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Erneuter Staatskredit für Galeria

Die angeschlagene Kaufhauskette Galeria bekommt offenbar weitere Staatshilfen in Millionenhöhe. Foto: Martin Debus/stock.adobe.com

Gute Nachrichten für den Kaufhauskonzern Galeria: Das Shopping-Imperium von Investor René Benko hat offenbar grünes Licht für einen weiteren Staatskredit bekommen, wie das „Handelsblatt“ unter Berufung auf Insider berichtet. Demnach soll der Ausschuss des Wirtschaftsstabilisierungsfonds (WSF) die von Galeria beantragten Staatshilfen – im Gespräch waren zuletzt Mittel in Höhe von 240 Millionen Euro – noch am heutigen Dienstag absegnen. Galeria selbst war für eine Bestätigung der Meldung am Dienstagvormittag nicht zu erreichen.

Um die finanziell gebeutelte Warenhauskette zu stützen, muss nun wohl auch Investor Benko erneut frisches Geld nachschießen. Über die Höhe seines Gesellschafterbeitrags war bis zuletzt verhandelt worden, dieser soll nun bei 15 Prozent liegen. Damit fällt der Betrag offenbar geringer aus als ursprünglich vom Bund gefordert. Laut „Handelsblatt“ sollen zudem bereits erteilte Gesellschafterdarlehen über 60 Millionen Euro in Eigenkapital gewandelt werden.

Zweite Finanzspritze für Galeria

Für den gebeutelten Konzern, dessen Geschäfte bereits vor der Coronapandemie alles andere als gut liefen, ist es bereits die zweite staatliche Finanzhilfe. Bereits Anfang 2021 hatte sich Galeria mit dem Bund auf eine Stabilisierungsmaßnahme in Höhe von bis zu 460 Millionen Euro in Form eines Nachrangdarlehens mit einem Zinssatz von 6,5 Prozent verständigt. Der Kredit hatte Galeria die nötige Liquidität gesichert, um durch das vergangene Pandemie-Jahr zu kommen.

Während des ersten Lockdowns hatte sich Galeria Anfang April 2020 zunächst in ein Schutzschirmverfahren geflüchtet, nachdem sich die damalige Umsetzung der staatlichen Hilfe aus Sicht des Unternehmens zu lange hingezogen hatte. So hatte der damalige CFO Miguel Müllenbach zwar die Zusage von Staatshilfen seitens der Politik gelobt, jedoch kein gutes Haar an deren praktischer Umsetzung über die Hausbanken gelassen. Das Insolvenzverfahren vor dem Amtsgericht in Essen hatte der Konzern im September 2020 abgeschlossen.

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Corona hat Galeria hart getroffen

Das Coronavirus und die wiederholten Lockdowns und Beschränkungen haben den Warenhausgiganten hart getroffen. So verlor Galeria nach eigenen Angaben im ersten Lockdown im März 2020 jede Woche mehr als 80 Millionen Euro Umsatz. Im vergangenen Jahr hatten das Aufkommen der Delta-Variante und zuletzt die 2G-Beschränkung im Non-Food-Einzelhandel das Geschäft massiv belastet. Im Dezember hatte der neue Galeria-Finanzchef Guido Mager dann verkündet, dass Galeria ein zweites Mal um Staatskredit gebeten habe. Schon bei der ersten Einigung war ein zweiter Kredit nicht ausgeschlossen worden.

Die neuerliche Finanzspritze kommt für Galeria in einer kritischen Zeit. Denn neben den Folgen der Pandemie kämpft der aus der Fusion der beiden Handelsketten Galeria Kaufhof und Karstadt hervorgegangene Konzern auch mit der laufenden Transformation. Dadurch will das Unternehmen seine Kaufhäuser, die das Bild vieler deutscher Innenstädte noch immer prägen, mit Hilfe eines neuen Konzepts wieder attraktiver für die Kunden machen. Der Praxistest für das neue Konzept steht allerdings noch aus.

Umbau kostet Galeria 600 Millionen Euro

In Berlin scheint man offenbar von der Zukunft des neuen Konzepts überzeugt. Denn Voraussetzung für die Unterstützung aus dem staatlichen Stabilisierungsfonds ist eine sogenannte „positive Fortführungsprognose“ für das Unternehmen. Allerdings gab es auch bereits Ausfälle: Für den Autozulieferer A-Kaiser sowie die MV-Werften hat der WSF in der Vergangenheit Mittel bewilligt, beide Unternehmen stellten später jedoch Insolvenzantrag. Die ebenfalls vom WSF bedachte Modekette Orsay flüchtete unter den Schutzschirm.

Beim ersten Staatskredit im vergangenen Jahr hatte die Bundesregierung die Unterstützung für Galeria mit der Rettung vieler Arbeitsplätze sowie mit der Bedeutung der Warenhäuser für zahlreiche Innenstädte begründet.

Doch eines dürfte bereits jetzt klar sein: Einfach wird der erhoffte Sprung in eine bessere Zukunft für Galeria auch mit der Staatshilfe nicht. Denn der Konzern muss für den geplanten Umbau seiner insgesamt 131 Filialen kräftig investieren – trotz der massiven Umsatzeinbußen. Insgesamt 600 Millionen Euro will Galeria für die Neuausrichtung aufwenden, zu der neben dem Filialumbau auch der Ausbau des Online-Handelsgeschäfts und der damit verbundenen Logistik gehören.

thomas.holzamer[at]finance-magazin.de

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Thomas Holzamer ist Redakteur bei FINANCE und verfolgt schwerpunktmäßig die aktuellen Entwicklungen im Banken-Sektor, speziell das Firmenkundengeschäft. Er hat Politikwissenschaften an der Technischen Universität Darmstadt studiert. Vor FINANCE arbeitete Thomas Holzamer mehr als 12 Jahre in den Redaktionen der Mediengruppe Offenbach-Post, zunächst als verantwortlicher Redakteur für Sonderpublikationen, später im Lokalen.

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