Die Bafin hat Ex-Wirecard-Vorstandschef Markus Braun wegen des Verdachts auf Insiderhandel angezeigt.

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15.07.20
Wirtschaft

Bafin zeigt Ex-Wirecard-Chef Markus Braun wegen Insiderhandels an

Die Bafin wirft dem ehemaligen Wirecard-Chef Markus Braun Insiderhandel vor und hat Anzeige erstattet. Betroffen sind drei Transaktionen im Juni – kurz bevor Wirecard Insolvenz anmeldete.

Im Bilanzskandal um den Zahlungsdienstleister Wirecard rücken Aktiengeschäfte des Ex-Vorstandschefs Markus Braun ins Visier der Behörden: Die Finanzaufsicht Bafin hat bei der Staatsanwaltschaft München Anzeige wegen Insiderhandels gegen die MB Beteiligungsgesellschaft erstattet, hinter der Braun steht. Eine Bafin-Sprecherin bestätigte dies gegenüber FINANCE. Der Nachrichtenagentur Reuters zufolge hat die Staatsanwaltschaft die Ermittlungen bereits aufgenommen und untersucht, inwieweit Braun in die „Betrügereien“ verwickelt sei.

Braun hat Wirecard-Aktien vor Insolvenz verkauft

Konkret werden nun drei Transaktionen von Markus Braun überprüft: Erstens geht es um den Verkauf von Wirecard-Aktien im Gesamtwert von 6,6 Millionen Euro am 24. Juni – nur einen Tag bevor Wirecard einen Insolvenzantrag stellte. Zweitens beanstandet die Bafin weitere Aktienverkäufe in Höhe von 3,4 Millionen Euro, die zwei Tage vorher durch die MB Beteiligungsgesellschaft abgewickelt worden waren.

Ebenfalls wegen des Verdachts auf Insiderhandel überprüft wird Brauns Verkauf des Hauptteils seines Aktienpakets von acht Prozent, so die Bafin-Sprecherin. Diese Transaktionen erfolgten am 18. sowie am 19. Juni, Braun erlöste damals 155 Millionen Euro. Bei diesen Aktienverkäufen handelte es sich um Verkäufe aufgrund von Margin Calls: Markus Braun trennte sich nicht aus freien Stücken von dem Aktienpaket, sondern weil Kreditgeber ihn dazu drängten, um ihre eigenen Verluste zu begrenzen.

Braun war Mitte Juni von seinem Amt als Wirecard-CEO zurückgetreten. Kurz darauf nahm ihn die Staatsanwaltschaft München fest, der Österreicher kam gegen Kaution und Auflagen jedoch wieder frei. Die Ermittler werfen Braun vor, die Bilanzsumme und die Umsätze von Wirecard durch vorgetäuschte Einnahmen aufgebläht zu haben. Auch wegen Marktmanipulation wurde damals schon ermittelt.

Verdacht auf Insiderhandel wegen Forumpost

Doch nicht nur gegen Braun wird ermittelt. Erst gestern schürte ein Post in dem Finanzforum von „Finanzen.net“ einen weiteren Verdacht auf Insiderhandel. Der Nutzer „Lilalaunebaer“ ließ in dem Eintrag wissen, dass das Big-Four-Haus EY Wirecard kein uneingeschränktes Testat erteilen würde. Brisant: Der Eintrag erfolgte mehrere Tage bevor EY dem Zahlungsdienstleister tatsächlich das uneingeschränkte Testat verweigerte.

Die Bafin, die im Zuge des Bilanzskandals bei Wirecard selbst unter Druck kam und sich vorwerfen lassen musste, zu spät gehandelt zu haben, hat die Staatsanwaltschaft München auch in diesem Fall des Verdachts auf Insiderhandel informiert. „Es liegt ein komplexer Sachverhalt vor, gegen den wir jetzt ermitteln. Wir schauen uns ganz umfassend den gesamten Fall unter allen denkbaren Gesichtspunkten an, versuchen nachzuvollziehen was passiert ist und welche rechtlichen Konsequenzen das haben kann“, sagte ein Sprecher der Staatanwaltschaft auf Nachfrage von FINANCE, ohne jedoch auf konkrete Sachverhalte einzugehen.

olivia.harder[at]finance-magazin.de

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