Hallhuber beantragt ein Schutzschirmverfahren. Die Kette leidet unter der Coronakrise und den daraus folgenden Filialschließung.

Hallhuber

16.04.20
Wirtschaft

Hallhuber flüchtet unter Schutzschirm

Die Modekette Hallhuber muss wegen der Coronakrise unter den Schutzschirm. Für die frühere Gerry-Weber-Tochter ist es die zweite große Neuausrichtung innerhalb eines Jahres.

Mit der Modekette Hallhuber flüchtet das nächste Unternehmen wegen der Krise durch das Coronavirus unter den Schutzschirm. Wie am heutigen Donnerstag bekannt wurde, stellte die Modekette Antrag auf Einleitung eines Schutzschirmverfahrens in Eigenverwaltung beim Amtsgericht München. Im Unterschied zu einer klassischen Insolvenz in Eigenverwaltung ist das Schutzschirmverfahren nur möglich, wenn das Unternehmen noch nicht zahlungsunfähig ist.

Hallhuber drohte Zahlungsunfähigkeit

Hallhuber hat das Sanierungsverfahren nach eigener Aussage beantragt, „um eine drohende Zahlungsunfähigkeit abzuwenden.“ Grund für den finanziellen Engpass ist, dass das Unternehmen die Filialen wegen der Corona-Pandemie schließen musste.

Hallhuber hat nun drei Monate Zeit, um einen Sanierungsplan unter der Leitung von Sachwalter Christian Gerloff (Kanzlei Gerloff Liebler) auszuarbeiten. Gerloff war bereits als Generalbevollmächtigter im vergangenen Jahr im Zuge des Insolvenzverfahrens der ehemaligen Hallhuber-Mutter Gerry Weber eingesetzt.

Sven Tischendorf wird CRO bei Hallhuber

Für das erst vor wenigen Monaten neu formierte Managementteam um CEO Rouven Angermann und CFO Torsten Eisenkolb, der von Adidas kam, ist dies die nächste große Bewährungsprobe in der Neuausrichtung des Modehändlers. Während des Schutzschirmverfahrens bekommen sie Verstärkung durch die Sanierer Sven Tischendorf und Alexander Höpfner von der Frankfurter Kanzlei AC Tischendorf Rechtsanwälte. Tischendorf wird die Restrukturierung als Chief Restructuring Officer begleiten, Höpfner wird Chief Insolvency Officer. 

Der laufende Geschäftsbetrieb sowie das Gehalt der rund 2.000 Mitarbeiter sind Hallhuber zufolge weiter sichergestellt. Auf Staatshilfen wollte Hallhuber nicht zurückgreifen: „Gegenüber der möglichen Option von Staatshilfen und der damit einhergehenden Verschuldung ist das von uns gewählte Schutzschirmverfahren die bessere Variante, unser Unternehmen geordnet und erfolgreich wieder anzufahren“, sagte CEO Angermann.

FINANCE-Köpfe

Torsten Eisenkolb, Hallhuber GmbH

Nach dem Studium startet Torsten Eisenkolb seine berufliche Laufbahn 2001 bei der Adidas Group. Insgesamt ist er dort 18 Jahre lang in verschiedenen Führungspositionen tätig, unter anderem als CFO Global Retail und General Manager Retail und Franchise Europa. Seine Expertise in Themen wie Omnichannel-Konzeption, Retail, IT sowie Controlling bringt er ab dem Herbst 2019 in seiner neuen Position als CFO der Modekette Hallhuber ein.

zum Profil

Für Hallhuber folgt damit die zweite Neuausrichtung binnen gerade einmal einem Jahr. Erst 2019 war das Unternehmen in den Abwärtsstrudel der damaligen Mutter Gerry Weber geraten. Der Investor Robus Capital gewährte Hallhuber im Frühjahr zunächst kurzfristig eine dringend benötigte Brückenfinanzierung über 10 Millionen Euro und verhandelte zusammen mit der Geldspritze auch eine Kaufoption, die er im Juli 2019 zog. Im vergangenen Sommer sicherte sich Robus Capital 88 Prozent an Hallhuber.

Finanzierer unterstützen Hallhuber weiter

In den zurückliegenden Monaten unterzog sich Hallhuber bereits einer Neuausrichtung, unter anderem wurden die Distributionskanäle besser vernetzt und der Omnichannel-Vertrieb mit Online-Verkäufen und stationärem Handel forciert. Der Neubesitzer Robus Capital will die Modemarke in das „Bridge-to-Premium“-Segment bringen, den Bereich etwas unterhalb der Premium-Marken.

Die letzten Umsatzzahlen zeigten laut CEO Angermann, dass es „langsam aber stetig aufwärts“ gehe: Der Umsatz für das vergangene Geschäftsjahr, das Ende Oktober endet, lag bei 197 Millionen Euro und damit auf Vorjahresniveau. Früheren Plänen zufolge wollte Hallhuber im Geschäftsjahr 2020/21 wieder die Gewinnschwelle erreichen. Diese Pläne dürfte die Coronakrise durchkreuzt haben.

Dennoch sieht sich das Management für die kommende Eigenverwaltung gut gerüstet: „Finanzierer, Gesellschafter, Lieferanten und Vermieter leisten einen Beitrag zur weiteren Sicherung der Liquidität und setzen sich für den zukünftigen Erfolg der Firma ein“, sagte CFO Eisenkolb.

sarah.backhaus[at]finance-magazin.de

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Mehr über den seit September 2019 amtierenden Hallhuber-CFO lesen Sie auf dem FINANCE-Köpfe-Profil von Torsten Eisenkolb.