Ex-Wirecard-CFO Burkhard Ley gibt EY die Mitschuld am Bilanzbetrug.

Wirecard

21.06.21
Wirtschaft

Ex-Wirecard-CFO gibt EY Mitschuld am Treuhand-Betrug

Neuer Ärger für EY: Ex-Wirecard-CFO Burkhard Ley wirft den Wirtschaftsprüfern vor, dem Milliardenbetrug den Boden bereitet zu haben. Die entscheidende Frage: Wer hatte die Idee mit den Treuhandkonten, Ley oder EY?

Im Fall Wirecard brechen die Anschuldigungen in Richtung EY nicht ab, der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft drohen Schadenersatzklagen in Milliardenhöhe und der Verlust weiterer Prüfmandate.

Nun wirft der langjährige Finanzchef von Wirecard, Burkhard Ley, EY auch eine deutliche Mitschuld am Milliardenbetrug rund um das nur in Fragmenten existierende Drittpartnergeschäft vor. Leys Anwalt Norbert Scharf erklärte in einem Schreiben an den Wirecard-Untersuchungsausschuss des Bundestags, dass der Vorschlag für die Einführung der Treuhandkonten, wo 1,9 Milliarden Euro verschwanden, von EY gekommen sei. Dies berichtet das „Handelsblatt“. EY hingegen behauptet, die Idee zur Gründung der Treuhandkonten sei im Jahr 2016 von Wirecards Finanzabteilung gekommen, unter tätiger Mithilfe von CFO Ley.

Warum die Treuhandkonten so wichtig waren

Die Urheberschaft der Idee mit den Treuhandkonten dürfte in der juristischen Aufbereitung des Skandals noch eine wichtige Rolle spielen, schließlich ermöglichte es erst dieser Kniff, den Bilanzbetrug nach 2017 noch deutlich forcierter umzusetzen als in den Jahren davor.

Die Treuhandkonten sorgten dafür, dass aus schwer nachvollziehbaren Forderungen (deren Höhe spätestens ab 2015 bei Investoren und Journalisten Verdacht erregte) bilanztechnisch betrachtet hartes „Cash“ werden konnte. Nach offizieller Lesart flossen die Gebührenzahlungen der Drittpartner für Wirecard auf diese Treuhandkonten. Dort dienten sie wiederum als Sicherheiten für den beschleunigten Ausbau des Zahlungsgeschäfts in den Emerging Markets. In den Büchern der Folgejahre drückte sich dies in Form stark steigender Umsätze und Gewinne wie auch wachsender Kassenbestände aus.

Während EY behauptet, Wirecard sei auf die Idee mit den Treuhandkonten gekommen, weil die Bilanzprüfer sich zunehmend schwer damit getan hätten, die Werthaltigkeit der Forderungen einzuschätzen, lässt Ley nun die Ansicht verbreiten, die Wirtschaftsprüfer hätten eine Schlüsselrolle bei der Konstruktion dieses Systems gespielt.

Dies widerspricht der Darstellung von EY: Das Big-Four-Haus behauptet, den EY-Prüfern sei lediglich die Aufgabe zugekommen, „das Treuhandkontenmodell im Rahmen der Abschlussprüfung zu würdigen“, zitiert das „Handelsblatt“ aus einer Stellungnahme des von EY beauftragten Strafrechtlers Björn Gercke gegenüber dem Ermittlungsausschuss vom 11. Juni. Man habe stets nach bestem Wissen und Gewissen geprüft. „Mit dem Wissen von heute hätten wir im Kernbereich des Betrugs umfangreichere Prüfungshandlungen vorgenommen“, zitiert das „Handelsblatt“ jedoch aus einem Schreiben der neuen EY-Deutschlandführung an den Ausschuss.

Burkhard Ley wieder auf freiem Fuß

Der ehemalige Finanzchef Ley zählt zu den zentralen Akteuren von Wirecard: Er leitete den Finanzbereich von Anfang 2006 bis Ende 2017. Im Juli vergangenen Jahres wurde Ley verhaftet und in Untersuchungshaft gesteckt, zweieinhalb Monate später aber wieder freigelassen. Nach Ansicht der Staatsanwaltschaft hätten „wesentliche Taten“ bei Wirecard erst nach seiner Amtszeit als CFO stattgefunden.

Nach Darstellung von Leys Anwalt seien die Treuhandkonten auf Anraten der EY-Prüfer eingerichtet worden, „um die Sicherheitseinbehalte zugunsten der Wirecard AG von der Bonität der Drittpartner zu trennen“. Dies sei Ley zu diesem Zeitpunkt „ökonomisch sinnvoll und geboten“ vorgekommen, weshalb er die Einführung unterstützt habe.

Die SPD-Finanzpolitikerin Cansel Kiziltepe sagte gegenüber dem „Handelsblatt“, dass „die Aussagen des tief in die Sache verstrickten Burkhard Ley mit Vorsicht zu genießen“ seien.

thomas.holzamer[at]finance-magazin.de

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