteile klar auf der Hand: Abläufe können schneller, günstiger und fehlerfreier gestaltet werden. Manche Buchhalter rückt das aber auch in neue Rolle: Sie sind dann stärker beratend tätig.


Buchhalter müssen sich strecken

Das zeigt sich auch in den Gehältern. Einfache Sachbearbeiter in der Buchhaltung starten mit einem Jahressalär von 31.250 Euro, nur unwesentlich mehr verdienen Kreditoren- und Debitorenbuchhalter. Bei einem Finanzbuchhalter sieht es schon etwas besser aus: Sein Verdienst beginnt mit 37.750 Euro und kann bis auf 68.500 Euro steigen. Einen großen Sprung machen die Bilanzierungsexperten, die zum Hauptbuchhalter befördert werden: In dem Bereich beginnen die Saläre bei 50.750 Euro und können auf bis zu 89.000 Euro anwachsen.

„Buchhalter werden durch künstliche Intelligenz eine immer größer werdende Rolle in der bilanziellen Beratung des Unternehmens spielen.“

Erich Schwinghammer, Senior Abteilungsleiter, Hays

„Wenn Buchhalter ihr Gehalt weiter steigern wollen, sollten sie sich Fachkenntnisse im Bereich International Accounting aneignen oder diese ausbauen“, rät Daniela Parsiegla, Senior Consultant Professionals bei Treuenfels. Auch Kenntnisse in Steuerthemen seien derzeit stärker nachgefragt. So steigen Internationale Bilanzbuchhalter meist mit einem Gehalt von nicht unter 61.250 Euro ein und können sogar auf ein sechsstelliges Salär von bis zu 103.000 Euro hoffen – das gilt aber vor allem für Bilanzspezialisten in Großkonzernen.

Neben dem Fokus auf internationale Bilanzierungsexpertise wie IFRS oder US-Gaap können Buchhalter ihre Vergütung auch steigern, indem sie sich im Bereich Digitalisierung weiterqualifizieren, meint Parsiegla. „Das kann zum Beispiel über eine Ausbildung als Key User in Programmen wie Datev erfolgen“, so die Personalexpertin. So können Buchhalter die vermeintliche Bedrohung in Form der Digitalisierung sogar noch zu ihrem eigenen Vorteil nutzen.

0,7

Bedeutungszuwachs

-1,0

Jobperspektive

0,7

Gehaltsaussichten

So viel verdienen die verschiedenen Buchhalter (Angaben in Euro)

Quelle: Robert Half

TREASURER

Schatzmeister sind hoch im Kurs

Wegen der Coronakrise sind Treasurer so gefragt wie nie – das macht sich auch im Gehalt bemerkbar. Vor allem Spezialisten im Treasury können auf eine ordentliche Vergütung hoffen.

Treasurer gehören in diesem Jahr zu den wichtigsten Finanzern im Unternehmen. Das hat vor allem einen Grund: „Wegen der Pandemie legen Unternehmen derzeit einen starken Fokus auf die Liquiditätssteuerung. Daher ist jetzt besonders das Treasury gefragt“, so Thomas von Ciriacy-Wantrup, Partner bei der Personalberatung Fricke Finance & Legal.

Idealerweise sollte der Treasurer jederzeit einen Überblick darüber haben, wo das Cash im Unternehmen liegt. Deshalb ist ein Treasury, das digital und in Echtzeit arbeitet, einem veralteten Treasury in nahezu jeder Hinsicht überlegen.

Gerade in der Coronakrise muss der Treasurer nicht nur mehr Verantwortung übernehmen, sondern auch zeigen, dass er ein verlässlicher Partner des CFO ist – indem er zum Beispiel Daten jederzeit abrufen und seinem Chef vorlegen kann. Auch die Digitalisierung hat Auswirkungen auf das Treasury: Einfache manuelle Tätigkeiten werden entfallen. Das kann dazu führen, dass Treasurer in eine strategischere Rolle schlüpfen.

Geht es nach von FINANCE befragten Personalberatern, wird der Beruf des Treasurers in den nächsten Jahren dank Digitalisierung und neuer technischer Möglichkeiten daher an Bedeutung gewinnen. Auf einer Skala von +5 (= gewinnt sehr an Bedeutung) bis –5 (= verliert sehr an Bedeutung) vergaben die von FINANCE befragten Gehaltsexperten einen Wert von +3,5.


Gutes Geld für Spezialisten

Die zentrale Rolle der Treasurer spiegelt sich auch in ihren Gehältern wider. Bereits Junior Treasurer mit wenig Berufserfahrung können auf Gehälter zwischen 40.000 und 60.000 Euro kommen, erfahrenere Kollegen verdienen bis zu 90.000 Euro, aber im Schnitt nicht weniger als 55.000 Euro. Als Senior Treasurer sind sogar Gehälter um die 130.000 Euro möglich.

„Cash ist King – In Zeiten von Corona rückt ein funktionierendes Treasury-Management wieder stärker in den Fokus.“

Erich Schwinghammer, Senior Abteilungsleiter, Hays

Zudem gilt auch im Treasury: Spezialisten werden besonders gut bezahlt. Das Gehalt von Junior Cash Managern fängt beispielsweise bei 45.000 Euro an und kann auf bis zu 55.000 Euro steigen. Junior Zins- und Währungsmanager verdienen mit 50.000 bis 60.000 Euro sogar noch ein wenig mehr. Sehen lassen können sich auch die Gehälter der Seniors, die zudem gleich auf einem höheren Gehaltsniveau beginnen: Senior Cash Manager bekommen durchschnittlich 85.000 bis 120.000 Euro. Am besten verdient der Senior Zins- und Währungsmanager, dessen Gehalt sogar auf bis zu 130.000 Euro ansteigen kann.

Und die Gehaltsaussichten bleiben auch in Zikunft gut: Auf einer Skala von +5 (= Gehalt steigt stark an) bis –5 (= Gehalt geht sehr stark zurück) vergaben Experten einen Wert von +2,0.

3,5

Bedeutungszuwachs

-2,0

Jobperspektive

2,0

Gehaltsaussichten

So viel verdienen die verschiedenen Treasurer (Angaben in Euro)

Quellen: Compensation Partners, Fricke Finance & Legal, Robert Half, Robert Walters, Treuenfels

RISIKOMANAGER

Risikomanager sind die Nummer 1 in der Krise

Gerade in Krisenzeiten ist der Risikomanager besonders gefragt. Wer sich in der Corona-Pandemie unentbehrlich macht, kann sich über gute Gehälter trotz Wirtschaftsflaute freuen.

Die Aufgabe eines Risikomanagers ist klar definiert: Er muss Risiken für das Unternehmen identifizieren, ihre Eintrittswahrscheinlichkeit einschätzen und Maßnahmen vorschlagen, um gegenzusteuern oder zumindest die negativen Folgen zu verringern. Was in der Theorie gut klingt, kann in der Praxis aber an Grenzen stoßen – das beste Beispiel ist die Corona-Pandemie, die so wohl kein Risikomanager auf dem Radar hatte. Innerhalb kürzester Zeit entwickelte sich das Virus zu einer großen, teils existentiellen Bedrohung für viele Unternehmen.

Risikomanager stehen nun vor der schwierigen Aufgabe, die weiteren Folgen der Pandemie für ihr Unternehmen zu identifizieren und gemeinsam mit dem Vorstand Maßnahmen einzuleiten. Auf bisher bewährte Tools können sie aber nur zum Teil zurückgreifen, unterscheidet sich die Coronakrise doch stark von bisherigen Krisen: Der weitere Verlauf ist extrem schwer einzuschätzen, und anders als die Finanzkrise beeinflusst die Pandemie nicht nur die Finanz-, sondern auch die Realwirtschaft.

„Risikomanager zeigen sowohl Chancen, als auch Risiken auf. Defizite im Risikomanagement können fatale Folgen für Unternehmen haben.“

Johannes Becker, Managing Director, Hays

Glücklich schätzen dürften sich jetzt Risikomanager, die Erfahrung mit digitalen Tools gesammelt haben: Predicitive-Analytics-Methoden können dabei helfen, präzisere Prognosen zu erstellen. Auch Vorstände sind jetzt mehr denn je an guten Prognosen interessiert: „Die Zunahme an Forderungsausfällen dürfte das Bewusstsein des Top-Managements für ein optimales Risikomanagement erhöht haben“, meint Christian Nieswandt, Director Executive Search bei der Personalberatung Treuenfels.

Wohl auch deshalb sehen von FINANCE befragte Personalexperten die Jobperspektive von Risikomanagern trotz Wirtschaftsflaute in nächster Zeit nicht gefährdet: Auf einer Skala von –5 (= sehr viele Stellen fallen weg) bis +5 (= sehr viele Stellen werden geschaffen) vergeben sie einen Wert von +0,3. Auch die Gehälter werden nicht stark unter Druck geraten, schätzen die Experten.


Risikomanager bleiben gefragt

Wer jetzt den Berufseinstieg als Risikomanager wagt, kommt in der Regel auf ein Gehalt von mindestens 45.000 Euro, bei größeren Unternehmen sind aber auch bis zu 60.000 Euro möglich. Nach zwei bis drei Jahren Berufserfahrung sind Jahressaläre von über 60.000 Euro die Regel, manche Risikomanager können auch bis zu 90.000 Euro verdienen. Wirklich große Sprünge sind aber bei den erfahrenen Mitarbeitern möglich: Senior Risk Manager mit einer Berufserfahrung von über sechs Jahren können auf ein Jahresgehalt von bis zu 130.000 Euro kommen.

Es lohnt sich also, über einen Berufseinstieg im Risikomanagement nachzudenken – zumal die Arbeit auch nach der Coronakrise nicht ausgehen dürfte. Starke Währungsschwankungen, wirtschaftspolitische Auswirkungen durch Wahlen oder Sanktionen, aber auch Terrorismus sowie Cyberangriffe können eine unerwartete Bedrohung für Unternehmen darstellen.

1,0

Bedeutungszuwachs

0,3

Jobperspektive

0,3

Gehaltsaussichten

Das sind die Gehaltsspannen von Risikomanagern

(Angaben in Euro)
Quelle: Fricke Finance & Legal, Robert Walters, Robert Half

INVESTOR-RELATIONS-MANAGER

Unentbehrliche Krisenkommunikatoren

In Krisenzeiten haben Investor-Relations-Manager alle Hände voll zu tun: Aktionäre wollen beruhigt, Investoren stets auf den neuesten Stand gebracht werden. Das wird aber gut entlohnt.

Krisenkommunikation, digitale Hauptversammlungen, virtuelle Roadshows – und nebenbei noch das Tagesgeschäft: Investor-Relations-Manager hatten in den vergangenen Monaten Corona-bedingt alle Hände voll zu tun. Ihr volles Aufgabenportfolio macht sie in diesem Jahr – neben den Controllern und Treasurern – zu den gefragtesten Mitarbeitern in der Finanzabteilung. Das Sprachrohr des CFO trägt aber nicht nur in Krisenzeiten enorme Verantwortung, was die Kommunikation mit Investoren, Aktionären und Geschäftspartnern angeht.

Auch abseits von Krisensituationen müssen Investor-Relations-Manager zum Beispiel dafür sorgen, dass kapitalmarktrelevante Unternehmensmeldungen korrekt publiziert werden – ein nicht ganz leichtes Unterfangen bei den teils unklar formulierten Publizitätspflichten.

Diese Verantwortung lassen sich Investor-Relations-Manager dafür aber auch gut bezahlen: Junior Manager verdienen zwischen 40.000 Euro und 60.000 Euro. Kommunikatoren mit drei bis fünf Jahren Berufserfahrung kommen sogar auf Gehälter von bis zu 90.000 Euro. Die 100.000-Euro-Marke knacken Seniors im Bereich Investor Relations: Sie erreichen in der Spitze sogar Gehälter von 150.000 Euro.


Investor Relations wird digitaler

Wem das nicht reicht, der muss entweder zum Abteilungsleiter aufsteigen (Seite 10) – oder in einem Dax-Konzern anheuern. Dort sind die Gehälter noch einmal deutlich höher.

Ein Aufstieg im Bereich Investor Relations macht derzeit durchaus Sinn, prognostizieren die von FINANCE befragten Gehaltsexperten in näherer Zukunft doch eine Stagnation bei der Höhe der Saläre. Dafür sehen die Jobperspektiven besser aus: Auf einer Skala von +5 (= sehr viele Stellen werden geschaffen) bis –5 (= sehr viele Stellen fallen weg) bewerteten die Personalberater den Stellenzuwachs mit +2,0. Das ist eine leichte Verbesserung im Vergleich zum Vorjahr (+1,7). Wie genau die Stellen dann aber ausgestaltet werden, ist die große Frage – gut möglich, dass sich die Jobprofile ändern.

Denn wenn die Coronakrise eines gezeigt hat, dann das: Nicht alle Versammlungen und Meetings müssen immer persönlich abgehalten werden, virtuelle Hauptversammlungen und Roadshows haben gut funktioniert. Ob diese virtuellen Veranstaltungen aber auch langfristig in den Arbeitsalltag der Kapitalmarktkommunikatoren einziehen werden, wird allerdings nicht zuletzt der Gesetzgeber entscheiden.

Fest steht hingegen bereits jetzt: „Unternehmen müssen Arbeitsprozesse und -abläufe umgestalten, um ihren Mitarbeitern flexible Arbeitszeiten, Home Office und mobiles Arbeiten ermöglichen zu können“, betont Personalberater Michael Rausch von Fricke Finance & Legal.

1,5

Bedeutungszuwachs

2,0

Jobperspektive

0,0

Gehaltsaussichten

So viel verdienen Investor-Relations-Manager

(Angaben in Euro)
Quellen: Compensation Partners, Fricke Finance & Legal, Robert Walters

CORPORATE M&A

M&A-Spezialisten im Konzern: Moneymaker?

Wer sich als Berater oder Investmentbanker für den Wechsel in die M&A-Abteilung eines Unternehmens entscheidet, verdient sehr gut, muss dafür aber auch einige Abstriche in Kauf nehmen.

Ein Einstieg in die M&A-Abteilung eines Unternehmens lohnt sich, denn die Gehaltsaussichten können sich sehen lassen: Berufseinsteiger mit bis zu zwei Jahren Joberfahrung kommen auf ein Gehalt zwischen 50.000 und 65.000 Euro. Die Gehälter der M&A-Spezialisten, die drei bis fünf Jahre Berufserfahrung mitbringen, kratzen in der Spitze sogar schon an der 100.000-Euro-Marke.

Einen ordentlichen Gehaltssprung machen Seniors: M&A-Experten mit mehr als sechs Jahren Erfahrung im Beruf können auf Gehälter zwischen 120.000 und 150.000 Euro kommen. Wem der Aufstieg bis zum Abteilungsleiter gelingt, darf sich sogar über ein deutlich höheres Salär freuen: M&A-Chefs können auf bis zu 350.000 Euro hoffen.

Die Aussicht auf solch hohe Gehälter lockt daher immer mehr Investmentbanker und M&A-Berater auf die Unternehmensseite. Dort erwartet die Banker und Berater nämlich nicht nur eine Vergütung, die ungefähr auf dem Niveau eines gut bezahlten Investmentbankers liegt. Zugleich finden sie im Konzern meist deutlich geregeltere Arbeitszeiten vor – insbesondere im Vergleich zur Beratungstätigkeit. Das hat allerdings auch seinen Preis: Ex-Banker und -Berater müssen nach dem Wechsel ins Corporate M&A in aller Regel auf ihre Boni verzichten, die nicht selten einen Großteil der gesamten Vergütung ausmachten.

Ein Wechsel ins Corporate M&A lohnt sich daher finanziell nicht immer, bietet aber neben einer besseren Work-Life-Balance die Möglichkeit, sich tief in eine Branche einzuarbeiten und M&A-Projekte eigenständig zu verantworten – anders als im Investmentbanking, wo Berater oftmals von Mandat zu Mandat hechten und eher selten die langfristigen Früchte ihrer Arbeit ernten.


Engagement zahlt sich aus

Doch auch Jobs im Corporate M&A sind nicht komplett krisengefeit, wie die Coronakrise in diesem Jahr gezeigt hat. Denn wenn die Konjunktur nach unten zeigt, ebbt auch der Dealflow naturgemäß ab, und die Konzern-M&A-Abteilungen stehen plötzlich fast ohne Aufträge da. Das ist aber kein Grund, den Kopf in den Sand zu stecken: Corporate M&Aler kennen in der Regel die Strategie des Unternehmens in- und auswendig und sind zudem vertraut mit Themen wie Budgetierung und Projektplanung.

Das ist eine gute Basis, um an Business-Development-Themen – wie etwa dem Schärfen der Unternehmensstrategie – mitzuarbeiten. Schon so mancher M&A-Chef hat sich durch sein Engagement über das Thema M&A hinaus auf eine neue, besser bezahlte Position hochgearbeitet.

Für Corporate-M&A-Experten gilt daher: Nur wer sich jetzt im Unternehmen bewährt, hat Chancen auf eine Beförderung und damit verbunden auch auf ein besseres Gehalt. Viele andere hingegen erwartet nun erst einmal eine Durststrecke.

0,3

Bedeutungszuwachs

3,0

Jobperspektive

0,0

Gehaltsaussichten

So viel verdienen M&A-Experten in Unternehmen

(Angaben in Euro)
Quellen: Compensation Partners, Fricke Finance & Legal, Robert Walters

STEUERBERATER

Sonderkonjunktur für Tax-Experten

Die Coronakrise verschafft Steuerberatern gerade eine kleine Sonderkonjunktur. Wer auch nach der Pandemie sein Gehalt steigern will, sollte sich auf bestimmte Gebiete spezialisieren.

Viele müssen in der Coronakrise um ihre Jobs bangen, doch für Steuerberater gilt das wahrlich nicht. Ganz im Gegenteil: „Durch die Pandemie kam es zu deutlich mehr Arbeitsaufwand in den Steuerabteilungen“, hat Michael Rausch von der Personalberatung Fricke Finance & Legal beobachtet. Der Grund: Ihre Expertise wurde für die Anpassungen von Steuerzahlungen, Steuerabrechnungen oder für das Beantragen von steuerlichen Hilfsprogrammen dringend gebraucht. Die neuen Regelungen waren für alle Neuland – wer sich da schnell das nötige Know-how angeeignet hatte, konnte sich als Steuerexperte in der Krise profilieren.

Doch die Pandemie ist nur eine kleine Sonderkonjunktur für den Berufszweig. Wer auch in Zukunft gefragt sein will, muss sein Profil vielmehr an ein Berufsbild anpassen, das sich durch die Digitalisierung immer stärker verändert. „Steuerberater werden in Zukunft wesentlich weniger repetitive, transaktionale Tätigkeiten – wie etwa das Erstellen von Steuererklärungen und verschiedenen Dokumentationen – ausüben müssen“, meint Jens Oerding von Treuenfels. „Stattdessen werden sich Steuerberater auf wertschaffendere Tätigkeiten wie die Steuerplanung, die Verteidigung in der Betriebsprüfung oder internationale Steuerstreitschlichtungen konzentrieren müssen.“ Spezialisierung statt Generalisierung lautet der einhellige Tipp von Personalexperten.


Examen lohnt sich finanziell

Wer sich für eine Karriere als Steuerspezialist interessiert, braucht einen langen Atem. Häufig erfolgt der Einstieg in den Job zunächst als Steuerfachangestellter. Das Gehalt ist in dieser Position noch eher mau: Anfänger verdienen rund 33.500 Euro, nur sehr vereinzelt kommen Steuerfachangestellte auf ein Jahressalär von 61.500 Euro. Ein nächster Karriereschritt kann die Beförderung zum Steuerassistenten sein, was sich im Gehalt aber kaum widerspiegelt. Dieses liegt zwischen 38.500 und 68.000 Euro.

Der große finanzielle Sprung kommt erst als examinierter Steuerberater. Das anspruchsvolle Examen kann allerdings eine Hürde sein, nicht wenige brauchen einen zweiten oder dritten Anlauf, um es zu bestehen. Finanziell lohnt sich die Mühe aber allemal: Einstiegsgehälter von 69.000 Euro sind die Regel, und auch sechsstellige Saläre sind keine Seltenheit. 5 Prozent der Steuerberater kommen sogar auf über 130.000 Euro, zeigen die Gehaltsdaten von Personalberatern.

Die Gehaltsaussichten für die kommenden Jahre werden sich allerdings nur moderat entwickeln, glauben Experten. Auf einer Skala von –5 (= Gehalt geht sehr stark zurück) bis +5 (= Gehalt steigt stark an), vergaben von FINANCE befragte Experten einen Wert von +1,0. Im vergangenen Jahr waren sie mit einer Einschätzung von +2,0 noch etwas optimistischer.

2,5

Bedeutungszuwachs

0,0

Jobperspektive

1,0

Gehaltsaussichten

Das sind die möglichen Gehälter für Steuerspezialisten

(Angaben in Euro)
Quelle: Robert Half

WIRTSCHAFTSPRÜFER

Gutbezahlte Prüfer mit Image-Risiko

Der Bilanzskandal bei Wirecard macht deutlich, wie hoch die Erwartungen der Öffentlichkeit an die Wirtschaftsprüfer sind. Finanziell kann sich der Job aber durchaus lohnen.

Normalerweise agiert ein Wirtschaftsprüfer (WP) eher im Stillen: Unbemerkt von der größeren Öffentlichkeit prüft er das Zahlenwerk von Unternehmen auf seine Richtigkeit und setzt seinen Stempel darunter. Er spricht mit Vorständen, holt sich Belege ein und sucht nach Auffälligkeiten in den Bilanzen. Wenn er keine Fehler findet, vergibt er ein uneingeschränktes Testat – das ist meist das Einzige, wofür sich Anleger und Investoren bei der Arbeit des WP interessieren.

Doch seit einiger Zeit ist alles anders – der Bilanzskandal bei Wirecard hat den verschwiegenen Berufsstand in die Öffentlichkeit gezerrt. Seitdem bei dem inzwischen insolventen Zahlungsdienstleister 1,9 Milliarden Euro nicht mehr auffindbar waren, steht eine große Frage im Raum: Wieso hat der langjährige Prüfer EY den Betrug nicht schon früher aufgedeckt? Die Prüfer sind unter Beschuss, der Ruf der großen WP-Gesellschaft, aber auch der gesamten Branche ist durch den Skandal angekratzt.

„Durch Big Data und KI wird sich die Rolle des Wirtschaftsprüfers massiv verändern – hin zu einem smarten Prüfer!“

Florian Straßfurth, Expert, Hays

Könnte das dazu führen, dass sich so mancher interessierte Absolvent gegen diesen Berufsweg entscheidet? Ein schlechtes Szenario für die Branche, die ohnehin schon unter einem Nachwuchsmangel leidet: Immer weniger junge Menschen entscheiden sich für den Beruf des vermeintlichen Häkchenmachers. Gründe sind die beschwerliche Ausbildung und das herausfordernde Examen.


Sechsstellige Gehälter winken

Finanziell können sich die Mühen aber lohnen: Ein Viertel der examinierten Wirtschaftsprüfer mit weniger als drei Jahren Berufserfahrung verdient weniger als 59.668 Euro (1. Quartil), ein weiteres Viertel mehr als 69.355 Euro (3. Quartil), der große Rest liegt dazwischen. Mit mehr Berufserfahrung steigt die Vergütung deutlich an. Von denjenigen, die mehr als sechs Jahre im Job sind, verdient die Hälfte zwischen 67.051 und 85.874 Euro.

Nach über neun Jahren sind Gehälter bis 105.405 Euro möglich, ein Viertel der berufserfahrenen Prüfer kommt sogar noch darüber. Doch mit dem Gehalt steigt auch die Verantwortung: Wer als verantwortlicher Prüfer oder als Zweitunterzeichner namentlich unter dem Testat eines Unternehmens steht, sieht sich mit einem stärkeren Interesse der Öffentlichkeit konfrontiert, wenn ein Verdacht auf Ungereimtheiten aufkommt.

Wer sich gegen das Examen entscheidet, entscheidet sich zwar für eine Position mit weniger Verantwortung – aber auch mit deutlich niedrigerem Gehalt. Im Mittel verdient ein Wirtschaftsprüfungsfachassistent mit weniger als drei Jahren Berufserfahrung 43.660 Euro, nach einigen Jahren steigt das Gehalt im Schnitt auf 53.007 Euro. Nach über neun Jahren kommen Assistenten im Schnitt auf 56.867 Euro Salär, bleiben damit aber unter dem Einstiegsgehalt eines examinierten Prüfers.

3,0

Bedeutungszuwachs

-1,0

Jobperspektive

0,0

Gehaltsaussichten

Gehalt von WPs mit Examen nach Berufsjahren (Angaben in Euro)

Quelle: Compensation Partner

Mehr zum Thema